Gerüchte ranken sich

Corona-Kahlschlag: Deutscher Radiosender kaum mehr wiederzuerkennen - „Haltet durch“

Auch die Radio-Branche kämpft mit den Folgen der Corona-Krise. Ein kleinerer Sender musste jetzt reagieren und ist nicht mehr wiederzuerkennen.

Köln - Die Coronavirus-Krise hat viele Branchen bis ins Mark getroffen. Ein TV-Sender hat die Zuschauer mit einer Insolvenz-Nachricht geschockt, ebenso in Schieflage geraten sind eine bekannte Mode-Kette und ein Gastro-Unternehmen mit zahlreichen Filialen. Nur drei Beispiele von vielen.

Corona-Krise: Radiosender steigt auf Notbetrieb um

Jetzt muss auch ein Radiosender reagieren - und auf „Sparflamme“ umstellen. Es handelt sich um den Regionalsender Radio livelive für Kiel und Umgebung. Dieser hat kurzerhand alle Wortbeiträge aus dem Programm gestrichen und sendet nur noch Musik. Das geht aus einem Facebook-Posting hervor: „Hallo liebe Hörer*innen von Radio livelive. Wie ihr schon bemerkt habt, ist unser Programm zurzeit auf ‚Sparflamme‘. Auch an uns ist Corona nicht spurlos vorbeigegangen. Zurzeit ist es leider nicht möglich, Werbekunden zu generieren, daher läuft bei uns im Moment nur Musik. Die Moderationen, Nachrichten, Beiträge, Interviews etc. sind aus Kostengründen aus dem Programm genommen worden.“

Weiter heißt es: „Selbstverständlich werden wir nach dieser ‚Flaute‘ wie gewohnt mit unserem Programm zu hören sein.
Gerüchte, dass keine Gehälter gezahlt werden oder wir ab dem 1. Mai mit anderen Sendern kooperieren, sind komplett an den Haaren herbeigezogen.“

Es handelt sich „nur“ um einen regionalen Sender mit begrenzter Reichweite - das zeigt auch schon, dass der Kanal lediglich etwa 450 Facebook-Fans hat. Aber dass etwa das Branchenportal radioszene.de darüber berichtet, macht die Bedeutung klar. „Haltet durch“, schreibt eine Zuhörerin dann auch bei Facebook.

Corona-Krise: Radio- und TV-Unternehmen haben zu kämpfen

Viele private Fernseh- und Radiounternehmen haben laut Verbandsangaben nach dem Corona-Jahr 2020 mit weggebrochenen Werbe-Erlösen einen schwierigen Jahresstart gehabt. Die Vorstandsvorsitzende des Verbands Privater Medien (Vaunet), Annette Kümmel, sagte Mitte März der Deutschen Presse-Agentur: „Das Jahr ist dramatisch, weil wir anders als in 2020 nicht von ersten guten Monaten zehren können.“

Mit den Corona-Belastungen aus 2020 sei man in ein neues Geschäftsjahr mit Lockdown-Szenario gekommen. Kümmel: „Das hat die negative Geschäftssituation für viele Unternehmen verschärft. Einige Unternehmen haben Existenzsorgen.“

Der Verband vertritt die Branche von kleinen privaten Sendern bis hin zu großen Konzernen. Auf die Frage, ob es 2021 Insolvenzen geben werde, sagte Kümmel: „Wir können es aktuell nicht ausschließen. Es gibt noch nicht die Situation, dass man sagen müsste, etwas ist spruchreif. Mit Blick auf das gesamte Ökosystem private Medien muss man aber sagen: Wir können Insolvenzen nicht ausschließen.“ Aktuelle Entwicklungen zur Corona-Krise in Deutschland lesen Sie hier. (lin mit dpa)

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