„Der neue Fund schließt eine Lücke“

Hobby-Taucher machen spektakulären Zufallsfund in Fluss

Der Entdecker des Bootswracks P. Ferlemann nach dem Tauchgang in der Lippe.
+
Der Entdecker des Bootswracks P. Ferlemann nach dem Tauchgang.

Beim Tauchen in dem westfälischen Fluss Lippe sind zwei Laien auf ein bislang unentdecktes Bootswrack gestoßen. Forschern liefert der Fund Auskunft über das Mittelalter.

  • Hobbytaucher fanden in der Lippe im Kreis Soest Teile eines alten Bootes.
  • Es soll das älteste Plankenboot Westfalens sein.
  • Ob das Boot geborgen werden soll, wird noch überlegt.

Lippetal - Hobbytaucher haben in einem kleinen Fluss in Nordrhein-Westfalen eine besondere Entdeckung gemacht. Im Sommer 2019 stießen sie auf ein altes Bootswrack. Archäologen nahmen das Fundstück aus der Lippe unter die Lupe und stellen fest, dass das Boot aus dem Mittelalter stammen muss, wie der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in einer Pressemitteilung erklärte.

Hobbytaucher stoßen in der Lippe auf ältestes Plankenboot Westfalens

Eigentlich waren die Taucher im Auftrag des Naturschutzbundes des Kreises Soest unter Wasser und ihnen war nicht sofort klar, was sie entdeckt hatten. „Nach der Meldung an den LWL wurden Holzreste, die Peter Ferlemann und Luise Hauswirth vom Wrack mit an die Oberfläche gebracht hatten, untersucht“, sagt Prof. Michael Baales, Leiter der Außenstelle Olpe der LWL-Archäologie

Die Teile wurden auf ihr Alter untersucht. Die Analyse ergab, dass das Eichenholz aus dem 11. oder 12. Jahrhundert, dem Hochmittelalter, stammt. Damit ist das Wrack das älteste aus Planken und Spanten gefertigte Boot, das je in der westfälischen Lippe gefunden wurde. „Meines Wissens ist es damit das älteste Plankenboot in Westfalen“, erklärte Baales gegenüber dem Westfalenspiegel.

Zweiter Tauchgang: Weitere Teile aus der Lippe geborgen

Um das Wrack noch genauer zu untersuchen, gingen Anfang 2020 erneut Taucher unter Wasser. Auch die beiden Entdecker waren wieder dabei. Die beiden Hobbytaucher, die ehrenamtlich für den Naturschutzschutz tauchen, bemerkten sofort, dass sich die Lage des Wracks seit dem letzten Tauchgang deutlich verändert hatte. Ein weiterer Spant, der inzwischen von der Strömung völlig freigelegt worden war, wurde für weitere Untersuchungen mit an Land gebracht.

Blick auf das Heck des in der Lippe gefundenen Bootswracks.

„Wir wollten die Datierung des Wracks präzisieren, daher baten wir Dr. Thomas Frank und sein Team im Labor für Dendroarchäologie der Universität zu Köln um Hilfe“, erklärt Baales laut der Pressemeldung des LWL. Die Bemühungen haben sich gelohnt. Die Forscher konnten durch die Analyse den Zeitraum, aus dem das Boot stammt, auf wenige Jahre eingrenzen. Zwischen 1146 und 1156 n. Chr. müssen die Bäume für das Boot gefällt worden sein.

Plankenboot in der Lippe: Forscher bemühen sich um ein 3D-Modell

Die Forscher wollen noch mehr untersuchen und mithilfe eines 3D-Modells herausfinden, wie das Boot aussah. Dazu müssten Taucher das Boot fotografieren und filmen. Je nachdem wie gut oder schlecht die Sicht unter Wasser ist und wie viel Wasser die Lippe führt, könnte diesen Prozess erschweren.

Auch darüber, das Bootswrack aus dem Wasser zu holen, wird nachgedacht. „Eine Bergung wäre nicht nur ein großer finanzieller Aufwand“, sagt Baales. „Zudem müsste man sich Gedanken über eine sachgerechte Einlagerung oder eine museale Präsentation machen.“ Zunächst würden die laufenden Untersuchungen abgewartet.

Das Boot aus der Lippe war sehr lang - 12 Meter

Einiges steht aber jetzt schon fest. Das Boot wurde aus Eichenholz gefertigt und ist sehr lang. Rund zwölf Meter maß das Schiff, so Baales in einem Interview mit dem Westfalenspiegel. Der Bootstyp werde noch untersucht. Es zeichnete sich jedoch bereits ab, dass die Bordwand, rechts und links des Boots, relativ hoch war.

Der Fund liefert neue Erkenntnisse über den Warentransport mit Schiffen im Mittelalter. „Wir wissen relativ viel über die Schifffahrt und den Handel über Wasserwege aus der Römerzeit. Auch aus der Neuzeit gibt es einige Funde. Der neue Fund schließt eine Lücke, denn aus dem Mittelalter fehlen solche Nachweise bisher“, beschreibt Baales die Wichtigkeit des Fundes.

Video: Titanic: Zum ersten Mal soll ein Objekt geborgen werden

Eine unerfreuliche Entdeckung machte ein Bier-Trinker. Was er beim Öffnen einer Dose sah, lässt nach dem Anblick nun einige Nächte nicht mehr schlafen. „Vielen Dank für die Albträume.“ Der Fischer Franz Blum hat im Bodensee einen rekordverdächtigen Fang gemacht. Er zog einen über zwei Meter langen Wels aus dem Wasser. Und wird nun angefeindet. (lb)

Auch interessant

Meistgelesen

Übergroßes Tier aus Kanalisation geborgen: Arbeiter und Passanten bei Anblick im ersten Moment wie versteinert
Übergroßes Tier aus Kanalisation geborgen: Arbeiter und Passanten bei Anblick im ersten Moment wie versteinert
Golden Retriever mit einzigartigem Fell: Hund Enzo wird durch Gen-Mutation zu Instagram-Star
Golden Retriever mit einzigartigem Fell: Hund Enzo wird durch Gen-Mutation zu Instagram-Star
Deutschland droht Ausweitung der Maskenpflicht und hat neuen Corona-Hotspot: Selbst Bundeswehr muss helfen
Deutschland droht Ausweitung der Maskenpflicht und hat neuen Corona-Hotspot: Selbst Bundeswehr muss helfen
Verkehrte Welt: Pizza-Fahrer bekommt unerwartete Lieferung und ihm schießen die Tränen in die Augen
Verkehrte Welt: Pizza-Fahrer bekommt unerwartete Lieferung und ihm schießen die Tränen in die Augen

Kommentare