Obamania! Amerikas Hoffnung heute in Berlin

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Heute in Berlin: Barack Obama

Berlin - Mit 20 000 Neugierigen hat sein Team gerechnet. Doch es werden jetzt wohl bis zu 100 000 Menschen

Sie werden Barack Obama heute bei der ersten und einzigen Rede während seiner Europa-Reise an der Berliner Siegessäule lauschen! 200 000 Euro kostet den US-Präsidentschaftskandidaten der Demokraten der Auftritt, der Polizeieinsatz schlägt mit etwa 250 000 Euro beim deutschen Steuerzahler zu Buche. Es gilt Gefährdungsstufe 2 – „Anschlag ist nicht auszuschließen“. Die Mehrheit der Deutschen jedenfalls mag Obama: 61 Prozent würden ihn laut einer Forsa-Umfrage gerne nach den Wahlen im Herbst im Weißen Haus sehen. Damit das auch passiert, kämpft in München Dorian D. Dowdy (53) von der Auslands-Organisation der Demokraten („Democrats Abroad“) um Wählerstimmen der Amerikaner. Die tz sprach mit ihm über Obamas großen Tag:

Dorian Dave Dowdy, Wahlkämpfer für Obama in München: Darum lieben die Deutschen Barack

Barack Obama in Berlin! Sind Sie aufgeregt?

Dorian Dave Dowdy, Münchner Unternehmer und Wahlkämpfer für die Demokraten in Deutschland:Sehr! Es ist bezeichnend, dass er gerade in Deutschland seine große Rede hält. Obamas Leute haben ihm bestimmt gesagt: Die besten Freunde Amerikas sind die Deutschen. Das ist bei mir privat genauso.

Wem gilt der Besuch Obamas mehr: den Deutschen oder den Auslands-Amerikanern?

Dowdy:Den Amerikanern in den USA. Während sein Konkurrent John McCain außenpolitisch schon einen jahrelangen Vorsprung hat, muss Obama den Amerikanern beweisen, dass er ministrabel ist: dass er gute Gespräche führen kann, dass er unvoreingenommen zuhören kann und ernst genommen wird. Insofern hilft ihm die deutsche Bundeskanzlerin auch ein bisschen dabei, indem sie ihn empfängt.

Warum ist Obama in Deutschland so beliebt?

Dowdy:Ich bin ja selber Schwarz-Amerikaner. Und wir kommen gut an in Deutschland! Obamas Ruf hat Deutschland schon erreicht: Dass er ganze Sätze sprechen kann, höflich und intelligent ist und für eine neue Art Politik steht. Er sagt nicht: Amerika zuerst! Und die Deutschen mögen Ausländer, wenn sie sich so wie Obama hochgearbeitet haben und nicht alles in die Wiege gelegt bekommen haben.

Erst wollte Obama am Brandenburger Tor reden, dann am Flughafen Tempelhof, jetzt spricht er an der Siegessäule: Verstehen Sie die deutsche Aufregung, die Obama verursacht hat?

Dowdy:Natürlich! Obamas Team wusste, wie geschichtsträchtig das Brandenburger Tor ist. Ich hätte ihn deshalb auch gerne dort reden sehen. Aber wenn die deutsche Politik den Ort für Präsidenten reserviert, ist das eben so. Die Siegessäule kennt kein Amerikaner, der nicht mal in Deutschland war. Als Monument Wilhelms I. ist sie ja ein Symbol des Preußentums.

Ist das ein Problem?

Dowdy: Natürlich sind jetzt ein paar Leute deswegen verschnupft. Aber welchen Ort in Deutschland gibt es, der nicht geschichtsträchtig ist? Ich persönlich habe da kein Problem mit der Siegessäule. Jeder weiß, dass die Deutschen keinen Angriffskrieg mehr führen und ein Land von lauter Pazifisten geworden sind. Und genau das kann Obama in seiner Rede auch unterstreichen.

„Ich bin ein Berliner“, hat Kennedy gesagt. „Reißen Sie diese Mauer ein, Mr. Gorbatschow!“ rief Ronald Reagan. Was soll Obama rufen?

Dowdy:Mein Wunsch ist: „Die Welt braucht eine starke Gemeinschaft. Wir brauchen Euch als starken Partner!“

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Was hätten wir denn von einem neuen US-Präsidenten namens Obama?

Dowdy:Zunächst einen Nachteil: Er würde die Deutschen um mehr Truppen in Afghanistan bitten. Auf der anderen Seite unterstützt Obama aber sehr die erneuerbaren Energien. Und hier ist Deutschland die Nummer eins, weshalb große Chancen für den Export bestehen. Und Obama wird ein angenehmerer Präsident werden. Er weiß sehr wohl, dass die Geschicke Amerikas mit denen Europas zusammenhängen. Und weil er Schwarzer ist, wird die Arroganz des letzten US-Präsidenten der Vergangenheit angehören.

Kann sich Obama bei den Wahlen im Herbst auf die Auslands-amerikaner in Deutschland verlassen?

Dowdy:Auf jeden Fall. Bei den Primary-Wahlen hatte Obama in München ein Ergebnis von 80 Prozent! Das ist doch auch klar: Wir wohnen in Europa und verstehen auch die Missgunst gegenüber Amerika. Deshalb denken wir auch internationaler – so wie Obama.

Interview: Walther Schneeweiß

Quelle: tz

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