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„Macht fassungslos“: Pflegerin fälschte Impfpass und trug wohl Virus in Heim - Ermittlung wegen Totschlags

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Von: Magdalena Fürthauer

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Falscher Covid-Impfausweis Symbolbild
Eine Pflegekraft fälschte ihren Corona-Impfpass und kam infiziert in die Arbeit. © IMAGO / Sylvio Dittrich

In Niedersachsen kam eine Pflegekraft infiziert und mit gefälschtem Corona-Impfpass in die Arbeit. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Totschlags.

Hildesheim - Ein unglaublicher Vorfall erschüttert gerade Niedersachsen. Wie bereits berichtet, fälschte eine Pflegekraft eines Altenheims ihren Impfpass und ging infiziert in die Arbeit. Drei Bewohner sind seither an Corona gestorben. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft Hannover wegen Totschlags, so Bild am Sonntag.

Niedersachsen: Pflegerin fälschte Corona-Impfpass - Ermittlung wegen Totschlags

Die 44-jährige Pflegerin konnte laut dem Heimleiter Michael Ossenkopp Ende November einen Impfpass vorweisen, zuvor habe sie regelmäßig negative Testergebnisse vorgelegt und trug im Dienst immer eine FFP2-Maske. Anfang Dezember sei schließlich ihr Kind an Corona erkrankt, da sie jedoch angeblich zweifach geimpft gewesen sei, habe man ihr erlaubt, weiterhin in die Arbeit zu kommen.

Als sie schließlich ebenfalls Symptome bekam, habe der Heimleiter die Chargennummer ihrer Impfungen überprüft, so Ossenkopp gegenüber der Bild. Die Nummer existiere gar nicht, so habe er die Fälschung bemerkt. Bereits zuvor sei sie als Impfgegnerin aufgefallen. Die Pflegerin habe alles zugegeben, woraufhin der Heimleiter sie fristlos gekündigt habe. Vor allem angesichts der neuen Omikron-Variante in Deutschland ein ernstzunehmender Vorfall.

Corona-Impfpass gefälscht: Pflegerin trug wohl Virus in Altenheim

Doch nur vier Tage, nachdem die 44-Jährige das Pflegeheim verlassen habe, seien die ersten Corona-Fälle aufgetreten. Mittlerweile seien drei Bewohner durch die Infektion gestorben. Eines der Todesopfer sei laut Bild eine 80-Jährige, die auch schon ihre Booster-Impfung erhalten habe. „Mutter wäre noch am Leben, wenn all das nicht passiert wäre!“, so der Sohn der Verstorbenen gegenüber der Zeitung.

Die Staatsanwaltschaft habe der Bild mitgeteilt, dass die Heimleitung alles richtig gemacht hätte. Wegen des Verdachts auf Totschlag ermittle man nun gegen die Frau aus Hildesheim. Sie befinde sich zur Zeit auf freiem Fuß.

Corona: Impfpass gefälscht - Innenminister „fassungslos“

Niedersachsens Innenminister, Boris Pistorius, zeigte sich gegenüber der Zeitung sichtlich geschockt. „Wenn sich der Verdacht bestätigt, wäre das ein unglaublich tragischer und erschütternder Fall, der mich fassungslos macht“, so der SPD-Minister. Die „Ignoranz gegenüber Corona“ habe „furchtbare Konsequenzen“, wie der Fall zeige.

Boris Pistorius, Niedersachsens Innenminister, im Porträt.
Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius macht die Impf-Fälschung der Pflegekraft „fassungslos“. © IMAGO / localpic

„Wer vorsätzlich ohne Impfung mit alten, vorbelasteten oder kranken Menschen arbeitet, handelt rücksichts- und skrupellos. Das ist höchst kriminell“, so Pistorius weiter. Bereits im Vorfeld war der Politiker mit seiner strengen Covid-Linie für Niedersachsen aufgefallen.

Video: Immer mehr Anzeigen wegen gefälschter Corona-Impfpässe

Corona: Impfskandal in Schleswig-Holstein

Doch der Fall in Hildesheim ist längst nicht mehr der einzige Impf-Skandal im medizinischen Bereich. In einem Krankenhaus in Neumünster (Schleswig-Holstein) habe ein leitender Arzt ebenfalls seinen Impfausweis gefälscht, so die Bild. Nun sei der Mediziner positiv auf das Corona-Virus getestet worden und befinde sich in Quarantäne. So weit bekannt, dürfte er jedoch keine Patienten angesteckt haben. Auch hier ermittelt die Staatsanwaltschaft. (mef)

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