„Es zählt jede Sekunde“

User reagieren verständnislos: Verkehrspolizei postet emotionales Video, um auf Fehler hinzuweisen

Auf der A9 Richtung Nürnberg schiebt sich ein Wagen des Rettungsdienstes durch eine enge Rettungsgasse. Ein Fahrzeug fährt dabei erst im letzten Moment an die Seite.
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Immer wieder haben Rettungskräfte Probleme zur Unfallstelle zu gelangen. Der Grund: Autofahrer schaffen nicht ausreichend Platz durch eine Rettungsgasse. (Archivbild)

Die Polizei Pforzheim hat ein emotionales Video auf Twitter gepostet. Ihre Nachricht sollten sich alle Autofahrer zu Herzen nehmen - denn im Notfall zählt jede Sekunde.

  • Die Polizei Baden-Württemberg hat auf Twitter ein Video gepostet.
  • Es richtet einen eindringlichen Appell an alle Autofahrer.
  • Denn ihr Fehlverhalten kann im Notfall Menschenleben kosten.

Pforzheim - „Mach Platz! Wir wollen retten!“ heißt die neue Kampagne der Polizei Baden-Württemberg. Auf Twitter teilten die Beamten der Dienststelle Pforzheim jetzt ein emotionales Video, das Autofahrer in ganz Deutschland nicht nur zu mehr Rücksicht im Straßenverkehr aufrufen, sondern sie auch für eines ganz besonders sensibilisieren soll: die Rettungsgasse*. Denn genau die kann Leben retten, wissen Polizisten, Feuerwehrleute und Sanitäter.

Die Rücksichtslosigkeit oder auch nur simples Fehlverhalten vieler Autofahrer* hatte schon oft tragische Folgen. Im Notfall zählt jede Sekunde - und entscheidet im Ernstfall über Leben oder Tod. Für viele Unfallopfer kommen die Rettungskräfte zu spät, nicht weil beim Einsatz getrödelt wird, sondern weil sich die Einsatzfahrzeuge oftmals nur schwer den Weg durch die verstopften Straßen bahnen können. Das hat bittere Folgen für alle Beteiligten.

Unfall auf der Autobahn - Jede Sekunde zählt

„Kommen wir gut durch - oder ist wieder alles blockiert?“, fragt sich einer der Polizeibeamten deshalb im Video. Denn er weiß, dass bei Unfällen auf der Autobahn oft jede Hilfe zu spät kommt - ganz besonders bitter ist es für die Beamten im Einsatzwagen zu sitzen und nicht weiterfahren zu können, obwohl sie einige hundert Meter weiter dringend gebraucht würden.

Im Video sieht man Julia. Sie sitzt heute im Rollstuhl. Ihr konnten die Einsatzkräfte nach einem Autounfall helfen. Ein paar Minuten später wäre sie vielleicht schon tot gewesen, ein paar Minuten früher hingegen hätte man ihre Wirbelsäule vielleicht noch stabilisieren können.

Für die Bildung der Rettungsgasse ist die „Daumenregel“ eine einfache Hilfe. (Archivbild)

Beim Anblick des Videos sind viele User auf Twitter völlig fassungslos, ist es für sie doch so unverständlich, dass die Rettungsgasse so oft nicht frei gemacht wird. Ein Benutzer macht auf Twitter auf die „Daumenregel“ aufmerksam: „Für viele Menschen vielleicht neu: die linke Spur fährt links raus und alle anderen Spuren nach rechts. Nehmt eure Hand zur Hilfe - als Eselsbrücke.“ Ein anderer kommentiert ungläubig: „Sollte inzwischen eigentlich jeder wissen*... aber ich glaube, ohne Konsequenzen ist das den meisten einfach nicht wichtig genug.“

Rettungsgasse: Anleitung und Bußstrafen

Doch es gibt Konsequenzen: Wer Einsatzkräften keine Rettungsgasse schafft, wird derzeit laut Straßenverkehrsordnung (2020) mit bis zu 320 Euro Bußgeld bestraft, zudem gibt es einen Monat Fahrverbot und zwei Punkte in Flensburg*. Dasselbe droht Autofahrern, die die Rettungsgasse unerlaubt befahren*. Offenbar eine zu geringe Strafe, während viele Unfallopfer für jene Rücksichtlosigkeiten oftmals mit ihrem Leben bezahlen müssen. Mit ihrem Video und den Hashtags #machplatz und #wirwollenretten wollen die Beamten der Polizei Pforzheim ein Umdenken bei vielen Autofahrern bewirken - zu oft hakt es beim Bilden der Rettungsgasse in ganz Deutschland.

Wichtig ist, schon bei stockendem Verkehr daran zu denken, dass notfalls eine Rettungsgasse gebildet werden muss*. Den Straßenverkehr mit allen Sinnen zu beobachten ist dabei essenziell. Der Seitenstreifen darf nie benutzt werden. Gegebenenfalls muss man selbst noch einige Meter weiterfahren, um es den Fahrzeugen hinter dem eigenen Auto zu ermöglichen Platz für die Einsatzkräfte zu machen. Sein Auto sollte man möglichst immer parallel zur Fahrbahn ausrichten. Mit Setzen des Blinkers signalisiert man den Rettungskräften zudem, in welche Richtung man Platz machen will. (cos) *tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Video: So schwierig ist es, auch für Autobahnmeistereien durch einen Stau zu gelangen

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