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Erste Omikron-Daten aus Europa machen Hoffnung: Verläufe wohl milder - dennoch droht große Gefahr

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Von: Richard Strobl, Patrick Huljina

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Omikron breitet sich immer weiter in Europa aus – in manchen Ländern bereits mit rasanter Geschwindigkeit. Es kommt zu Regelverschärfungen und Lockdowns. Der News-Ticker.

Update vom 20. Dezember, 21.25 Uhr: Großbritannien will seine Corona-Maßnahmen trotz der anhaltenden Omikron-Welle nicht verschärfen. Die Regierung schließe nichts aus, „aber im Moment wollen wir, dass die Menschen vor allem Vorsicht walten lassen“, versicherte Premierminister Boris Johnson nach einer Kabinettssitzung in London. Obwohl die wissenschaftlichen Berater zu einer Kontaktbeschränkung über die Feiertage geraten hatten, habe sich das Kabinett gegen ein solches Vorgehen ausgesprochen. In Großbritannien wurden am Montag 91.743 Neuinfektionen gemeldet, die Hospitalisierungsrate in London stieg weiter an.

Omikron-Variante: WHO-Chef fordert gemeinsame Anstrengung

Update vom 20. Dezember, 21.00 Uhr: Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Tedros Adhanom Ghebreyesus hat gemeinsame Anstrengungen gefordert, um die Corona-Pandemie innerhalb des nächsten Jahres zu stoppen. „2022 muss das Jahr sein, in dem wir die Pandemie beenden“, sagte der WHO-Chef vor Reportern in Genf. Angesichts der bevorstehenden Feierlichkeiten zum Jahresende rief er die Menschen auf, sich mithilfe von Impfungen und Kontaktbeschränkungen vor dem Coronavirus zu schützen.

„Wir alle wollen Zeit mit Freunden und Familie verbringen. Wir alle wollen zur Normalität zurückkehren“, sagte Tedros weiter. „Aber um zur Normalität zurückzukehren, müssen wir uns jetzt schützen.“ Zudem plädierte Tedros dafür, Veranstaltungen „jetzt abzusagen und später zu feiern, als jetzt zu feiern und später zu trauern.“

Omikron-Daten aus Dänemark: Milde Verläufe wahrscheinlich

Update vom 20. Dezember, 18.45 Uhr: Noch ist Deutschland von der Omikron-Variante verschont geblieben, doch das könnte sich in den kommenden Wochen ändern. Daten aus anderen Ländern machen allerdings Mut: Die neue Mutante ist zwar weiterhin hochansteckend, die Krankheitsverläufe sollen aber im Vergleich zur Delta-Variante milder sein. In Dänemark mussten von 18.366 Omikron-Fällen nur 0,6 Prozent in ein Krankenhaus, bei den übrigen 136.064 Fällen (andere Varianten, vor allem Delta) waren es 1,5 Prozent. Allerdings ist auch die Impflücke in unserem nördlichen Nachbarland deutlich geringer, 77% der Bevölkerung sind vollständig geimpft, 24% geboostert.

Trotz eines vermeintlich milderen Verlaufs warnen Experten vor der Gefährlichkeit der Omikron-Variante. Durch die rasant steigenden Infektionszahlen konnte das Gesundheitssystem trotzdem schnell an seine Belastungsgrenze stoßen.

Update vom 20. Dezember, 14.26 Uhr: Omikron tauchte erstmals im November in Südafrika auf. Im Epizentrum - der südafrikanischen Provinz Gauteng - gehen die Corona-Fallzahlen zurück. Epidemiologe Harry Moultrie twitterte dazu eine Grafik. Die 7-Tage-Inzidenz bei den Neuinfektionen erreichte demnach am 9. Dezember ihren Höhepunkt und geht seitdem zurück. Die Omikron-Welle (vierte Welle) erreiche dabei im Schnitt fast den gleichen Höchstwert (97 Prozent) wie die dritte Welle, in der die Delta-Variante maßgeblich war. Krankenhauseinweisungen sind ebenfalls rückläufig. Sie liegen deutlich unter dem Höchstwert der dritten Welle (47 Prozent). Die Zahl der Todesfälle liege wie bei der Delta-Welle bei 8 Prozent, sei aber immer noch steigend. Moultrie schätzt, dass der Start der Sommerferien (16. Dezember) zu mehr Reisetätigkeit und einer Entspannung beigetragen hätten. Doch der Epidemiologe glaubt nicht, dass dies der Hauptgrund für den Rückgang ist.

Moderna-Booster schützt offenbar effektiv vor Omikron

Update vom 20. Dezember, 12.10 Uhr: Moderna hat neue Studiendaten zur Wirksamkeit gegen die Omikron-Variante* veröffentlicht. Der Booster mit einer Dosierung von 50 Mikrogramm erhöhe den Omikron-neutralisierenden Antikörperspiegel um das 37-fache, teilt das Pharmaunternehmen mit Verweis auf vorläufige Daten mit. Eine Booster-Dosis mit über 100 Mikrogramm erhöhe den Antikörperspiegel um rund das 83-fache.

„Um auf diese hochgradig übertragbare Variante zu reagieren, wird Moderna die Entwicklung eines Omikron-spezifischen Booster-Kandidaten weiter vorantreiben und zügig in die klinische Testphase bringen, falls dieser in Zukunft notwendig werden sollte“, teilt Vorstandschef Stephane Bancel in einer Pressemitteilung mit.

Großbritannien: Zwölf Menschen in Verbindung mit Omikron gestorben

Update vom 20. Dezember, 11.51 Uhr: In Großbritannien sind zwölf Menschen gestorben, bei denen die Omikron-Variante nachgewiesen wurde. Momentan liegen 104 Menschen im Krankenhaus, die sich mit Omikron infiziert hätten, sagte der stellvertretende britische Premierminister Dominic Raab im Sender Times Radio. Menschen, die eine Booster-Impfungen erhalten hätten, seien laut Raab aber zu mehr als 70 Prozent geschützt.

Omikron LONDON, Dec. 20, 2021 -- Photo shows a digital sign urging the public get a booster jap
Omikron überrollt Großbritannien. Die Regierung wirbt für Booster um die fünfte Welle zu bremsen. © Stephen Chung/imago

Erstes Bundesland erlaubt Boostern ab drei Monaten

Update vom 20. Dezember, 10.15 Uhr: Boostern ist in Berlin ist jetzt ab drei Monaten statt nach fünf Monaten möglich. „Wir verkürzen Frist für Boostern auf 3 Monate. Es macht kein Sinn, boosterwillige Menschen zurückzuschicken, obwohl früheres Boostern empfohlen wird“, twittert die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD). Bisher waren Booster erst nach fünf Monaten möglich. „Wir erwarten, dass die Stiko in Kürze entscheidet“, sagte Kalayci dem Tagesspiegel.  Lesen Sie hier, was die Ständige Impfkommission (Stiko) aktuell zu den Auffrischungsimpfungen von Moderna und Biontech* empfiehlt.

Israel verbietet wegen der Omikron-Variante Reisen nach Deutschland

Update vom 20. Dezember, 9.25 Uhr: Israel verbietet Bürgern wegen der Corona-Lage in Deutschland Reisen in die Bundesrepublik. Die Maßnahme zur Eindämmung der Omikron-Variante des Coronavirus soll in der Nacht zum Mittwoch um Mitternacht (Ortszeit) in Kraft treten, teilte die Regierung am Montag mit. Das Kabinett bestätigte damit eine entsprechende Empfehlung des Gesundheitsministeriums. Darüber hinaus gelten damit ab Mittwoch auch Italien, die USA, Belgien, Ungarn, Marokko, Portugal, Kanada sowie die Türkei und die Schweiz als „rote Länder“. In Israel gibt es bereits ein Einreiseverbot für Ausländer. Bisher galten zudem schon mehr als 50 Länder - vor allem in Afrika - als „rot“, Israelis dürfen dorthin nur mit Sondergenehmigung reisen. Am Montag meldete das Gesundheitsministerium das erste Mal seit rund zwei Monaten wieder mehr als 1.000 Neuinfektionen für den Vortag. Ministerpräsident Naftali Bennett sagte am Sonntag, die fünfte Infektionswelle habe begonnen

Omikron: Thailand prüft Quarantäne für Touristen

Update vom 20. Dezember, 7.40 Uhr: Reisen nach Thailand könnten wegen der Ausbreitung der Omikron-Variante des Coronavirus bald wieder schwieriger werden: Das quarantänefreie Test&Go-Modell, wonach vollständig geimpfte Touristen seit November bei der Einreise nur noch einen PCR-Test machen und dann eine Nacht in ihrem Hotel auf das Ergebnis warten müssen, wird womöglich vorübergehend auf Eis gelegt. Dann würden eventuell wieder strengere Einreiseregeln gelten, wahrscheinlich speziell für Länder mit einer erheblichen Omikron-Ausbreitung, zitierte der Sender Nation TV am Montag die Gesundheitsbehörden.

Laut Gesundheitsminister Anutin Charnvirakul wurden in Thailand bislang 63 Fälle der Omikron-Variante bei Einreisenden verzeichnet. 20 weitere Verdachtsfälle werden derzeit noch überprüft. Die Behörden wollen deshalb noch in dieser Woche prüfen, ob die Einreisebestimmungen wieder verschärft werden. Wie lange Touristen dann in Quarantäne müssten, ist aber noch unklar.

Das Land hatte seine Grenzen Anfang November wieder für Touristen aus Deutschland und Dutzenden anderen Ländern geöffnet. Deshalb ist die Angst vor einer Ausbreitung der neuen Variante groß. Thailand mit seinen beliebten Inseln, weißen Stränden, Tempeln und Dschungeln ist auf den wichtigen Tourismussektor angewiesen und hofft auf eine baldige Erholung der Branche.

Ausbreitung von Omikron: Krisensitzung der spanischen Regierung

Update vom 19. Dezember, 15 Uhr: Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez hat wegen der rasant steigenden Corona-Zahlen eine Krisensitzung für diesen Mittwoch (22. Dezember) einberufen. Dabei solle es um Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie gehen, sagte Sánchez bei einer am Sonntag landesweit ausgestrahlten TV-Ansprache. Omikron zirkuliert auch in Spanien und dürfte nach Einschätzung von Experten schon bald vorherrschend sein.

Die Gefahr durch das Virus sei auch in Spanien trotz der hohen Impfquote von 90 Prozent aller Bürger über zwölf Jahre „real“, warnte Sánchez. Die Sieben-Tage-Inziden ist auf fast 320 gestiegen. „Diese Inzidenz können wir nicht hinnehmen. Wir müssen unsere Anstrengungen erhöhen“, betonte der Regierungschef. Ein neuer Notstand oder andere drastische Maßnahmen wie ein Lockdown wurden jedoch nicht erwartet, weil die Lage in den Krankenhäusern bislang nicht so dramatisch wie im vergangenen Jahr ist.

Omikron: Drosten meldet sich zu Oslo-Ausbruch und zieht bitteres Fazit

Update vom 19. Dezember, 11.53 Uhr: Noch immer sind viele Details zur neuen Omikron-Variante nicht aufgedeckt. Wie ansteckend ist die Mutante? Und führt sie zu weniger starken Erkrankungen? Der Omikron-Ausbruch auf einer Weihnachtsfeier im norwegischen Oslo* vor Ende November gibt nun neue Hinweise. Virologe Christian Drosten meldete sich am Sonntag auf Basis einer Untersuchung zu dem Fall zu Wort: „Der Oslo-Ausbruch. Praktisch alle Infizierten doppelt geimpft und trotzdem symptomatisch, die Hälfte mit Fieber. Der Älteste Fall 61 J (median 36), nach knapp 2 Wo noch niemand im Krh. (Krankenhaus, d. Redaktion)“, schreibt Drosten via Twitter und schlussfolgert: „Sieht mir nicht nach einer milderen Erkrankung aus.“ Er fügt hinzu: „Niemand geboostert.“

Allerdings meldet sich in den Kommentaren auch direkt Statistik-Professor Christoph Rothe von der Uni Mannheim zu Wort. Er merkt an, dass aktuell teils widersprüchliche Definitionen von „milden Verläufen“ verwendet würden. Während einige von einem „milden Verlauf“ sprechen würden, wenn keine Einweisung ins Krankenhaus erfolgen müsse, benutzten andere diese Bezeichnung bei asymptomatischen Verläufen. Dies könne zu Verwirrung führen, merkt er an.

Omikron in England schon jetzt dominant: Prognose sagt bis zu zwei Millionen Infektionen pro Tag voraus

Update vom 19. Dezember, 11.25 Uhr: Omikron ist in England nun dominant. Die Variante mache 60 Prozent aller Fälle im Land aus, sagte der britische Gesundheitsminister Sajid Javid am Sonntag in einem Interview mit Sky News. Allein am Samstag wurden in Großbritannien 10.059 neue Omikron-Fälle gemeldet – dreimal so viele wie am Tag zuvor. Auch in Schottland ist die Variante bereits dominant.

Wissenschaftliche Berater fordern eine möglichst schnelle Verschärfung der Corona-Maßnahmen, um eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. Man sei „fast sicher, dass es aktuell Hunderttausende neue Omikron-Infektionen pro Tag“ in England gebe. Einige Modellierer warnten dem Guardian zufolge, ohne schärfere Maßnahmen drohten bis zum Jahreswechsel bis zu zwei Millionen Neuinfektionen täglich.

Omikron sorgt für steigende Corona-Zahlen in Europa

Erstmeldung vom 19. Dezember: Amsterdam/Kopenhagen/London - Steigende Infektionszahlen, die Einstufung von europäischen Ländern als Virusvarianten- und Hochrisikogebiete, Lockdowns – es fühlt sich an wie ein Déjà-vu. Im Frühjahr 2021 hatte die Delta-Variante des Coronavirus* für eine neue Welle in Europa gesorgt. Nun ist es Omikron. Impfungen sind nun entscheidend, doch immer häufiger treten auch Fälschungen der Impfzertifikate* auf.

In Deutschland spielt die neue Variante noch eine untergeordnete Rolle. Experten sind sich jedoch einig, dass sich das spätestens im Januar ändern wird. Manche Modelle zeigen einen rasanten Anstieg der Corona-Neuinfektionen noch in diesem Jahr. Virologe Christian Drosten fürchtet „massive krankheitsbedingte Arbeitsausfälle“* – auch in essenziellen Berufsgruppen. Dabei bezieht er sich unter anderem auf aktuelle Entwicklungen in Großbritannien.

Omikron: Großbritannien wird Virusvariantengebiet

Dort hat sich die Corona-Lage durch Omikron erneut zugespitzt. Das Land meldete in der vergangenen Woche mehrfach Tagesrekorde bei der Zahl der Neuinfektionen*. Am Samstag (18. Dezember) waren es rund 90.000 – mehr als 10.000 davon Omikron-Fälle. Dreimal so viele wie noch am Freitag. Die Hauptstadt London rief deshalb den Katastrophenfall aus.

Ab Montag (20. Dezember) gilt das Vereinigte Königreich als Virusvariantengebiet, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) am späten Samstagabend mitteilte. Einreisende nach Deutschland müssen dann für 14 Tage in Quarantäne – egal, ob geimpft oder genesen. Diese Frist kann auch nicht durch einen Test verkürzt werden. „Verhindern können wir die Verbreitung nicht, nur verzögern. Je länger es dauert, bis Omikron auch Deutschland im Griff hat, umso besser“, sagte Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) der dpa.

Omikron: Verschärfte Corona-Regeln in Dänemark

Mit Ausnahme von Luxemburg befinden sich künftige alle deutschen Nachbarländer auf der Liste der Hochrisikogebiete. Bereits am Freitag gab das RKI bekannt, dass ab Sonntag (19. Dezember) auch Frankreich und Dänemark als solche eingestuft werden. Dort stiegen die Corona-Zahlen zuletzt rasant an – ebenfalls wegen Omikron*.

Am Freitag erreichte die Zahl der täglichen Corona-Fälle* in Dänemark einen Rekordwert von rund 12.000. Bei mehr als einem Fünftel davon handele es sich um die Omikron, sagte Ministerpräsidentin Mette Frederiksen. Schärfere Regeln bis mindestens Mitte Januar sind die Folge. Seit Sonntag um 8 Uhr müssen Theater, Kinos, Zoos, Vergnügungsparks und Sportstätten geschlossen bleiben. Restaurants dürfen nach den Vorgaben der Regierung abends nur noch bis 23 Uhr öffnen.

Omikron: Niederlande gehen in den Lockdown

Die Niederlande gehen noch einen Schritt weiter. Wegen der Ausbreitung von Omikron* gilt dort seit Sonntag um 5 Uhr ein neuer Lockdown. Dieser soll zunächst bis zum 14. Januar gelten. „Es ist unvermeidlich“, sagte Ministerpräsident Mark Rutte am Samstagabend in Den Haag. „Wir müssen eingreifen, um Schlimmeres zu verhindern.“

Menschenmengen gehen am letzten Samstag vor Weihnachten eine Straße entlang. Die Niederlande stehen möglicherweise vor einem neuen harten Corona-Lockdown noch vor Weihnachten.
Am letzten Samstag vor Weihnachten waren die Einkaufsstraßen in Amsterdam voll. © Peter Dejong/dpa

Fast alle Geschäfte sowie Gaststätten, Kultur- und Sporteinrichtungen, Schulen und Friseure müssen geschlossen bleiben. Ausgenommen sind nur Läden wie Supermärkte und Apotheken, die für die Versorgung wichtig sind. Jeder Haushalt darf in der Regel nur noch zwei Gäste empfangen. Nur über Weihnachten und zum Jahreswechsel sind ausnahmsweise bis zu vier Besucher erlaubt. Eine Ausgangssperre werde es vorerst nicht geben, versprach Rutte. (ph mit dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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