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9-Euro-Ticket nicht mehr gültig: Aktion ermutigt zum Schwarzfahren und zahlt Strafe

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Von: Jan Oeftger

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Das Ende des 9-Euro-Tickets sorgt für Ärger. Eine Aktion fordert zum Schwarzfahren auf und übernimmt unter Umständen die Kosten.

Kassel – Das Ende des 9-Euro-Tickets sorgt für viel Kritik. Bürgerinnen und Bürger sind darüber enttäuscht, dass die Politik noch keine Nachfolgelösung präsentieren konnte. Dass es in Zukunft ein günstigeres Ticket geben soll, gilt als sicher. Vorher müsse die Politik jedoch noch einige Fragen klären. Um zu protestieren, animieren Aktionen zum Schwarzfahren.

In Nürnberg fuhr eine Gruppe von Klimaktivistinnen und Klimaktivisten der „Letzten Generation“ und der Jesuitenpater Jörg Alt am 01. September bewusst ohne Fahrschein mit der Straßenbahn und der U-Bahn. Bei ihrer Aktion trugen sie Schilder und Plakate mit sich, auf denen sie Klimaschutz und die Verlängerung des 9-Euro-Tickets forderten.

Für Alt ist das 9-Euro-Ticket eine „sozial gerechte und ökologisch nachhaltige Erfolgsgeschichte“. Deswegen entschied er sich mit der Gruppe aus Aktivistinnen und Aktivisten für die „Aktion zivilen Ungehorsams“. Während ihres Protests wurde die Gruppe auch kontrolliert. Wegen fehlenden Fahrscheinen wurden die Personalien aufgenommen. Es droht nun eine Strafe, wie der BR berichtet.

Eine Aktion ruft zum Schwarzfahren als Protest gegen das Ende des 9-Euro-Tickets auf.
Eine Aktion ruft zum Schwarzfahren als Protest gegen das Ende des 9-Euro-Tickets auf. © Daniel Reinhardt/dpa

9-Euro-Ticket ist ausgelaufen – Aktion startet 9-Euro-Fond zum Schwarzfahren

Noch größer angelegt ist eine Aktion, die sich ebenfalls gegen das Ende des 9-Euro-Tickets richtet. Diese nennt sich 9-Euro-Fond. Das Prinzip ist relativ einfach: Es gibt einen Fond, in den jeder monatlich 9 Euro einzahlen kann. Dadurch erhält man eine „Ticketversicherung“. Denn wer sich an der Aktion beteiligt, muss ein mögliches erhöhtes Beförderungsentgelt nicht selbst zahlen. Dieses wird stattdessen aus dem Fond bezahlt.

Mit der Aktion soll die positive Wirkung des 9-Euro-Tickets hervorgehoben werden. „Denn immer mehr Menschen wollen saubere und nachhaltige Mobilität, keine umweltschädlichen Autos“, schreibt die Aktion auf ihrer Website. Man verspricht sich, durch eine hohe Beteiligung, die Politik dazu zu bewegen, schneller zu handeln.

Das sind die konkreten Forderungen der Aktion 9-Euro-Fond

Ausbau des ÖPNVEngere Taktung, Barrierefreiheit und Verdopplung des Bus- und Bahn-Angebots bis 2030
Attraktivere ArbeitFaire Löhne (tarifgebunden), bessere Arbeitsbedingungen
Mehr Personal100.000 Neueinstellungen für ausscheidendes Personal und 70.000 neue Stellen
Umverteilung des GeldesUmwelt- und klimaschädliche Subventionen sowie Diesel- und Dienstwagenprivileg abschaffen, Mittel statt in Straßenbauprojekte in ÖPNV stecken

„Ich fahre ohne Fahrschein“-Sticker sollen für Aufmerksamkeit sorgen

Mit einem Sticker mit der Aufschrift „Ich fahre ohne Fahrschein“ soll der Vorwurf des „Erschleichens von Leistungen” umgangen werden. Diese Aufkleber könne sich jeder ausdrucken und sichtbar tragen, der die Aktion unterstützen möchte – auch wenn man nicht aktiv teilnimmt.

Die Aktion weist daraufhin, dass sie lediglich das erhöhte Beförderungsentgelt übernehmen könne. Eine rechtliche Absicherung sei hingegen nicht möglich. Deshalb sollte jeder selbst entscheiden, ob er die Straftat begehen wolle. Dazu schreibt die Aktion: „Wir rufen nicht dazu auf, ohne Fahrschein zu fahren, denn das wäre strafbar.“ Dennoch sollen möglichst viele Menschen dafür begeistert werden, mitzumachen.

Der 9-Euro-Fond soll wie das 9-Euro-Ticket für Bussen, U- und S-Bahnen sowie Trams „gültig sein“. Der Regionalverkehr sei hingegen nicht inbegriffen, da dort zu häufig Kontrollen stattfinden würden. An die Politik richtet die Aktion weitere Forderungen. Danach soll unter anderem der ÖPNV ausgebaut und mehr Personal eingestellt werden. Außerdem solle die Arbeit attraktiver gemacht und Geld umverteilt werden. (Jan Oeftger)

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