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„Totimpfstoff“ von Novavax: Krisenstabs-General kündigt ihn für Deutschland an - Wer ihn bekommen sollte

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Von: Hannes Niemeyer

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Der Impfstoff von Novavax gilt als weitere Hoffnung im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Aber wer sollte sich damit impfen lassen und wie fallen die Nebenwirkungen aus? Eine Übersicht.

Berlin - Der Impfstoff der Firma Novavax gilt als kleiner Hoffnungsschimmer für Impfskeptiker in der Corona-Pandemie*. Seit dem 20. Dezember ist das Vakzin mit dem Namen Nuvaxovid (NVX-CoV2373) auch in der EU zugelassen. Die Europäische Union hat auch bereits einen Kaufvertrag von 100 Millionen Dosen für das Jahr 2022 abgeschlossen - mit Option auf die doppelte Menge.

Der Impfstoff gilt als eine Alternative zu den bisher am häufigsten verwendeten Vakzinen von Biontech*, Moderna*, Astrazeneca* und Johnson & Johnson*. Besonders bei Menschen, die den Impfungen gegen Covid-19 skeptisch gegenüber stehen, erweckt der Impfstoff Hoffnung, da er fälschlicherweise als sogenannter „Totimpfstoff“ gilt. Generalmajor Carsten Breuer, der den Corona-Krisenstab der Bundesregierung leitet, stellte nun laut Welt.de gar in Aussicht, dass die erste Lieferung von Nuvaxovid bereits Ende Januar erfolgen könnte. Auch Top-Immunologen und die Stiko äußerten sich bereits*.

Corona-Vakzin von Novavax: Kein Totimpfstoff - sondern Vakzin auf Proteinbasis

Fälschlicherweise wird das Vakzin von Novavax häufig als Totimpfstoff deklariert. Bei dem Vakzin handelt es sich allerdings um einen Impfstoff auf Proteinbasis - so steht es auch auf der offiziellen Website des Unternehmens (Erklärung siehe Infobox unten). Das Verfahren wird schon lange bei Impfungen gegen Hepatitis B oder Keuchhusten verwendet. Der Impfstoff zählt damit außerdem weder zur Gruppe der Vektor- noch zur Gruppe der mRNA-Impfstoffe. Was Experten zu ihm sagen, können Sie hier lesen*.

Nuvaxovid von Novavax: So gut wirkt der neu zugelassene Impfstoff - auch gegen Omikron

Das Vakzin gilt als ein Hoffnungsschimmer, der gar die Erstimpf-Quote in Deutschland erneut voran treiben könnte. Denn die Wirkung des Impfstoffes soll durchaus gut sein. Die Phase-III-Studie, die in den USA und Mexiko durchgeführt wurde, zeigte eine Wirksamkeit von 90 Prozent. Der Wert gilt allerdings für die Prototyp-Variante des Virus. Was die Omikron-Variante angeht, scheint die Datenlage noch nicht vollständig geklärt. Das Unternehmen selbst gab allerdings Ende Dezember 2021 bereits erste Daten zur Kreuzreaktivität ihres Vakzins gegen die Omikron-Variante heraus.

„Neue Ergebnisse zeigen eine breite Kreuzreaktivität gegen Omikron und andere zirkulierende Varianten aus einem primären 2-Dosen-Schema, mit Reaktionen, die nach einer dritten Dosis nach sechs Monaten zunahmen“, heißt in einer Mitteilung des Unternehmens vom 23. Dezember 2021. Heißt übersetzt: Der Impfstoff bietet eine wirksame Immunreaktion gegen die Omikron-Variante, die durch eine Auffrischungsimpfung zusätzlich erhöht werde. Dennoch kündigte das Unternehmen an, sich „angesichts der kontinuierlichen Weiterentwicklung des Coronavirus“ mit der Entwicklung eines Omikron-Impfstoffes zu beschäftigen.

Proteinbasierter Impfstoff von Novavax: So funktioniert er

Bei Nuvaxovid (NVX-CoV2373) handelt es sich um einen Impfstoff auf Proteinbasis, der ein Antigen des Coronavirus enthält. Dieses kann sich weder vermehren, noch Covid-19 verursachen. Das Virus-Protein wird gentechnisch hergestellt. Nach der Impfung bildet das Immunsystem Antikörper gegen das Protein, wodurch eine Covid-19-Erkrankung abgewehrt werden kann. Da die sozusagen abgetöteten Virusbestandteile allerdings gentechnisch produziert und nicht aus dem Coronavirus gewonnen werden, ist das Vakzin nicht zu den Totimpfstoffen zu zählen (siehe Infobox oben).

Novavax-Impfstoff: Wer ihn bekommen sollte und wie die Booster-Wirkung ausfällt

Bei der grundlegenden Anwendung gibt es kaum Unterschiede zu den bisher geläufigen Impfstoffen. Nach aktuellen Informationen sind auch bei Nuvaxovid zwei Impfdosen im Abstand von drei Wochen zur Grundimmunisierung vonnöten. Nach derzeitigem Kenntnisstand ist das Vakzin auch für Booster-Impfungen geeignet*. Freigegeben ist der Impfstoff für alle Personen ab 18 Jahren.

Eine erfreuliche Nachricht brachte diesbezüglich auch eine im Journal The Lancet veröffentlichte Studie mit sich. Laut der eigne sich der Novavax-Impfstoff ausgesprochen gut als Auffrisch-Impfstoff - egal, welches Vakzin man zuvor erhalten habe. Die Wirkung sei nur unmaßgeblich geringer als bei bekannten mRNA-Impfstoffen wie die von Moderna oder Biontech und überträfe die Booster-Wirkung von Vektorimpfstoffen. Besonders für Menschen, die bei den gängigen mRNA-Impfstoffen mit starken Nebenwirkungen zu kämpfen hatten, könnte Novavax also eine echte Alternative bieten.

Biotechnologie-Unternehmen und Hoffnungsträger für Impfstoff-Skeptiker: Das ist der Vakzin-Hersteller Novavax

HauptsitzGaithersburg, Maryland (USA)
Gegründet1987
LeitungStanley C. Erck (CEO)
Umsatz476 Millionen US-Dollar (Stand: 31. Dezember 2020)
BrancheBiotechnologie und Pharmazie
Spezialisiert aufHerstellung von Impfstoffen

Novavax-Vakzin Nuvaxovid: Welche Nebenwirkungen zu erwarten sind - und was noch unklar ist

Wobei Nuvaxovid natürlich ebenfalls nicht nebenwirkungsfrei ist. Dennoch wird dem Impfstoff in aktuellen Studien eine gute Verträglichkeit attestiert. Bereits im Sommer 2021 vermeldete man, dass hauptsächlich „milde“ und „vorübergehende“ Reaktionen aufgetreten seien, die nach wenigen Tagen wieder abgeklungen seien. Darunter würden Symptome wie Kopfschmerz, Übelkeit oder Erbrechen, Muskel- und Gelenkschmerzen, Empfindlichkeit, Schmerzen an der Injektionsstelle, Müdigkeit und allgemeines Unwohlsein fallen.

Laut der Zulassungsstudie zum Vakzin seien die körperlichen Beschwerden wie Kopfschmerzen und Unwohlsein bei rund 70 Prozent der Probanden aufgetreten. Bei rund 79 Prozent der Probanden seien Reaktionen an der Einstichstelle wie Rötungen, Schmerzen oder Schwellungen aufgekommen. Hinweise auf besonders schwere Komplikationen gab es laut bisher veröffentlichten Studien keine. Übrigens: Laut Studien seien keine schädlichen Auswirkungen des Impfstoffes bei Personen während der Schwangerschaft festgestellt worden. Auch ein Still-Risiko sei nicht zu erwarten, vermeldete Novavax. Allerdings muss auch erwähnt werden, dass es in diesem Punkt bisher nur eine begrenzte Datenbasis gibt.

Einen dunklen Fleck gibt es aber im Portfolio des Impfstoffes noch. Denn zunächst war nicht bekannt, wie lange der Schutz nach der Impfung auch wirklich anhält. In den ersten Monaten nach der Verabreichung sei der Impfschutz auf jeden Fall stabil. Dennoch bleibt es im Rahmen des Möglichen, dass der Impfschutz mit der Zeit nachlasse - wie es auch bei anderen zugelassenen Impfstoffen der Fall ist. Im Rahmen der klinischen Studie geimpfte Personen werden vom Unternehmen noch zwei weitere Jahre beobachtet, um genauere Erkenntnisse über die Dauer der Schutzwirkung zu gewinnen. (han) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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