Polizistenmord: Ermittler finden Waffenarsenal

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Polizisten stehen am Mittwoch (09.11.2011) vor einem durch eine Explosion zerstörten Haus in Zwickau.

Zwickau - Bei den Ermittlungen zum Mord an einer Polizistin in Heilbronn vor viereinhalb Jahren prüfen Ermittler mögliche Verbindungen zu Rechtsgerichteten in Baden-Württemberg. Außerdem wurde ein ganzes Arsenal von Schusswaffen entdeckt. 

Die Polizei hat in den Trümmern des abgebrannten Hauses in Zwickau weitere Schusswaffen gefunden. Verantwortlich für die Brandstiftung soll die 36 Jahre alte Beate Z. sein. Sie sitzt derzeit wegen des Verdachts der schweren Brandstiftung in Untersuchungshaft. Die Reste des Waffenlagers lassen Ermittler auf die Aufklärung mehrerer Verbrechen hoffen - möglicherweise auch die des Heilbronner Polizistenmordes vor viereinhalb Jahren. Ein Durchbruch zeichnet sich vorerst nicht ab.

Die Ermittler entdeckten in den Trümmern mittlerweile neun Faustfeuerwaffen, ein Repetiergewehr und eine Maschinenpistole, wie die Zwickauer Staatsanwältin Antje Dietsch am Donnerstag sagte. Weitere Details wollte sie zunächst nicht nennen.

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Zuletzt hatte Beate Z. mit zwei Männern in dem Haus gewohnt, die sich selbst getötet haben. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Tatverdächtige am 4. November eine Explosion verursacht hat, um Beweise zu vernichten. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft schweigt die Frau zu den Vorwürfen. Daher bleibt vorerst unklar, inwiefern das Trio in den Fall des Polizistenmordes in Heilbronn vor viereinhalb Jahren verwickelt ist. In dem Haus wurde unter anderem eine Pistole gefunden, baugleich zu der, mit der in Heilbronn 2007 eine 24-jährige Polizistin erschossen worden war.

Bestätigt wurde von den Zwickauer Ermittlern auch, dass in der Ruine entdeckte Handschellen und Reizspray den Heilbronner Opfern eindeutig zuzuordnen seien. Sollte es sich dabei tatsächlich um die Mordwaffe handeln, könnte die 36-Jährige wegen gemeinschaftlich begangenen Mordes und versuchten Mordes belangt werden.

Ihre beiden Komplizen hatten laut Polizei - ebenfalls am 4. November - nach einem Banküberfall im thüringischen Eisenach Selbstmord in einem Wohnmobil verübt. Dort wurde unter anderem die Dienstwaffe der in Heilbronn getöteten Polizistin gefunden.

Beide Männer sollen mindestens 14 Raubzüge getätigt haben

Wie Beate Z. hatten auch ihre 34 und 38 Jahre alten Kumpanen Kontakte in die Neonazi-Szene. In den 1990er Jahren sollen sie beim rechtsextremen “Thüringer Heimatschutz“ aktiv gewesen sein - danach jedoch nicht mehr. Nach dem thüringischen Verfassungsschutz erklärte nun auch das sächsische Landesamt, dass sie keine V-Leute gewesen seien. Zu ihren Aufenthaltsorten seit ihrem Abtauchen 1998 habe man keine Kenntnis gehabt, teilten die Dresdner Verfassungsschützer mit.

Polizei und Staatsanwaltschaft in Zwickau hatten bereits am Mittwoch gesagt, ihnen sei das Trio, das unter verschiedenen Namen auftrat, bis zum vergangenen Freitag gar nicht bekanntgewesen. Auch das sächsische Landeskriminalamt hat bislang noch nie etwas mit dem Trio zu tun gehabt, wie eine Sprecherin am Donnerstag sagte.

Unklar ist bislang auch die Beteiligung der Frau an mehreren Banküberfällen. Auf das Konto der beiden Männer sollen seit 1999 mindestens 14 Raubzüge gehen - darunter zwei in Thüringen, zwei in Mecklenburg-Vorpommern und zehn in Sachsen.

Polizei prüft Verbindungen zur rechtsextremen Szene

Allein in Chemnitz gab es vom 6. Oktober 1999 bis zum 22. November 2005 eine Serie von sieben sich auffallend ähnelnden Überfällen. Nach Angaben von Polizeisprecher Frank Fischer habe es sich in allen Fällen um zwei maskierte Täter gehandelt, die “äußerst brutal“ agiert hätten und mit Fahrrädern geflüchtet seien. Erbeutet hätten sie bis 2000 bei drei Überfällen in Postfilialen insgesamt mehrere 10 000 D-Mark, bei drei Sparkassen-Überfällen 2003 und 2004 dann zusammen mehrere 10 000 Euro. Bei einem Überfall 2005 seien die Täter ohne Beute geflohen. So auch 2006 in Zwickau, wo sie bei zwei Streifzügen 2001 und 2002 umgerechnet etwa 86 000 Euro erbeutet hatten.

Die Ermittler in Heilbronn prüfen im Fall des Polizistenmordes nun auch mögliche Verbindungen zur rechtsextremen Szene in Baden-Württemberg. “Es ist nicht unbedeutend, welchem Milieu die Tätergruppierung angehört“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Heilbronn, Harald Lustig, am Donnerstag.

Im Innenausschuss des Thüringer Landtags will Innenminister Jörg Geibert (CDU) am Freitag zu dem Fall Stellung nehmen. Die Opposition sieht eine Reihe offener Fragen und fordert vor allem Aufklärung über die Rolle der Sicherheitsbehörden. Dem Vernehmen nach wird sich auch die für den Geheimdienst zuständige Parlamentarische Kontrollkommission mit dem Fall beschäftigen. Die Linke in Sachsen und Thüringen forderte angesichts des komplexen Falles eine länderübergreifende Ermittlungsgruppe.

dpa

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