Kritiker: "Er wusste nicht zu regieren"

So sieht Benedikts letzter Tag als Papst aus

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Papst Benedikt XVI.

Rom - Am Donnerstagabend um 20 Uhr endet das Pontifikat von Papst Benedikt XVI.. An seinem letzten Tag im Vatikan hat er aber noch einiges vor. Unterdessen erhebt ein Kritiker schwere Vorwürfe gegen ihn.

Nach knapp acht Jahren endet am heutigen Donnerstag um 20 Uhr das Pontifikat von Papst Benedikt XVI. Damit beginnt auch die Zeit der Sedisvakanz („leerer Stuhl Petri“). Für den 85-Jährigen soll der Donnerstag ein normaler Arbeitstag werden, bevor er gegen 17 Uhr mit dem Hubschrauber zur päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo fliegt, wo er zunächst wohnen wird.

Zuvor verabschiedet er sich von allen in Rom anwesenden Kardinälen. In Castel Gandolfo ist Benedikts letzter öffentlicher Akt ein Gruß an die Gläubigen von der Loggia des Palastes. Im März sollen die Kardinäle zum Konklave zusammenkommen und einen Nachfolger für Benedikt bestimmen, der vor gut zwei Wochen überraschend seinen Rücktritt zum Ende des Monats angekündigt hatte.

Von der Öffentlichkeit verabschiedete sich Benedikt bereits am Mittwoch mit einer emotionalen Ansprache und unter dem Jubel von fast 150.000 Menschen. In seinem Pontifikat habe es Zeiten mit hohem Wellengang und Gegenwind gegeben, sagte er in seiner Ansprache auf dem Petersplatz. „Es war für die Kirche eine Wegstrecke, bei der es Momente der Freude und des Lichtes gab, aber auch nicht einfache Momente.“

"Wir brauchen einen Papst, der die Kirche in die Zukunft führt"

In Deutschland werden am Donnerstagabend in vielen katholischen Kirchen die Glocken läuten. Zudem gibt es Dankgottesdienste, darunter einen zentralen in der Kathedrale St. Hedwig in Berlin, zu dem auch Bundeskanzlerin Angela Merkel erwartet wird.

Vor allem in seiner bayerischen Heimat wollen viele Gläubige „ihrem“ Papst Lebewohl sagen. In zahlreichen Bischofskirchen des Freistaats finden am Abend Dankgottesdienste statt.

Doch inmitten des Abschieds ist die Diskussion um die Nachfolge im Vatikan bereits in vollem Gang. „Wir brauchen einen Papst, der die Kirche in die Zukunft führt. Der nach vorne schaut und der die Gottesfrage klar stellt“, sagte Robert Zollitsch, der Vorsitzende der Deutschen Bischoifskonferenz, im Interview des Fernsehsenders Phoenix. „Und der zugleich organisatorisch dafür sorgt, dass die Kurie wirklich der Apparat ist, der ihn in seinem Dienst voll und ganz unterstützt.“ Als Kandidaten gebe es eine ganze Reihe „tüchtiger Kardinäle, vor den ich großen Respekt habe“, so Zollitsch weiter.

Papst Benedikt: Die schönsten Fotos von der Abschiedsaudienz

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Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann erwartet vom neuen Papst „eine nüchterne, aber begeisternde Vision vom Weg der Kirche in die Zukunft“. Er rechnete jedoch nicht mit einer schnellen Nachfolgeentscheidung im Konklave. „Ich bin kein Hellseher, aber so rasch wie 2005 wird es vielleicht doch nicht gehen“, sagte Lehmann der „Allgemeinen Zeitung“ vom Donnerstag. Die Herkunft des künftigen Papstes ist für den Mainzer Kardinal, der selbst am Konklave teilnehmen wird, nicht vorrangig.

Kritische Worte zum Abschied fand der Befreiungstheologe Leonardo Boff, der Benedikt als „Papst ohne Charisma, der die Kirche nicht zu regieren wusste“, bezeichnete. Der 85-Jährige sei aus Verzweiflung zurückgetreten, da er die römische Kurie nicht mehr habe kontrollieren können. Als Kardinal habe Joseph Ratzinger über 100 Theologen verurteilt, die Befreiungstheologie erstickt und die Armen für die Kirche verloren. „Er hat das Handtuch geworfen, seine physischen, psychischen und spirituellen Grenzen anerkannt und mit Demut die richtige Entscheidung getroffen: Er ist zurückgetreten“, sagte Boff (74) der Nachrichtenagentur dpa in Rio de Janeiro.

Hier können Sie mit der Vatican-Webcam den Petersplatz sehen

dpa

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