Hier können Sie "Wake up!" hören

Franziskus geht unter die Rockstars: Die tz-Single-Kritik

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Mein Gott, jetzt singt er auch noch - nun gut, Papst Franziskus zeigt sich auf seinem Album "Wake up!" eher als Rapper - im weitesten Sinne.

München - Auf seinen Reisen wird Papst Franziskus wie ein Rockstar gefeiert - nun kann er sich wirklich als solcher bezeichnen. Wir haben einmal in sein erstes Album "Wake up!" reingehört.

Frei nach Jesus, der einst Petrus als Fels bezeichnete – also als Rock -, wandelt der 78-jährige Pontifex nun auf den Spuren der Rockmusik und veröffentlicht am 27. November sein erstes Rock-Album!

Der Titelsong heißt „Wake Up!“ – und wie klingt der? Sagen wir so: Höllenlärm geht anders, und die Edel-Black-Metaller werden wohl weiterhin bei ihren dunklen Saiten und Seiten bleiben. Aber was der Vati kann vom Vatikan, ist schon dazu angetan, dem strammen Katholizisten eine Bekreuzigung mehr herauszulocken.

Denn nach einem langen Intro, schön wabernd in Moll und, ja, mit halbwegs rockiger Midtempo-E-Gitarre, darf der Papst rappen. Dazu wird über einem Klangteppich (gerne dürfen auch Trompeten hereinnäseln) eine Papst-Rede zugespielt. Nicht ganz so elegant wie bei einem Edel-Rapper, klar, aber die Botschaft ist ja auch deutlich friedfertiger: In etwas angreifbarem Englisch animiert der höchste katholische Kirchendiener stellvertretend für Gott, den Herrn, die Menschen dazu, fröhlich zu sein und vor Glück zu singen. Frei nach dem großen Johann Sebastian Bach: Jauchzet, frohlocket!

Zugegebenermaßen klingt Franziskus etwas jenseitig, was die Aufnahmetechnik angeht – als habe er den Text kurz vor dem argentinischen Militärputsch 1976 aufgenommen, und das nicht in einer mächtigen Kathedrale, sondern maximal im Hauswirtschaftsraum der zuständigen Zölibatesse, pardon: Haushälterin. (In Wirklichkeit hielt er die Rede im vergangenen Jahr in Südkorea.)

Produzent Don Giulio Neroni sagte der Musikzeitschrift "Rolling Stone", die Reden des Papstes passten gut zu zeitgenössischer Musik. Er habe versucht, der Persönlichkeit von Franziskus gerecht zu werden - "dem Papst des Dialogs, der offenen Türen, der Gastfreundschaft."

Sei’s drum: Franziskus setzt mal wieder ein Zeichen. Dass sich ausgesprochene Rock-Freunde weinend von ihrem dunklen Weg abbringen lassen und geradewegs ins himmlische Sound-Licht bewegen, ist allerdings weiterhin unwahrscheinlich.

M. Bieber/afp

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