Kambodscha

Polizeigewalt gegen streikende Textilarbeiter

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Die Polizei ging brutal gegen die streikenden Textilarbeiter vor.

Phnom Penh - Kambodschas Näherinnen wollen nicht mehr für Hungerlöhne in den Textilfabriken schuften. Sie verlangen eine Verdoppelung des Mindestlohns. Die Regierung reagiert mit Polizeigewalt.

Die Polizei in Kambodscha hat am Samstag ein Protest-Camp der streikenden Textilarbeiter geräumt. Unter Einsatz von Tränengas gingen die Einsatzkräfte gegen die Streikenden in der Hauptstadt Phnom Penh vor und zerstörten die Hütten, die dort seit einigen Wochen gestanden hatten. Am Vortag waren bei einem Polizeieinsatz mindestens vier Menschen getötet worden.

Die Oppositionspolitikerin Mu Sochua sagte, das Lager sei gegen 10.30 Ortszeit (04.30 MEZ) von der Polizei und Schlägertrupps umstellt worden. „Es waren angeheuerte Schläger und Spezialeinsatzkräfte mit Metallrohren und Knüppeln. Ihr Ziel war, die Leute zu Krüppeln zu schlagen. Unsere Anhänger wurden völlig zerstreut. Es war wie eine Kriegszone“, sagte sie.

Produktionsbedingungen wie in Bangladesch

Der Textilsektor ist die größte Exportindustrie Kambodschas mit Einkünften von mehr als fünf Milliarden Dollar in diesem Jahr. Kamdbodscha ist aber bei weitem nicht das einzige Land, in dem die Produktionsbedingungen für Textilarbeiter schlecht sind. Hinzu kommen mangelnde Sicherheitsvorkehrungen und Baumängel. Im April 2013 war in Bangladesch ein Fabrikgebäude in der Nähe der Hauptstadt Dhaka in sich zusammengestürzt, dabei starben mehr als 1100 Menschen, fast 2500 wurden verletzt. Das Unglück hatte bei Verbrauchern und Herstellern in wohlhabenderen Ländern eine Diskussion über die Produktionsbedingungen und den Kauf von Billigtextilien entfacht.

Über 100 Menschen sterben bei Brand in Textilfabrik

Über 100 Menschen sterben bei Brand in Textilfabrik

In Kambodscha lassen Unternehmen wie Levi's, Walmart, Puma, Adidas und H&M Kleidung und Schuhe fertigen. Doch im internationalen Vergleich rangiert das südostasiatische Land als Produktionsstandort noch weit hinten. Nach Angaben des Consulting-Unternehmens McKinsey hat China 18.000 Textilfabriken, Indien 11 000 und Bangladesch 5000. Kambodscha kommt mit 250 erst auf dem siebten Platz.

Die Proteste in dem südostasiatischen Land dauern seit mehr als einer Woche an. Nach Gewerkschaftsangaben sind die meisten der 600.000 Textilarbeiter im Streik oder wurden von den Fabrikanten wegen drohender Streiks ausgesperrt. Der Großteil der Beschäftigten in diesem für das südostasiatische Land so wichtigen Exportsektor sind Frauen. Die meisten Fabriken sind jetzt geschlossen.

Doppelter Mindestlohn gefordert

Die Forderung lautet auf eine Verdoppelung des Mindestlohns von zur Zeit umgerechnet nur knapp 60 Euro im Monat. Die Regierung hat nur 25 Prozent angeboten. Am Freitag eskalierte die Lage, als Militärpolizisten auf demonstrierende Arbeiter schossen. Nach Regierungsangaben wurden vier Menschen getötet, laut Menschenrechtlern fünf. Am Donnerstag waren 15 Arbeiter und Aktivisten festgenommen worden.

Nach der Räumung des Protest-Camps am Samstag fürchtet die Opposition, dass nun ihre Parteiquartiere an der Reihe seien. Die innenpolitische Situation ist in Kambodscha seit den umstrittenen Parlamentswahlen vom Juli angespannt. Die Opposition wirft der Regierung des seit mehr als 28 Jahren amtierenden Ministerpräsidenten Hun Sen vor, die Ergebnisse gefälscht zu haben. Sie verlangt Neuwahlen.

dpa

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