Pussy-Riot-Urteil: Polizei riegelt Gericht ab

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Hunderte Unterstützer der russischen Frauenband Pussy Riot fanden sich schon am Morgen vor dem Urteil vor dem Gericht ein

Moskau - Mit einem Großaufgebot riegelt die Moskauer Polizei das Gericht ab, in dem in wenigen Stunden das Urteil gegen die Punkband Pussy Riot gesprochen wird.

Vor der Urteilsverkündung im Prozess gegen drei Aktivistinnen der russischen Punkband Pussy Riot hat die Moskauer Polizei am Freitag die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Das Gebäude des Chamowniki-Gerichts im Zentrum Moskaus wurde mit Metallbarrieren abgeriegelt, wie die Nachrichtenagentur Interfax berichtete. Der inhaftierte Putin-Kritiker Michail Chodorkowski warf dem Kreml derweil in einem Interview mit der “Süddeutschen Zeitung“ vor, den Prozess gegen die drei Angeklagten politisch zu missbrauchen.

Rund ein Dutzend Polizeifahrzeuge fuhren vor dem Gericht vor. Die drei Frauen von Pussy Riot hatten im Februar in einer spektakulären Aktion in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale ein sogenanntes Punk-Gebet aufgesagt und die Gottesmutter angerufen, Präsident Wladimir Putin zu “verjagen“. Die Sicherheitskräfte in Moskau erwarten Proteste gegen die mögliche Verurteilung der drei Frauen, die wegen “Rowdytums aus religiösem Hass“ angeklagt sind. Die Staatsanwaltschaft fordert drei Jahre Haft für die drei Aktivistinnen.

Gegen das erwartete Urteil wollten in Großstädten in Westeuropa und Nordamerika Tausende Sympathisanten der Aktivist protestieren. Auch in Berlin ist eine Aktion angekündigt. Menschenrechtler befürchten ein unfaires Urteil in einem politisch motivierten Prozess. Je lauter die Menschen das Vorgehen der russischen Justiz kritisierten, desto größer sei die Chance auf ein faires Urteil, sagt die Journalistin Xenia Grubstein, die den Protest in New York mitorganisiert. Ihr Unterstützung für Pussy Riot haben unter anderem Pop-Größen wie Paul McCartney, Madonna und Björk bekundet.

Die starke Politisierung des Prozesses deute darauf hin, dass es bloßer Zufall wäre, wenn ein faires Urteil zustande käme, sagte Marie von Möllendorf von Amnesty International der Nachrichtenagentur dapd. Nicht zuletzt durch den Prozessverlauf hat die russische Protestbewegung in den vergangenen Wochen national und international erhöhte Aufmerksamkeit bekommen - mehr noch, als durch das Punk-Gebet von Pussy Riot am heiligen Ort.

Zwtl.: Chodorkowski: Putin missbraucht den Prozess gegen Pussy Riot

Der inhaftierte Kreml-Kritiker und frühere Ölmilliardär Michail Chodorkowski hat dem russischen Präsidenten Wladimir Putin vorgeworfen, den Prozess gegen die Frauen-Punkband Pussy Riot zur Einschüchterung der Opposition zu missbrauchen. “Das Ziel ist es, Kritikern des Regimes eine Lektion zu erteilen“, erklärte Chodorkowski in einem am Freitag in der “Süddeutschen Zeitung“ veröffentlichten Interview. Das Gericht werde “nur ein Urteil bestätigen, das anderswo aufgeschrieben wurde - in der Staatsanwaltschaft oder irgendeiner anderen staatlichen Instanz“, sagte Chodorkowski in dem nach Angaben der Zeitung über Monate schriftlich geführten Interview. Chodorkowski war einst der reichste Mann Russlands.

dapd/dpa

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