1. tz
  2. Welt

„Was ein krasser Spot“: Penny-Werbung geht durch Mark und Bein - Zuschauer greifen deswegen Regierung an

Erstellt:

Von: Andreas Knobloch

Kommentare

Das Ende der Penny-Werbung, bei dem viele schon Tränen in den Augen hatten.
Das Ende der Penny-Werbung, bei dem viele schon Tränen in den Augen hatten. © Screenshot Penny YouTube

Dass eine Penny-Werbung in der Vorweihnachtszeit für Tränen sorgt und die Kritik an der Regierung aufflammen lässt, hätte wohl niemand gedacht.

München - Die vierte Corona-Welle schwappt wie ein Tsunami über Deutschland. Die Inzidenzen und Krankenhaus-Zahlen sind enorm hoch. Einschneidende Maßnahmen werden diskutiert. Ob 2G, 3G+ oder 1G - alles scheint derzeit möglich zu sein. Die Supermarktkette Penny hat nun ein Werbe-Video produziert, das vielen sehr nahe geht. Und die Wut auf die Regierung steigert.

Penny spielt nämlich mit einer Sache, die vielen aus der Seele spricht: Corona nahm vielen jungen Erwachsenen die wilde Jugend. Seit eineinhalb gelten enorme Einschränkungen und Verbote in der Zeit des Lebens, in denen man positive und negative Erfahrungen en masse macht. Schulabschluss, erste Partys, Liebe, Herzschmerz, Auslandsreisen, Alkohol - all diese typischen Szenarien baut Penny in den Werbespot ein. Ein junger Mann fragt seine Mutter, was sie sich denn zu Weihnachten wünscht. Und die Mutter holt aus und beschreibt ausführlich, dass der Sohnemann alle Höhen und Tiefen des Erwachsenwerdens unbedingt erleben soll.

Penny-Werbespot berührt Gefühle aller Zuschauer: „Habe Tränen in den Augen“

Kunden oder Zuschauer, die das Werbevideo gesehen haben, sind hin und weg von der Idee. Emotionale Kommentare stapeln sich in YouTube. „Ich habe gerade Tränen in den Augen. Noch nie hat mich ein Werbespot so berührt“, und: „Ich sitze hier Tränen überströmt! Mein Sohn ist gerade 18 geworden und hat eigentlich soviele Pläne“, oder: „Bin platt, Respekt“, heißt es da.

„Dieser Clip drückt all das aus, was das Leben so einzigartig macht und diese Momente fehlen wegen der Pandemie für immer“, oder „Ich habe noch nie einen besseren Werbespot gesehen“, gestehen einige. Kaum negatives Feedback wird gegeben: „WTF?! Was ein krasser Spot. Ich bin den Tränen nah.“

Penny-Werbespot: Plötzlich werden Politiker angegriffen

Fairerweise sei auch zu erwähnen, dass es Penny als Lebensmitteldiscounter nicht viel zu verlieren hat. Die Supermarktkette kann ohne Verantwortung und Einfluss auf die politische Ausrichtung agieren. Und genau deswegen wird die Bundesregierung scharf angegangen. „Was ist da los, Jens Spahn, Steffen Seibert? Eine Supermarktkette macht den Spot, den ich eigentlich, zusammen mit einem Impfaufruf, vor den Nachrichten sehen möchte“, schreibt eine Hochschul-Dozentin.

„Wenn eine Supermarktkette die Situation einer Generation besser versteht als große Teile der Politik es tun“, postet ein Journalist auf Twitter. Viele sehen in dem Spot mehr Werbung für die Kinder, als die Regierung in eineinhalb Jahren Pandemie gemacht hätte. Das Thema Kinder und Pandemie wird vor allem in den Wintermonaten weiter hochkochen, sollten keine ausgewogenen Lösungen für die Jugend gefunden werden. Derzeit sind sogenannte Leberkäs-Partys in Bayern in aller Munde, dort sollen sich Jugendlichen freiwillig infizieren, um fortan als genesen zur 2G-Gruppe zu gehören, so der Vorwurf. Ein „völlig perverser Trend“.

Penny machte in der Vergangenheit auch einige negative Schlagzeilen. Ein Produkt war vor allem für bayerische Kunden heftig in der Kritik. Oder ein Ekel-Alarm für eine Kundin neben einem Produkt. (ank)

Auch interessant

Kommentare