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Lockdown in Niederlanden entschärft: Bis auf Gastro - Restaurant-Betreiber öffnen einfach illegal

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Gäste stoßen in einem Restaurant mit ihren Weingläsern an: In den Niederlanden öffneten Kneipen aus Protest am Wochenende illegal.
Gäste stoßen in einem Restaurant mit ihren Weingläsern an: In den Niederlanden öffneten Kneipen aus Protest am Wochenende illegal. © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Die Omikron-Welle rollt über Europa. Dennoch lockert ein deutscher Nachbar nun seine strikten Covid-Maßnahmen. Die Wirte protestieren, dass sie davon nicht profitieren.

Update vom 16. Januar, 16.12 Uhr: Die Niederlande haben trotz Omikron ihre Corona-Maßnahmen gelockert - doch Wirte sind davon ausgeschlossen. Während Geschäfte, Friseure, Sportclubs und auch Sexshops wieder aufmachen dürfen, bleiben Restaurants zu. Das führte am Wochenende zu Protesten im ganzen Land: Wirte setzten sich über das Verbot hinweg und sperrten ihre Gasthäuser auf.

Auch Museen, Theater und Kinos dürfen noch nicht wieder aufsperren: „Alles zu gleich geht nicht“, erklärte Ministerpräsident Mark Rutte am Freitag. An vielen Orten war die illegale Kneipenöffnung mit den Stadtverwaltungen abgestimmt. So nahm Valkenburgs Bürgermeister den Protest als Demonstration wahr, wie er dem TV-Sender WNL erklärte - und Demonstrieren sei ein Grundrecht.

„Wir wollen ein Zeichen setzen“, so Café-Betreiber Arno de Boer aus Zwolle zum Volkskrant. Allein in Zwolle öffneten 30 Lokale, wie die Zeitung berichtet. 50 Städte sollen sich beteiligt haben, vor allem auf dem Land. In den vier größten Städten der Niederlande entschlossen sich die Bürgermeister dafür, den Protest zu verbieten: So blieben in Amsterdam, Den Haag, Rotterdam und Utrecht die Kneipen zu.

Niederlande: Lockdown-Regeln bei deutschem Nachbarn entschärft - „neue Phase“

Erstmeldung vom 16. Januar, 12.43 Uhr: Amsterdam - Nach knapp vier Wochen beenden die Niederlande am Samstag ihren strengen Corona-Lockdown - unter starkem Druck der Unternehmen. Die Lockerungen kommen zu einem Zeitpunkt, als die neue Omikron-Variante in Europa auf dem Vormarsch ist. Allerdings fallen nicht alle Auflagen weg.

Knapp 50 Prozent der Europäer werden sich laut WHO bis März mit dem Coronavirus infizieren. Dafür verantwortlich: Die neue Omikron-Variante, die deutlich ansteckender als frühere Typen des Virus ist.

Corona-Lockerungen in den Niederlanden - trotz Omikron-Welle

Dennoch lockern die Niederlande nun ihre Regeln: Geschäfte, Friseure, Sportclubs und auch Sexshops dürfen ab Samstag wieder bis 17 Uhr öffnen, wie Premier Mark Rutte am Freitag in Den Haag verkündete. Zudem dürfen Bürger zu Hause vier Besucher statt wie bisher zwei empfangen. Die Quarantäne-Pflicht fällt für Geboosterte und Menschen, die in diesem Jahr infiziert waren. Allerdings bleiben Gastronomie, Theater, Kinos und Museen mindestens bis zum 25. Januar geschlossen. Diese Unterscheidung sorgt teils für Empörung bei den Betreibern.

Rutte begründet die unterschiedliche Bewertung damit, dass man angesichts dramatisch steigender Infektionszahlen nicht alle Bereiche zur gleichen Zeit öffnen könne. „Das Risiko ist zu groß“, wird der Premier zitiert. Er stellte allerdings in Aussicht, dass es Ende des Monats weitere Lockerungen geben könnte.

Corona in den Niederlanden: Gastronomie extrem verärgert

Der niederländische Gesundheitsminister Ernst Kuipers sprach gar von einer „neuen Phase der Pandemie“. Man müsse nun lernen mit dem Virus zu leben und auch auf die wirtschaftliche und soziale Lage Rücksicht nehmen. Allerdings sei das Risiko einer Überlastung des Gesundheitssystems weiter hoch.

Gastronomen kündigten Protest gegen die Entscheidung an. Einige wollen ihre Läden offenbar trotz Verbot öffnen. Rutte sagte hierzu: „Ich verstehe sehr gut, dass sich das absolut unfair anfühlt.“

Die Lockerungen fallen in eine Zeit, als auch in den Niederlanden die Infektionszahlen extrem steigen. Am Freitag wurden mehr als 35.000 Neuinfektionen verzeichnet. Die 7-Tage-Inzidenz liegt über 1300. In Deutschland lag dieser Wert am Samstag knapp unter 500. (rjs mit dpa)

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