Internationale Hilfe

Quarantäne für 47 junge Flüchtlinge im Kreis Osnabrück endet - Weiterverteilung steht bevor

47 Minderjährige aus Flüchtlingslagern in Griechenland sind in Niedersachsen gelandet und unter Quarantäne gestellt worden. Nun werden sie bundesweit verteilt.

  • Niedersachsen nimmt 47 Minderjährige aus Flüchtlingslagern in Griechenland auf
  • Minderjährige Geflüchtete beenden Quarantäne im Kreis Osnabrück
  • Weiterverteilung bundesweit - Niedersachsen nimmt 13 Geflüchtete auf

Update, 4. Mai: Die im Kreis Osnabrück untergebrachten Minderjährigen aus griechischen Flüchtlingslagern haben ihre zweiwöchige Quarantäne beendet. Sie können nun auf andere Bundesländer und Kommunen in Niedersachsen verteilt werden, wie das niedersächsische Innenministerium am Montag mitteilte. Die 47 unbegleiteten Flüchtlingskinder aus Afghanistan, Syrien und Eritrea waren am 18. April in Hannover gelandet und für die Quarantäne im Kreis Osnabrück untergebracht worden.

Niedersachsens Innenminister fordert zum Handeln auf

Innenminister Boris Pistorius dankte allen Beteiligten. „Wir haben mit unserem tatkräftigen Einsatz bewiesen, dass eine Aufnahme auch unter den besonderen Herausforderungen der aktuellen Corona-Pandemie möglich ist“, sagte der SPD-Politiker. Zeitgleich forderte er den Bund auf, gemeinsam mit anderen EU-Staaten weitere Kinder aus Griechenland zu holen. Die erste Aktion dürfe nur der Anfang gewesen sein. „Die Situation auf den griechischen Inseln ist nach wie vor dramatisch“, betonte Pistorius.

Die Kinder sind zwischen 8 und 17 Jahren alt, mehr als die Hälfte 13 Jahre und jünger. Laut dem Ministerium haben 18 von ihnen Verwandte oder Familienangehörige in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt. Von den weiteren 29 Minderjährigen sollen je acht auf die Länder Berlin und Hamburg verteilt werden. 13 Kinder bleiben demnach in Niedersachsen. (dpa)

Niedersachsen nimmt zwölf junge Flüchtlinge auf

Update, 30. April: Zwölf der 47 Kinder und Jugendlichen, die vor zwei Wochen aus den griechischen Flüchtlingslagern nach Deutschland geholt wurden, bekommen in Niedersachsen ein neues Zuhause. Die Städte Lüneburg und Braunschweig, der Landkreis Friesland und die Region Hannover nehmen je zwei, die Stadt Osnabrück einen und die Landeshauptstadt Hannover drei Jungen auf, teilte das Sozialministerium am Donnerstag mit. „Ich hoffe sehr, dass die Kinder nach ihren schrecklichen Erlebnissen bei uns jetzt endlich zur Ruhe kommen, sich schnell einleben und so auch die Chance für ein kind- und jugendgerechtes Aufwachsen bekommen werden“, sagte Ministerin Carola Reimann (SPD).

Die 43 Jungen und vier Mädchen, die zwischen sechs und 17 Jahren alt sind, waren per Flugzeug aus Griechenland nach Niedersachsen gebracht worden. In einer Einrichtung im Landkreis Osnabrück verbrachten sie eine zweiwöchige Quarantäne, die am Freitag zu Ende geht.

Innenminister Boris Pistorius (SPD) forderte die Bundesregierung und die übrigen EU-Staaten auf, „schnell weitere Kinder aus dem Elend in Griechenland zu holen“. Er kenne die „schreckliche Situation“ in den griechischen Lagern von seinem Besuch dort Ende Oktober. „Diese Aktion darf nur ein Anfang sein.“ Die Versorgung und Verteilung in Niedersachsen habe reibungslos funktioniert.

Das Bundesinnenministerium hatte bereits am Mittwoch mitgeteilt, dass 18 der Minderjährigen entsprechend familiärer Bindungen in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt aufgenommen würden. Die übrigen bekämen ihren neuen Aufenthaltsort außer in Niedersachsen auch in Hamburg und Berlin.

Deutschland will nach Angaben der Bundesregierung bis zu 500 Minderjährige von den griechischen Inseln aufnehmen. Die Einreise der 47 Kinder und Jugendlichen soll ein erster Schritt gewesen sein. Wann weitere Aufnahmen zu erwarten sind, sei noch offen. (epd)

Junge Flüchtlinge zunächst in Niedersachsen in Quarantäne

Update, 18. April: Auf dem Flughafen Hannover sind am Samstagvormittag 47 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge gelandet, die zuletzt in Lagern auf den griechischen Inseln gelebt hatten. Sie sollen zunächst für eine zweiwöchige Quarantäne im Landkreis Osnabrück untergebracht werden, bevor sie auf die Bundesländer verteilt werden. 

Wie das niedersächsische Innenministerium und das Bundesinnenministerium mitteilten, handelt es sich um 42 Kinder und um 5 Jugendliche, von denen 4 in Begleitung jüngerer Geschwisterkinder sind. 4 der Minderjährigen sind Mädchen.

Junge Flüchtlinge in Hannover gelandet - nur ein Anfang

„Ich freue mich, dass wir heute die ersten unbegleiteten Kinder empfangen können - trotz der schweren Belastungen durch die Corona-Krise“, sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) bezeichnete die Ankunft der Flüchtlingskinder als einen Anfang.

Die unbegleiteten Kinder und Jugendlichen waren in Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln Lesbos, Samos und Chios untergebracht. Sie stammen aus Afghanistan, Syrien und Eritrea.

Im Migrationsministerium in Athen war nach dem Start zunächst von 49 Minderjährigen die Rede gewesen. An Bord befanden sich nach Angaben der deutschen Ministerien neben den 47 aber auch 2 Kinder, die von ihrem Vater nach Griechenland entführt worden waren und zu ihrer in Deutschland lebenden Mutter zurückgeführt wurden. „Wir geben verfolgten Menschen die Möglichkeit für einen Neustart“, erklärte der griechische Regierungschef Kyriakos Mitsotakis im Staatsfernsehen.

Weitere Minderjährige aus Flüchtlingslagern sollen nach Deutschland kommen

Sie sind die zweite Gruppe von Minderjährigen, die aus den Lagern geholt wurden. Bereits am Mittwoch waren zwölf Jugendliche von Luxemburg aufgenommen worden. Der Plan sieht vor, dass rund 1600 Jugendliche in andere EU-Staaten gebracht werden. Gut 90 Prozent der Minderjährigen sind Jungen. In den Lagern der Inseln im Osten der Ägäis harren zurzeit gut 39.000 Menschen aus. Etwa 36 Prozent sind nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) Minderjährige.

Auf dem Flughafen Hannover landeten am Samstag 47 minderjährige Flüchtlinge, die zuvor in Flüchtlingslagern in Griechenland untergebracht waren.

Die Ausreise der Kinder und Jugendlichen könne nur ein Anfang sein, wenn es darum gehe, die völlig überfüllten und unzumutbaren Camps auf den griechischen Inseln zu entlasten, sagte der deutsche UNHCR-Repräsentant Frank Remus der dpa. Sie seien jetzt zwar in Sicherheit, aber auch in einer fremden Welt, ohne Gewohntes und ohne vertraute Menschen. Sie seien in Deutschland eingetroffen. „Wann sie auch in Deutschland ankommen, hängt von hilfreichen Händen und offene Herzen ab.“

Unterdessen bekundete der nordrhein-westfälische Flüchtlings- und Integrationsminister Joachim Stamp (FDP), dass auch sein Bundesland als Aufnahmeland bereitstehe. NRW sei auf die Aufnahme von mehreren hundert Minderjährigen vorbereitet. Insgesamt will Deutschland im Rahmen des europäischen Vorgehens mindestens 350 Minderjährige aufnehmen. (dpa)

Niedersachsen nimmt 50 minderjährige Geflüchtete auf

Originalmeldung, 8. April: Lange wurde gerungen, nun nimmt Deutschland voraussichtlich in der kommenden Woche die ersten 50 unbegleiteten Minderjährigen aus den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln auf. Das entschied das Bundeskabinett am Mittwoch in Berlin. Die ersten zwei Wochen nach der Einreise werden sie in Corona-Quarantäne in Niedersachsen verbringen. Anschließend sollen sie auf mehrere Bundesländer verteilt werden. Nicht ausgeschlossen ist aber, dass die Kinder auch dauerhaft in Niedersachsen bleiben. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) hatte sich seit langem für eine Aufnahme der Migrantenkinder stark gemacht.

Außer Deutschland ist aufgrund des Coronavirus derzeit nur Luxemburg bereit, junge Migranten aus den überfüllten informellen Lagern zu holen. Weitere Staaten, die ursprünglich Hilfe zugesagt hatten, machen den Zeitpunkt der Aufnahme jetzt von einem Rückgang der Zahl der Corona-Infizierten abhängig. Laut Innenministerium haben sich auch Frankreich, Portugal, Irland, Finnland, Kroatien, Litauen, Belgien und Bulgarien bereit erklärt, Kinder und Jugendliche aufzunehmen. In Brüssel wurden die Ankündigungen von Luxemburg und Deutschland begrüßt. „Wir sind sehr froh, dass die Dinge vorangehen“, sagte ein Sprecher der EU-Kommission dem Evangelischen Pressedienst nicht zuletzt mit Blick auf die Corna-Krise Niedersachsen.

Schwer kranke oder unbegleitete Kinder kommen nach Niedersachsen

Deutschland will in nächster Zeit noch mehr Minderjährige aus Griechenland aufnehmen. Es handelt sich laut einem Koalitionsbeschluss um geflüchtete Kinder, die schwer erkrankt oder unbegleitet und jünger als 14 Jahre sind. Wie Außenminister Heiko Maas (SPD) am Mittwoch in der Sendung „Frühstart“ der RTL/ntv-Redaktion sagte, sollen in den kommenden Wochen zwischen 350 und 500 unbegleitete Kinder nach Deutschland geholt werden. Die Zusage von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sei „längst überfällig und zugleich ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagte die Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne).

50 kranke oder unbegleitete Kinder kommen in Kürze in Niedersachsen an.

„Ich bin zuversichtlich, dass wir nächste Woche die ersten Kinder hier in Deutschland empfangen können“, sagte Pistorius am Mittwoch. Derzeit schafften die Behörden die Voraussetzungen zur Aufnahme der Flüchtlinge während der Corona-Krise. „Damit setzt auch Deutschland ein deutliches Signal in der Koalition der Willigen. Ich danke Horst Seehofer ausdrücklich für seine Unterstützung meiner Initiative auf Bundes- und europäischer Ebene.“ Wann die Flüchtlinge in der kommenden Woche eintreffen und ob sie direkt nach Hannover geflogen werden, stand nach Ministeriumsangaben zunächst nicht fest.

UN-Kinderhilfswerk Unicef begrüßt Aufnahme der Kinder

Das UN-Kinderhilfswerk Unicef begrüßte die Ankündigung Deutschlands. Vor allem das Engagement der aufnehmenden Kommunen für das Wohl dieser Kinder verdiene Anerkennung und Unterstützung, sagte der Geschäftsführer von Unicef Deutschland, Christian Schneider. Zugleich betonte er aber auch, bei diesem symbolischen Zeichen dürfe es nicht bleiben. Ähnlich äußerte sich die Diakonie. Dies könne „allenfalls ein Anfang sein“, sagte Präsident Ulrich Lilie.

Pro Asyl bezeichnete die Ankündigung sogar als „Alibihandeln der Bundesregierung“. Geschäftsführer Günter Burkhardt erneuerte seine Forderung, die überfüllten Lager aufgrund der Gefahr durch die Corona-Pandemie komplett zu evakuieren und verwies auf die dort stark mangelhafte medizinische und sanitäre Versorgung im Angesicht des Coronavirus.

Situation im überfüllten Flüchtlingslager Moria ist desolat

Pistorius hatte im Herbst vergangenen Jahres unter anderem die griechische Ägäis-Insel Lesbos besucht und angesichts der desolaten Situation insbesondere im überfüllten Flüchtlingslager Moria eine Initiative zur Aufnahme von unbegleiteten Minderjährigen gestartet. „Jetzt sind wir auf der Zielgeraden und es gelingt uns hoffentlich endlich, diesen besonders schutzbedürftigen Kindern zunächst ein festes Dach über dem Kopf, fließend Wasser und ausreichend Lebensmittel zur Verfügung zu stellen.“ Jugendhilfeeinrichtungen sollen ihnen eine gute Betreuung und medizinische Versorgung während der Corona-Krise bieten.

Die niedersächsische Grünen-Abgeordnete Susanne Menge sprach von einem ersten Hoffnungsschimmer, forderte aber die Aufnahme von weit mehr Kindern. „Es bleibt beschämend, dass Deutschland sich bisher nur dazu durchringen konnte, nur wenigen kranken Kindern zu helfen.“ Die Aktion könne deshalb nur ein Anfang sein. Niedersachsen müsse auf den Bund und die EU einwirken.

dpa/epd

Rubriklistenbild: © Hauke-Christian Dittrich/dpa

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