In Todesangst

Fluchtbereit in Turnschuhen: US-Demokratin Ocasio-Cortez schildert ihr Martyrium während Sturm auf das US-Kapitol

In einem persönlichen Video auf Instagram wendet sich die US-Politikerin jetzt an ihre Follower und berichtet über erlittene Todesängste beim Sturm auf das Kapitol.

München - Für die US-Demokratin Alexandra Ocasio-Cortez sind die Ereignisse vom 6. Januar in Washington, DC noch lange nicht ausgestanden oder vergessen. An diesem Tag musste sich die junge Politikerin stundenlang vor einem unberechenbaren Mob, der das US-Kapitol erstürmt hatte, verbarrikadieren. In einem emotionalen Video auf Instagram spricht Ocasio-Cortez beinahe 90 Minuten in die Kamera, um eine Botschaft loszuwerden, sich ständig durch die Haare zu fahren und ihre Rolle am Tag der Erstürmung Revue passieren zu lassen. Eine Heldin schien sie nicht gewesen zu sein, dafür ist sie nun eine „Überlebende“.

Nach Sturm auf das Kapitol in Washington: US-Demokratin Ocasio-Cortez erlebte Todesängste

Der Sturm auf das Kapitol in Washington, D.C. von Anhängern des früheren US-Präsidenten Donald Trump begann am Nachmittag des 6. Januar 2021. Zuvor versammelten sich rund 800 Demonstranten vor dem Parlament, um die formale Bestätigung des Ergebnisses der Präsidentschaftswahl durch den Kongress zu stören. Für den Gewaltausbruch wurde unter anderem auch auf die Trump-Familie verantwortlich gemacht. Da kaum Sicherheitspersonal vor dem Kapitol hinzugezogen wurde, gelang es der aufgeheizten Menge, die wenigen Sicherheitskräfte zurückzudrängen und schließlich in das Gebäude einzudringen. Die US-Demokratin Alexandra Ocasio-Cortez war dort ebenfalls anwesend und versteckte sich, wie viele andere hochrangige Politiker, bis die Situation geklärt war und die Eindringlinge vertrieben wurden. In diesen Stunden durchlebte Ocasio-Cortez offenbar Todesängste, die sie in einem Instagram-Video detailreich schildert.

US-Demokratin Ocasio-Cortez berichtet auf Instagram über desn Ausbruch der Gewalt im US-Kapitol

Dem Mob gelang es, die gemeinsame Sitzung des Senats und des Repräsentantenhauses für mehrere Stunden zu unterbrechen, und im Kapitol eine Spur der Verwüstung zu hinterlassen. Dabei wurde ein Beamter von einem Eindringling mit einem Feuerlöscher getötet, die restlichen Verstorbenen waren Demonstranten. Ein weiterer Toter, zurückzuführen auf den Selbstmord eines Angestellten des US-Kapitols, scheint ebenfalls mit dem Sturm auf das Kapitol in Verbindung zu stehen, wie Alexandra Ocasio-Cortez in ihrem Selfie-Video andeutet. Neben dem Toten und mehreren Schwerverletzten sieht sich die US-Demokratin ebenfalls als Opfer an. Sie durchlebte Todesängste. In den Stunden der Belagerung war sie zu allem bereit, um ihr eigenes Überleben zu sichern.

US-Demokratin Ocasio-Cortez: Twitter-Streit mit Republikaner Ted Cruz

Bereits vor etwa einer Woche äußerte sich Alexandra Ocasio-Cortez gegenüber ihrem politischen Rivalen Ted Cruz in einer Weise, die ein schwerwiegendes Trauma der Politikerin nahelegt. Eine Unterstützungsbotschaft des Republikaners Ted Cruz hat sie mit der Begründung abgelehnt, dass der Senator von Texas „mich vor drei Wochen fast ermorden hätte lassen“.

Ocasio-Cortez muss sich Vorwürfen stellen - Neigt sie zu Übertreibungen?

Ocasio-Cortez ist eine von mehreren prominenten Persönlichkeiten, die Cruz öffentlich für seine Rolle bei der Auslösung des Gewaltausbruchs auf dem Capitol Hill am 6. Januar verantwortlich gemacht haben. Sieben demokratische Senatoren haben eine formelle Beschwerde eingereicht und die Ethikkommission des Senats aufgefordert, Cruz zusammen mit dem Senator von Missouri, Josh Hawley, zu untersuchen.

Ocasio-Cortez klärt ihre Follower in einem Video auf

Die US-Demokratin ist durch ihre hervorragende Rhetorik und makellose Kamerapräsenz zum Liebling vieler junger Wähler in den vereinigten Staaten avanciert. Ihre natürliche Art und die mädchenhafte Präsentation politischer Inhalte kommt in vielen Teilen der US-Bevölkerung gut an. Kritiker werfen Alexandra Ocasio-Cortez jedoch vor, auch eine gute Schauspielerin zu sein, und manchmal zu übertreiben, auch was ihre Redezeit betrifft. Nach dem heftigen Vorwurf in Richtung Ted Cruz („you almost had me murdered“) herrschte auf Seiten der Demokraten überraschend eisiges Schweigen.

Ocasio-Cortez erklärt Motive für ihr Video: Sie sieht sich als „Überlebende“

Beinahe 90 Minuten nimmt sich Alexandra Ocasio-Cortez im Instagram-Video für ihre Follower Zeit, um ihre Sicht der Dinge zu erklären. Nicht nur die Ereignisse vom Sturm auf das US-Kapitol kommen darin vor, sondern auch ihre Gefühle und anhaltenden Ängste seit jenem Tag der Gewalt durch rund 50 Trump-Anhänger. Sie sieht sich als „Überlebende“ und möchte den Tag niemals in Vergessenheit geraten lassen, vor allem nicht so rasch. Die große Ironie an ihrem Auftritt erkennt die Politikerin eingangs selbst - frei zitiert: „Als eine Überlebende kämpfe ich darum, dass man mir glaubt. In meinem Job nennen mich die Leute ständig unehrlich und sagen, dass ich übertreibe“. An der Stelle muss sogar Ocasio-Cortez lachen, die sonst recht traurig wirkt. (ca. Minute 8)

Ocasio-Cortez: Kleiderwechsel im Sturm auf US-Kapitol - um vor den Gewalttätern flüchten zu können

Die spannendsten Einblicke in die Persönlichkeit der charismatischen US-Demokratin offenbaren sich während ihrer Schilderungen zum eigenen Verhalten während der Erstürmung des US-Kapitols durch ein paar aufgeheizte Demonstranten. Alexandra Ocasio-Cortez verbrachte mehrere Stunden eingeschlossen in einem verbarrikadiertem Büro und war offenbar in einer Art Ausnahmezustand. Ihre Todesängste trieben sie zu ungewöhnlichen Maßnahmen. So tauschte sie ihr Business-Outfit und ihre Stöckelschuhe gegen Casual Wear aus, um notfalls unerkannt fliehen zu können. Mehrere Kollegen waren mit ihr im verschlossenen Zimmer und unterstützen sie redlich, sich zu beruhigen und die Nerven zu bewahren. Einer gab ihr sogar seine Turnschuhe, damit sie notfalls schnell davonlaufen kann. Sie glaubte fest, dass der eingedrungene Mob gezielt nach ihr oder anderen Personen mit ethnischem Hintergrund Ausschau halten würden, um sie zu töten.

Ocasio-Cortez: 90 Minute Video als Angsteingeständnis nach dem Sturm auf das US-Kapitol

Sogar nach dem Rauswurf der wütenden Demonstranten aus dem US-Kapitol hatte Ocasio-Cortez Probleme, sich wieder zu beruhigen. Gegen 17.40 Uhr erklärte die Polizei den Gebäudekomplex als wieder gesichert. Der Kongress setzte am selben Abend seine Sitzung fort und bestätigte am frühen Morgen des 7. Januar Bidens Wahlsieg. Ocasio-Cortez sprach sich - offenbar noch unter Schock - wohl gegen das Fortsetzen der Sitzung aus, wie aus ihrem Instagram-Video zu entnehmen ist.

Rubriklistenbild: © Nick Wagner/Austin American-Statesman/dpa/AP

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