Rätsel um Geheimakte Kampusch: Jetzt soll das FBI ermitteln

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Natascha Kampusch (24) findet die neuesten Spekulationen um ihre Entführung „empörend“.

München - Der Entführungsfall Natascha Kampusch schlägt weiter Wellen: Das österreichische Innenministerium hat nun das FBI um Hilfe bei der Klärung gebeten hat. Aber was gibt es eigentlich noch aufzuklären?

Ende März wird ein Parlamentsausschuss, der seit Monaten über 1000 Gigabyte Aktenmaterial aufarbeitet und Zeugen in einem abhörsicheren Raum befragt, seinen Abschlussbericht vorstellen. Die Ergebnisse sind so brisant, dass das österreichische Innenministerium nun das FBI um Hilfe bei der Klärung gebeten hat. Aber was gibt es eigentlich noch aufzuklären?

Wie aus dem noch geheimen Abschlussbericht durchsickerte, zweifelt die Untersuchungskommission einen Großteil entscheidender Fakten des Falls an. Kampusch selbst nannte die neuen Spekulationen um ihre Entführung „empörend und unglaublich“. In einem ORF-Interview, das am Montagabend ausgestrahlt werden sollte, sagte die 24-Jährige: „Es ist eine enorme psychische Belastung. Es verletzt. Da kann man sich nur an den Kopf greifen.“ Die tz erklärt die größten Rätsel im Krimi Kampusch:

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Das Entführungsfahrzeug: Eine Zeugin sah zwei Täter in diesem Bus. Wieso wurde ihre Aussage nicht geprüft?

Die Einzeltäter-Theorie:
Die Schülerin Ischtar A. gab als Zeugin der Entführung an, zwei Täter in einem weißen Bus gesehen zu haben. Der Aussage wurde aber nie ernsthaft nachgegangen. Die Theorie vom pädophilen Einzeltäter wurde auch nicht hinterfragt, nachdem Kampusch später angab, Entführer Wolfgang Priklopil habe ihr gesagt, sie werde bald an „andere“ übergeben. Dass die damals Zehnjährige ursprünglich „Ware“ eines Kinderpornorings werden sollte, stützt auch die Tatsache, dass Priklopil sein Verließ für Kampusch in seinem Haus in Strasshof bei Wien erst nach ihrer Entführung zu bauen begann und demnach die Tat nicht von langer Hand plante.
Der dubiose Freund:
Priklopils einziger Freund, Ernst H., sagte aus, er sei kurz vor dessen Selbstmord stundenlang mit Priklopil durch die Gegend gefahren.  Dabei habe Priklopil eine Lebensbeichte abgelegt. Im Wagen H.s fand die Polizei aber noch frische DNA -Spuren einer dritten Person, die nie zugeordnet werden konnten. Während einer Polizeidurchsuchung tauchte H. in Priklopils Haus auf und ließ mehrere unbekannte Gegenstände mitgehen - wollte er etwas vertuschen? Die Abschiedsnotiz des Entführers, die Ernst H. zudem Jahre später präsentierte, enthält nur das handschriftliche Wort „Mama“ - das aber nicht der Schrift Priklopils entspricht, dafür der H.s!
Der Suizid Priklopils:
Kurz nach der Flucht Kampuschs warf sich Wolfgang Priklopil am 23.

Der Entführer: Beging Wolfgang Priklopil wirklich Selbstmord?

August 2006 vor einen Zug. Die Leiche des 44-Jährigen wurde aber bis auf einen abgetrennten Fuß und den Kopf unversehrt gefunden. Untypisch für diese Art des Suizids! Auch der Todeszeitpunkt gibt keinen Aufschluss - er wurde seltsamerweise nie bestimmt. Der Ausschuss hält es für möglich, dass Priklopil ermordet und seine Leiche anschließend auf die Gleise gelegt wurde.
Der Selbstmord des Soko-Chefs:

Im Juni 2010 erschoss sich Chefermittler Franz Kröll - unter Kollegen als emotional stabil geltend - in seiner Grazer Wohnung. Auffällig: Der Rechtshänder tötete sich mit der linken Hand. Wie sich herausstellte, hegte Kröll ebenfalls erhebliche Zweifel am Selbstmord Priklopils. Starb der 58-Jährige, weil er zu viel wusste oder der Druck von oben zu groß wurde? Bei der Untersuchung der Wohnung fand die Spurensicherung die gelöschte Festplatte Krölls. Nur eine Datei entdeckten Beamte auf einem versteckten USB-Stick: die Unterlagen zum Fall Kampusch.

ISP

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