Pädophiler Vater muss ins Gefängnis

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Kiel - Das Kieler Landgericht hat einen pädophilen Vater zu fünf Jahre und acht Monate Gefängnis verurteilt. Mit einem Chatpartner verabredete er den Austausch der Söhne zum sexuellen Mißbrauch.

Für die Verabredung zum schweren sexuellen Missbrauch eines Kindes und weiterer Delikte muss ein 37-jähriger Mann für fünf Jahre und acht Monate ins Gefängnis. Das Kieler Landgericht sah es am Freitag unter anderem als erwiesen an, dass der IT-Spezialist aus Schleswig-Holstein mit einem Chatpartner den wechselseitigen Missbrauch der Söhne verabredete. Die Beweislage sei erdrückend gewesen, sagte die Vorsitzende Richterin Hege Ingwersen-Stück am dritten Verhandlungstag.

Das Strafmaß begründete die Vorsitzende vor allem mit der Vielzahl von Taten, der einschlägigen Vorstrafe des Angeklagten aus dem Jahr 2002 und dass er sich damals während der Bewährungszeit einer angeordneten Therapie nicht öffnete. Zudem habe der Angeklagte sich 2008 weder von einer Festnahme noch einer einmonatigen Untersuchungshaft beeindrucken lassen, sagte die Kammervorsitzende.

Dass der Angeklagte stattdessen weiter kinderpornografische Dateien sammelte, sei ebenfalls strafverschärfend. Bei der Festnahme des Mannes im September 2009 waren über 200 000 Fotos, Videos und Texte auch mit grausamster Gewalt gegen Kinder sichergestellt worden. In die Gesamtstrafe bezog das Gericht insgesamt 21 Einzelstrafen ein, unter anderem für gefährliche Körperverletzung.

So hatte der Angeklagte an seinem Sohn ein Schlafmittel und eine betäubende Salbe ausprobiert und ihn in eindeutig sexuellen Posen fotografiert. “Er hat seinen Sohn benutzt, der ihm schutzlos ausgeliefert war“, rügte Ingwersen-Stück. Die zehnte Strafkammer folgte mit dem Urteil dem Strafantrag von Staatsanwaltschaft und Nebenklage. Das Strafmaß sei tat- und schuldangemessen, sagte die Vorsitzende.

Oberstaatsanwalt Axel Bieler hatte seinen Strafantrag auch mit der besonderen Gefährlichkeit des Täters begründet. Laut Gutachten reichten dem 37-Jährigen seine sadistischen Gewaltfantasien nicht mehr aus: “Vielmehr ist die Realisierung von Straftaten als unausweichlich zu bezeichnen.“ Bieler kündigte nach dem Urteil an, dass der Angeklagte nach Verbüßung der Haft unter polizeilicher Beobachtung stehen werde.

Details der pädosadistischen Fantasien über Schändung und Vergewaltigung von Kindern hatten im ersten Prozess Zuschauer aus dem Saal getrieben. Wie damals folgte der Angeklagte auch der Berufungsverhandlung und dem Urteil in sich gekehrt, den Kopf nach vorne gebeugt. Er hatte bestritten, seinen Fantasien in die Tat umsetzen zu wollen.

In einer Erklärung wies er auf Schikanen durch Mithäftlinge im Untersuchungsgefängnis hin und bat deswegen um eine mildere Strafe. Sein Verteidiger will eine erneute Revision prüfen. Zum Auswerten der sichergestellten Dateien brauchten Spezialisten vier Monate. Ein Sondereinsatzkommando der Polizei musste den Mann am eingeschalteten Computer überraschen. So konnte er seine ausgeklügelten Verschlüsselungsprogramme nicht mehr aktivieren.

dpa

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