Rätselhafte EHEC-Epidemie lässt nach: 29 Tote

Berlin - Die EHEC-Detektive stehen am Ende vielleicht mit leeren Händen da. Nur bei jedem vierten EHEC-Ausbruch lässt sich die Infektionsquelle ausmachen. Weiter gilt: Vorsicht vor Sprossen, Gurken, Tomaten und Salat.

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Die EHEC-Epidemie in Deutschland schwächt sich ab. Auch wenn Mediziner noch keine Entwarnung geben - die Zahl der Neuerkrankungen in den besonders betroffenen Bundesländern wie Niedersachsen und Hamburg nimmt ab. Inzwischen sind laut offiziellen Angaben 29 Menschen nach einer EHEC-Infektion gestorben. Der 29. Tote wurde am Donnerstag aus Hessen gemeldet.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lobte das Krisenmanagement. Die Zusammenarbeit zwischen den Stellen in Bund und Ländern sei gut, sagte sie nach einem Treffen mit den Ministerpräsidenten in Berlin. Sie habe keinen Zweifel, dass an der komplizierten Suche nach der Quelle des Darmkeims mit Nachdruck gearbeitet werde.

Wissenschaftler versuchten auch am Donnerstag, mit Proben von Gurken und Gemüsesprossen die Infektionsquelle aufzuspüren - ohne Erfolg. Weiterhin gelten Sprossen, Salat, Tomaten und Gurken als mögliche Träger des Bakteriums.

Stammt der EHEC-Erreger aus diesem Bauernhof?

Aus diesem Gartenbaubetrieb im niedersächsischen Uelzen stammen möglicherweise Keimsprossen mit dem EHEC-Erreger. © dpa/ap
Aus diesem Gartenbaubetrieb im niedersächsischen Uelzen stammen möglicherweise Keimsprossen mit dem EHEC-Erreger. © dpa/ap
Aus diesem Gartenbaubetrieb im niedersächsischen Uelzen stammen möglicherweise Keimsprossen mit dem EHEC-Erreger. © dpa/ap
Aus diesem Gartenbaubetrieb im niedersächsischen Uelzen stammen möglicherweise Keimsprossen mit dem EHEC-Erreger. © dpa/ap
Aus diesem Gartenbaubetrieb im niedersächsischen Uelzen stammen möglicherweise Keimsprossen mit dem EHEC-Erreger. © dpa/ap
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Aus diesem Gartenbaubetrieb im niedersächsischen Uelzen stammen möglicherweise Keimsprossen mit dem EHEC-Erreger. © dpa/ap
Aus diesem Gartenbaubetrieb im niedersächsischen Uelzen stammen möglicherweise Keimsprossen mit dem EHEC-Erreger. © dpa/ap
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Aus diesem Gartenbaubetrieb im niedersächsischen Uelzen stammen möglicherweise Keimsprossen mit dem EHEC-Erreger. © dpa/ap
Aus diesem Gartenbaubetrieb im niedersächsischen Uelzen stammen möglicherweise Keimsprossen mit dem EHEC-Erreger. © dpa/ap
Aus diesem Gartenbaubetrieb im niedersächsischen Uelzen stammen möglicherweise Keimsprossen mit dem EHEC-Erreger. © dpa/ap

Im Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) brachten Untersuchungen von EHEC-verseuchten Gurkenproben aus Magdeburg noch keine neuen Hinweise. Die Gurkenreste waren am Mittwoch in einer Mülltonne in Magdeburg gefunden worden.

Die Tonne gehört einer Familie, die an EHEC erkrankte. Das Berliner BfR-Labor untersucht nun, ob es sich bei dem gefundenen Erreger um denselben aggressiven Typ O104:H4 handelt, der als Auslöser der aktuellen EHEC-Welle gilt.

Das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin beobachtet die Seuche nun schon im zweiten Monat. Der früheste Beginn der Durchfallerkrankung datiert vom 1. Mai. Insgesamt erkrankten seitdem den Angaben zufolge rund 2800 Patienten nachweislich an EHEC, davon 722 an der lebensgefährlichen Komplikation HUS (hämolytisch-urämisches Syndrom).

EHEC: Was die Bauern mit ihrer Ware machen

Gurken gibt es zur Zeit zum Schleuderpreis zu kaufen. © dpa/ap
Das Gleiche gilt für Tomaten. © dpa/ap
Hier sieht man, wie Kistenweise Aufträge für Tomaten storniert wurden. © dpa/ap
Dieser Bauer kann seinen Salat nicht verkaufen. © dpa/ap
Die Salatköpfe werden geschreddert und auf Feldern verteilt. © dpa/ap
Auf dem Viktualienmarkt in München versuchen die Händler ihr regionales Gemüse an den Mann zu bringen. © dpa/ap
Auf diesem Feld liegt der geschredderte und schon gammlige Salat. © dpa/ap
Der Salat ist schon ausgetrocknet. © dpa/ap
Auch dieser Bauer wirft seinen Salat aufs Feld. © dpa/ap
Jede Menge Salatköpfe werden... © dpa/ap
... mit der Mistgabel entsorgt.   © dpa/ap

Eine der wenigen Spuren, die Wissenschaftler nach wie vor für erfolgsversprechend halten, sind Proben von Sprossengemüse von einem Betrieb im Kreis Uelzen in Niedersachsen. “Es läuft alles auf diesen Betrieb hinaus, es läuft alles auf Sprossen hinaus“, sagte der Sprecher des Landwirtschaftsministeriums in Hannover, Gert Hahne. Doch fehle weiterhin der Labornachweis.

Der verdächtigte Biohof in Bienenbüttel darf außer Sprossen weiterhin anderes Gemüse wie Tomaten und Gurken verkaufen. Hahne bestätigte einen Bericht von “Spiegel Online“. “Wir haben nur Hinweise auf Sprossen.“ Für eine Sperrung müsse man Beweise haben.

Die Chance, die EHEC-Epidemie aufzuklären, ist nicht groß. Nach BfR-Angaben konnte in der Vergangenheit nur ein Viertel der EHEC-Ausbrüche in Deutschland bis zur Quelle des Erregers zurückverfolgt werden. Hauptgrund: verdächtigte Lebensmittel sind zum Zeitpunkt der Erkrankungen meist restlos verbraucht.

EHEC: Die wichtigsten Fragen und Antworten

dapd
Was verbirgt sich hinter der Abkürzung EHEC? © 
Es handelt sich bei EHEC-Bakterien um die sogenannten Enterohämorrhagischen Escherichia Coli-Bakterien. Seit Anfang Mai verbreitet ein besonders aggressiver Erreger Angst und Schrecken in Deutschland. © dpa
Bisher sind 36 Menschen an den Folgen der Erkrankung gestorben. Überraschend: Betroffen sind vor allem junge Frauen. Normalerweise erkranken Kleinkinder unter fünf Jahren, ältere und immunschwache Menschen durch eine EHEC-Infektion. © dpa/ap
Bei EHEC handelt es sich um eine gefährliche Variante des für den Menschen harmlosen Darmbewohners Escherichia coli. EHEC kommt im Darm von Weiderkäuern vor. Gelangt es jedoch in den Körper des Menschen, setzen die Bakterien dort gefährliche Giftstoffe frei. © dpa/ap
Wissenschaftler haben das Genom des Erregers bereits entschlüsselt. Dabei fanden sie heraus, dass zwei Bakterienstämme ihre Erbsubstanz miteinander ausgetauscht haben. © dpa
Welche Symptome bringt eine EHEC-Erkrankung mit sich? © dpa/ap
Der Erreger kann sich zunächst durch blutigen und wässrigen Durchfall, Erbrechen, Übelkeit und Bauchschmerzen bemerkbar machen. Zudem sind bei schweren Verläufen auch Blutarmut, Gefäß- und Nierenschäden möglich. Auch wenn die Krankheit überstanden ist, können Gesundheitsschäden wie etwa Nierenleiden zurückbleiben. © dpa
Wie wird die Krankheit übertragen? © dpa/ap
Da sich der Erreger vor allem im Kot von Nutztieren findet, ist direkter Kontakt mit den Tieren ein Übertragungsweg. Aber auch verunreinigte Lebensmittel, die Kot-Partikel enthalten, können Ursache sein. Wird gedüngtes Obst und Gemüse ungewaschen gegessen, kann das die Krankheit auslösen. Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist über Schmierinfektionen möglich. © dpa/ap
Was ist bei den aktuellen Fällen die Infektionsquelle? © dpa/ap
Schnell gerieten Gurken und Tomaten in Verdacht. Das Bundesamt für Risikobewertung hat allerdings inzwischen die Empfehlung, auf den Verzehr von Gurken, Tomaten und Blattsalat in Norddeutschland zu verzichten, aufgehoben.  © dapd
Denn inzwischen haben Wissenschaftler Sprossen von einem Biohof im niedersächsischen Bienenbüttel zweifelsfrei als Träger des Erregers identifiziert. © dpa
Beunruhigend: EHEC-Bakterien wurden auch auf bayerischem Salat gefunden. Er befand sich auf Lollo Rosso-Salat eines Fürther Gemüseerzeugers. Erste Laborergebnisse deuten jedoch nicht darauf hin, dass es sich um den gefährlichen Erreger-Typ handelt. © dapd
Wie kann ich mich vor EHEC-Erkrankungen schützen? © dpa/ap
Die Behörden empfehlen, dass in Deutschland derzeit keine rohen Sprossen gegessen werden sollten - auch keine selbst gezogenen.  © 
Der beste Schutz vor dem Keim ist allerdings Hygiene. Dazu gehört regelmäßiges Händewaschen. Verbraucher könnten dem RKI zufolge das Risiko einer EHEC-Infektion weiter minimieren, indem sie alle Lebensmittel vor dem Verzehr mindestens zehn Minuten lang auf 70 Grad erhitzen. Es gibt keine Impfung gegen den Keim. © dpa
In der Berichterstattung ist auch von HUS die Rede. Was ist das? © dpa/ap
HUS steht für hämolytisch-urämisches Syndrom, einen besonders schweren Verlauf der EHEC-Erkrankungen. Dabei kann es zu Nierenversagen und Blutarmut kommen. Das kann lebensbedrohlich sein. © dpa/ap
Was muss ich tun, wenn ich betroffen bin? © dpa/ap
Zunächst sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen. Außerdem sollen EHEC-Erkrankte viel trinken, um den Flüssigkeits- und Salzverlust auszugleichen. Hygiene ist ein Muss, um weitere Ansteckungen zu vermeiden. Mit dem Bakterium infizierte Patienten sollten auf keinen Fall Antibiotika nehmen. Diese könnten die Situation noch verschlimmern, erklärte ein Arzt des Berliner Krankenhauses Charité. Wenn die Bakterien durch das Antibiotikum in großem Umfang zerfallen, werden vermehrt Gifte aus den Bakterien freigesetzt. © dpa/ap

Die Zahl der EHEC-Toten in Niedersachsen stieg auf zehn. Eine Häufung von Fällen sei nach einer Familienfeier im Landkreis Göttingen registriert worden, teilte das Gesundheitsministerium mit. Die Gruppe sei von einer Catering-Firma aus dem Landkreis Kassel in Hessen beliefert worden.

Insgesamt stellten die niedersächsischen Behörden eine langsamere Ausbreitung der Epidemie fest. Die Zahl der Fälle und Verdachtsfälle stieg auf 564. Bei 452 Erkrankten gab es einen Labornachweis für EHEC. 112 Menschen erkrankten an HUS. “Grund zur Entwarnung gibt es noch nicht“, sagte Hahne.

Auch in Hamburg sprachen die Behörden von Entspannung. Die Ausbreitung verlangsame sich weiter. Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) sagte: “Es steigt mit jedem Tag die Hoffnung, dass wir den Scheitelpunkt wirklich überstanden haben.“ Insgesamt meldete Hamburg bisher 955 EHEC-Fälle oder -Verdachtsfälle.

Ähnlich war die Lage in Schleswig-Holstein. Rückmeldungen aus den Krankenhäusern deuteten auf eine Entspannung hin, hieß es aus dem Gesundheitsministerium in Kiel. In Schleswig-Holstein hätten sich bislang 747 Menschen infiziert - 52 Erkrankte mehr als am Mittwoch.

Spanien will auf Schadenersatzklagen gegen Deutschland verzichten. Auf mögliche private, rechtliche Forderungen der Bauern gegen den Hamburger Senat habe die Regierung aber keinen Einfluss, sagte Spaniens Europaminister Diego Lopez Garrido in Berlin. Zur Warnung des Hamburger Senats vor Gurken aus Spanien sagte er: “Es wurden Fehler gemacht.“ Nach Deutschland gehe etwa ein Viertel aller Gemüseexporte.

Der Ministerpräsident der südspanischen Region Andalusien, José Antonio Griñán, warnte davor, in einen “Deutschen-Hass“ zu verfallen. Die Deutschen seien die wichtigsten Kunden andalusischer Landwirte. Auch Gemüsebauern in Südspanien hatten Millionenverluste erlitten.

Die unter der EHEC-Krise leidenden Bauern sollen nach dem Willen der EU-Kommission höher entschädigt werden als geplant: 210 Millionen Euro statt der zunächst vorgeschlagenen 150 Millionen Euro. Die EU-Staaten müssen dem noch zustimmen.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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