Image-Politur für Pelzmode

Hersteller wollen „nachhaltigen“ Pelz verkaufen - von Tieren, die sowieso sterben müssen

Drei weibliche Models präsentieren Pelzmode aus Fuchsfell
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Pelzmode ohne schlechtes Gewissen tragen: Das Gütesiegel „We Prefur“ der deutschen Pelzbranche soll faire und nachhaltige Pelze kennzeichnen.

Ist Pelz moralisch vertretbar? Der deutsche Kürschnerverband sagt Ja und hat mit „We Prefur“ ein Siegel geschaffen, das ausschließlich fair und nachhaltig erzeugte Felle auszeichnen soll. Tierschützer sprechen von „Augenwischerei!“ und befürchten schlimme Folgen für Waschbär & Co.

Winter 2021: Eine Kältewelle mit Rekord-Tiefstwerten von bis zu Minus 25 rollt über Deutschland hinweg. Kollektives Bibbern. Der perfekte Zeitpunkt für die deutsche Pelzbranche, um für tierische Felle zu werben, die seit den 70er-Jahren zunehmend in Verruf gerieten.

Doch kann man sich als aufgeklärter Zeitgenosse überhaupt ruhigen Gewissens fellbekleidet in die Öffentlichkeit wagen? Pelze wachsen schließlich nicht auf Bäumen. Auch dürfte jeder schon einmal eine der von diversen Tierschützern gemachten Undercover-Aufnahmen von Nerzfarmen gesehen haben, auf denen die Tiere lediglich als Ware betrachtet und dementsprechend empathielos bis zu ihrer Tötung gehalten werden.

Doch genau von solchen Horror-Praktiken zur Pelzgewinnung distanziert sich der Kürschnerverband und moniert, dass Verbraucher und Medien hier meist Äpfel mit Birnen, sprich Zobel mit Fuchs vergleichen. Pelz sei eben nicht gleich Pelz. Vielmehr müsse man zwischen den Fellarten und deren Herkunftsländern differenzieren.

Öko-Siegel für Pelz verspricht Käufern ein gutes Gewissen

Es muss eine Image-Politur für das haarige Naturpodukt her: „We Prefur“. Das 2017 vom deutschen Kürschnerverband ins Leben gerufene Öko-Siegel für Pelzmode. Laut Verband werden nur Pelze aus nachhaltiger Fellgewinnung mit dem Label ausgezeichnet. Bedeutet, die Felle müssen von Tieren stammen, die in Deutschland für die sogenannte kontrollierte Jagd zum Abschuss freigegeben sind.

Viecherl, die laut Pelz-Lobby erschossen werden müssen, weil sie aufgrund ihrer Überpopulation und mangels natürlicher Feinde zur Plage für die Natur werden. Das gilt u.a. für Rotfüchse, Marder, Dachse und Waschbären. Welche Schäden in welchem Umfang die Beutegreifer anrichten, darüber macht der Verband keine Angaben.

Fakt ist, dass allein in Bayern rund 106.000 Füchse, 4.000 Waschbären und 12.000 Steinmarder jährlich zum Schutz der Natur geschossen werden. 90 Prozent davon landen im Müll. Eine riesige Verschwendung natürlicher Ressourcen. Gleiches gilt für die Fleischproduktion: Lamm, Schaf, Ziege und Kaninchen.

Wenn der Mensch Tiere verzehrt, warum sollte er dann nicht auch deren Leder und Fell verwerten? Karl Lagerfeld wiegelte kritische Fragen zu seinen Pelzentwürfen stets mit der Begründung ab: Wer Pelz ablehnt, dürfe auch keine Lederschuhe tragen.

Pelz-Branche: Gewinn-Maximierung und Tierwohl lassen sich nicht vereinen

Doch macht es vielleicht nicht doch einen moralischen Unterschied, ob man ein Tier tötet, um es zu essen, weil Nahrung nun einmal essenziell ist, ein Pelzmantel als Statussymbol aber nicht? Es sind doch nicht die Robbenfelle, die sich die Inuit am Südpol als Kälteschutz um ihre Leiber schnüren, die Pelzgegner vor Wut schäumen lassen, sondern der Pelz als Erzeugnis der Luxusgüterindustrie.

Zusammengestückelt aus Zobel, Nerz, und Chinchilla. Tiere, die weder Natur noch Mensch bedrohen und auch nicht auf der Speisekarte von Letzterem stehen. Dort, wo es um Profit geht, geht es immer auch um Effizienz. Weil das Vergasen von Tieren teuer ist, gibt es für sie auf manchen Zuchtfarmen alternativ einen Schlag mit dem Hammer auf den Kopf, der nicht immer gleich beim ersten Mal sitzt, aber wirtschaftlich ist.

Auch die Intention des Kürschnerverbandes liegt nicht darin, Tierleid zu minimieren, sondern darin, Pelz von seinem Negativ-Image zu befreien und dadurch den Absatz zu fördern. Das „We Prefur“-Siegel mag als Orientierungshilfe für Verbraucher sinnvoll sein, die kein auf Tierleid basierenden Pelz tragen möchten. Jedoch sieht man einem Pelz seine Herkunft nicht an, weshalb zum Beispiel das „Aktionsbündnis Fuchs“ fürchtet, das Produkte des Labels „We Prefur“ Pelzprodukte andere Labels wieder salonfähig machen könnten. Wollen wir das wirklich?

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