"Gesundheitsgefährdend"

Grippeimpfstoff wird zurückgerufen

Langen - Das Paul-Ehrlich-Institut nimmt vier Chargen des Grippeimpfstoffs Begripal und eine Charge des Impfstoffs Fluad zurück. Hersteller Novartis will eng mit den Behörden zusammenarbeiten.

Der Schweizer Pharmahersteller Novartis habe sich bereit erklärt, die betroffenen Chargen unverzüglich zurückzurufen, hieß es am Donnerstag in Langen. Manche der Impfstoffe zeigten „Ausflockungen“.

In Italien waren weiße Partikel in den Spritzen nachgewiesen worden. Begripal wird dort unter dem Namen Agrippal vertrieben. Die italienischen Gesundheitsbehörden hatten Verkauf und Anwendung wegen „möglicherweise gesundheitsgefährdender Qualitätsmängel“ untersagt. Auch in der Schweiz und in Österreich gab es Probleme.

Zwar seien solche Ausflockungen in Deutschland bisher nicht beobachtet worden. Als „Maßnahme der Risikovorsorge“ würden aber alle Chargen zurückgerufen, bei solche Ausflockungen während der Produktion des Impfstoffs aufgefallen seien. „Diese Maßnahme dient dem Schutz der Patienten vor möglichen Nebenwirkungen“, hieß es.

Nach dem Rückruf hat Novartis eine enge Zusammenarbeit mit den Gesundheitsbehörden angekündigt. Dabei sollten die Fragen zum Stopp der Auslieferung von Begripal und Fluad geklärt werden, teilte das Unternehmen am Donnerstagabend mit. Mehr als eine Million Dosen der beiden Mittel seien in der aktuellen Grippesaison bereits verabreicht worden. Dabei habe es keine unerwarteten Nebenwirkungen gegeben, betonte Novartis.

Die beiden Mittel wurden aus dem Verkehr gezogen, weil Nebenwirkungen auftreten können, wenn diese zuvor in der Ampulle ausgeflockt seien. Dies war in Italien geschehen. Der zuständigen Bundesbehörde, dem Paul-Ehrlich-Institut, lagen zunächst keine entsprechenden Fälle für Deutschland vor.

Der lebensrettende Pieks: Diese Risikogruppen sollten sich gegen Grippe impfen lassen

Die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin gibt Empfehlungen ab, welche Menschen sich impfen lassen sollten. Gehören Sie auch zur Risikogruppe? (Stand: Juli 2013) © dpa
Das Immunsystem älterer Menschen reagiert zwar weniger stark auf die Impfung, dennoch empfehlen die Experten das Serum. Im Falle einer Erkrankung fallen die Symptome schwächer aus. Da für Menschen über 60 Jahre ein erhöhtes Risiko für schwere oder gar tödliche Komplikationen besteht, ist die Impfung dringend angebracht. © dpa
Wie bei älteren Menschen besteht auch bei Schwangeren ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe. Daher raten die Gesundheitsexperten auch werdenden Müttern ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel zur Impfung. Schwangere, die bereits an einer Grunderkrankung leiden, können sich nach Absprache mit dem Arzt auch schon früher pieksen lassen. © dpa
Erwachsene und Kinder, die an einer chronischen Erkrankung wie beispielsweise Asthma leiden, gehören ebenfalls zu den Risikogruppen. © fkn, Mundipharma
Auch Menschen mit chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinsuffizienz oder Bluthochdruck wird die Grippe-Impfung nahe gelegt. © dpa
Kinder dürfen frühestens ab einem Alter von sechs Monaten gegen die Grippe geimpft werden. © dpa
Wer an chronischen Stoffwechsel-Erkrankungen wie Zucker (Diabetes Mellitus), an chronischen Nierenerkrankungen, Blutarmut (Anämie), an angeborenen oder erworbenen Immunstörungen wie Abwehrschwäche nach Organtransplantationen, bei Chemotherapien oder HIV-Infektionen leidet, sollte sich die Grippe-Impfung nicht entgehen lassen. © dpa
Ebenso Menschen mit chronisch neurologischen Krankheiten wie beispielsweise Multipler Sklerose gehören zu den Risikogruppen. © dpa
Mitarbeiter in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Arztpraxen oder Angestellte in Einrichtungen mit erhöhtem Publikumsverkehr laufen Gefahr, durch ihre Arbeit sich selbst oder andere anzustecken - die Grippe-Impfung ist daher eigentlich Pflicht. © dpa
Die Bewohner von Pflege- und Altenheimen sind ebenfalls besonders gefährdet. © dpa
Urlauber ab 60 Jahren oder chronisch Kranke, die verreisen wollen, sollten sich spätestens zwei Wochen vor der Abreise pieksen lassen. © dpa
Menschen, die häufig mit Geflügel, auch mit Wildvögeln in Berührung kommen, zählen auch als Risikogruppe. © dpa
NICHT impfen lassen dürfen sich Menschen, die allergisch reagieren auf Hühnereiweiß. Der Impfstoff wird in Hühnereiern gezüchtet. Wer aktuell unter Fieber leidet, sollte mit der Imfpung warten, bis die Erkrankung abgeklungen ist. © 
Die meisten Krankenkassen in Deutschland übernehmen freiwillig die Kosten für die saisonale Grippeimpfung. Über-60-Jährige und chronisch Kranke müssen in der Regel nichts bezahlen. © dpa

„Nach den bisher dem Paul-Ehrlich-Institut vorliegenden Informationen könnten nach Verabreichung der betroffenen Impfstoffchargen innerhalb weniger Stunden Unverträglichkeitsreaktionen auftreten“, teilte das für Impfstoff zuständige Bundesinstitut mit. Mögliche Nebenwirkungen seien vor allem allergische Reaktionen.

„Das Paul-Ehrlich-Institut hat in der aktuellen Saison noch keine Nebenwirkungsmeldungen über schwere Unverträglichkeitsreaktionen erhalten“, sagte PEI-Präsident Prof. Klaus Cichutek. „Es ist im Sinne der Risikovorsorge und der Sicherheit der Verbraucher jedoch geboten, die Freigabe für bestimmte Impfstoffchargen zurückzunehmen, da Ausflockungen im Impfstoff und damit schwere Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen werden können.“

Fluad und Begripal werden von Novartis in Italien produziert und auch dort geprüft. Diese Prüfung in Italien ist Grundlage der Freigabe auch für den deutschen Markt. In Deutschland sind 16 verschiedene Impfstoffe gegen die saisonale Grippe im Winter 2012/13 zugelassen. Insgesamt wurden 14,2 Millionen Dosen freigegeben.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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