Klimawandel

Ausgerechnet im Corona-Jahr: Quallenplage an Ostsee- Fällt der Ostsee-Badeurlaub 2020 ins Wasser?

Aufgrund des Klimawandels könnte der Badeurlaub dieses Jahr ausfallen. Denn im Vergleich zu Vorjahren zeigen sich viel früher Quallen an den Stränden - und sie sind größer.

  • Im Vergleich zu Vorjahr zeigen sich diesen Sommer viel mehr und größere Quallen.
  • Die Plage hängt womöglich mit dem Klimawandel zusammen.
  • Da einige Arten für den Menschen gefährlich sind, kann Baden trotz Quallenplage problematisch sein.

Normalerweise breiten sich die Tiere erst im Spätsommer aus. In diesem Jahr ist dies nicht nur früher der Fall, nämlich bereits im Mai, sondern es gibt auch viel mehr Quallen als sonst.

„Dies ist ein sehr gutes Quallenjahr“, sagte die biologische Ozeanographin Cornelia Jaspers. „Vor drei Wochen haben wir speziell in der Eckernförder Bucht ein sehr dichtes Aufkommen an Ohrenquallen, vereinzelten Feuerquallen und eingeschleppten Rippenquallen beobachtet.“ Gerade die Rippenquallen sind in diesem Jahr besonders früh dran.

Quallenplage/Klimawandel: Die Wasserbedingungen sorgen für die starke Ausbreitung

Der Grund für die vielen Tiere liegt laut der Expertin in der Wasserqualität: „Im Winter ist sehr viel salzreiches Wasser aus der Nordsee und dem Kattegat in die südwestliche Ostsee geströmt“, erläutert Jaspers, die am Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel und an der Technischen Universität in Kopenhagen forscht. Der hohe Salzgehalt habe dafür gesorgt, dass sich die Rippenqualle stark ausbreitet. „Bei niedrigem Salzgehalt kann sich die Rippenqualle Mnemiopsis leidyi, zu Deutsch Meerwalnuss, nicht fortpflanzen.“

Auch die Temperaturen spielen offenbar eine Rolle: Der warme Winter habe zu einer stärkeren Vermehrung der Rippen- und auch der heimischen Ohrenquallen gesorgt, wie Jaspers erklärt. Das Wasser sei im Vergleich zu den vergangenen 40 Jahren nicht zwei bis drei Grad sondern etwa fünf Grad warm gewesen.

Erstmals gesichtet wurde die Art in der Region 2006. Von 2011 bis 2013 war sie aufgrund der strengen Winter aus der Ostsee verschwunden, 2014 aber aufgrund der sehr milden Wintertemperaturen wiedergekommen.

Klimawandel sorgt für Quallenplage: Sommerurlaub nicht beeinträchtigt, aber andere Folgen

Da die Qualle nicht giftig und damit für den Menschen ungefährlich ist, dürfte der Badeurlaub in Bereichen mit Quallenplage nicht riskant, sondern höchstens unangenehm sein.

Doch es gibt ein anderes Problem: Das Tier frisst heimischen Fischen Nahrung weg. Denn Quallen ernähren sich unter anderem von im Meer treibenden Organismen, etwa Zooplankton. Das Bedeutet, sie können zu Sauerstoffschwund im Meerwasser beitragen, was das ökologische Gleichgewicht des Lebensraumes durcheinanderbringt. *Merkur.de und tz.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild

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