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Preisschock! Unsere Lebensmittel immer teurer

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Grundnahrungsmittel wie Milchprodukte, Eier, Kaffee, Tee und Speiseöle verteuerten sich im Vergleich um März des vergangenen Jahres um bis zu 23,5 Prozent.
Grundnahrungsmittel wie Milchprodukte, Eier, Kaffee, Tee und Speiseöle verteuerten sich im Vergleich um März des vergangenen Jahres um bis zu 23,5 Prozent. © dpa

Auf die deutschen Verbraucher rollt eine neue Teuerungswelle zu.

Beim Frühindikator Großhandel gab es im März einen Preissprung von 7,1 Prozent, den höchsten seit 26 Jahren. Wegen der weltweit steigenden Nahrungsmittelpreise sind nach UN-Angaben inzwischen Millionen von Menschen bedroht. Entwicklungsministerin Wieczorek-Zeul forderte am Freitag in Berlin bezahlbare Lebensmittel für alle Menschen.

Das Statistische Bundesamts gab in Wiesbaden bekannt, dass im März die Großhandelspreise für Getreide, Saaten und Futtermittel einen Sprung von 52,0 Prozent nach oben machten. Milch, Milcherzeugnisse, Eier, Speiseöle und Nahrungsfette waren um 23,5 Prozent teurer als im März des Vorjahres. Kaffee, Tee, Kakao und Gewürze verteuerten sich auf Großhandelsebene um 13,2 Prozent. Ein Sprecher des Bundesverbands des Groß- und Außenhandels in Berlin erklärte, eine Teuerungsrate von 52 Prozent bei Getreide bedeute „nicht, dass das Brot oder das Bier entsprechend teurer werden“.

Der Verbraucherpreis hänge zum einen auch von Posten wie Lohn, Energie und Verpackung ab. Zum anderen gebe es einen sehr starken Wettbewerb, ein weltweites Angebot und funktionierende Märkte. Darüber hinaus machten Lebensmittel in Deutschland nur zehn Prozent am Warenkorb aus.

Bundesverbraucherminister Horst Seehofer (CSU) geht alledings davon aus, dass die drastischen Erhöhungen in Deutschland erst einmal vorbei sind. „Ich denke, dass wir da die großen Preissprünge nach oben hinter uns haben“, sagt er. Die Agrarmärkte sind durch die höhere Nachfrage nach Milch und Fleisch in China und Indien, aber auch durch Dürrekatastrophen wie in Australien, mächtig in Bewegung geraten.

Das zieht weltweite Konsequenzen nach sich. Die Rohstoffpreise, aber auch die Verbraucherpreise, fahren Achterbahn. „Die Ausschläge sind schwerer kalkulierbar“, sagt Bauernpräsident Gerd Sonnleitner, der Landwirt in Bayern ist. Die Milcherzeugerpreise werden nach seiner Ansicht leicht steigen, dagegen rechnet die Milchindustrie mit einer Senkung.

Die Milchbauern sind sauer. Sie sehen die allmähliche Erholung des Preises in Gefahr, während sich die Verbraucher in Deutschland über die Aussicht auf wieder sinkende Milchpreise freuen. „Über viele, viele Jahre, man kann sagen Jahrzehnte, sind wir ein extremer Inflationsbremser gewesen, und das hat sich dann eben bei uns in den katastrophalen Einkommensverhältnissen niedergeschlagen“, sagt Sonnleitner. Er warnt den Einzelhandel, die Preise zu drücken. Derzeit verhandeln die Molkereien mit dem Lebensmitteleinzelhandel über die Einkaufspreise. Die Milchbauern drohen erneut mit Streik. Der Einzelhandel geht für die Verbraucher von eher sinkenden Preisen für Milchprodukte aus. Teurer werden soll unter anderem Fleisch.

Der Einzelhandel rechnet für dieses Jahr bei einzelnen Preisen mit einem Rückgang, aber unter dem Strich mit einem wenn auch geringeren Anstieg als im Vorjahr. So hat der Preisschock des vergangenen Sommers wenigstens einen positiven Effekt: Er dämpft statistisch gesehen die weiter erwarteten Preiserhöhungen.

Quelle: tz

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