RAF-Terroristin Birgit Hogefeld kommt frei

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Birgit Hogefeld

Frankfurt - Die wegen mehrfachen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilte frühere RAF-Terroristin Birgit Hogefeld kommt auf freien Fuß. Die 54-Jährige werde in den kommenden Wochen nach 18 Jahren Haft entlassen.

Das teilte das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Freitag mit. Ihre Reststrafe wird zur Bewährung ausgesetzt. Hogefeld, die zu den Leitfiguren der dritten RAF-Generation zählte, ist seit 2009 Freigängerin im offenen Vollzug. Nach der Freilassung von Christian Klar verbüßte sie als letztes ehemaliges RAF-Mitglied eine lebenslange Freiheitsstrafe. Die gebürtige Wiesbadenerin war im Juni 1993 in Bad Kleinen in Mecklenburg-Vorpommern verhaftet worden. Ihr Komplize und Lebensgefährte Wolfgang Grams hatte dort einen GSG-9-Beamten erschossen. Wegen der Ermordung eines US-Soldaten und des Bombenanschlags auf die Frankfurter US-Airbase mit zwei Toten 1985 wurde Hogefeld rechtskräftig zu lebenslanger Haft verurteilt. Dabei wurde die besondere Schwere der Schuld festgestellt.

Auch eine Beteiligung an der versuchten Ermordung des späteren Bundesbankpräsidenten Hans Tietmeyer und dessen Fahrer sowie am Anschlag auf das Gefängnis in Weiterstadt wurde ihr zur Last gelegt. Diesen letzten Anklagepunkt hob der Bundesgerichtshof 1998 aber wegen fehlerhafter Beweiswürdigung wieder auf. Mit 28 Jahren war Hogefeld in den Untergrund gegangen, Ende 1996 hatte sie sich von den Gewalttaten der RAF distanziert. Der 4. Strafsenat des OLG habe vor seinem Beschluss am vergangenen Mittwoch den Generalbundesanwalt angehört, alle Faktoren abgewogen und die Verurteilte persönlich angehört, heißt es in der Mitteilung des Gerichts vom Freitag.

Der Generalbundesanwalt habe dem Antrag Hogefelds, den Rest ihrer Freiheitsstrafe zur Bewährung auszusetzen, nicht widersprochen. Damit habe er der positiven Entwicklung der Verurteilten in der Justizvollzugsanstalt Rechnung getragen. Die Entscheidung fuße auf den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts und der vom selben Senat 2008 festgesetzten Haftzeit von mindestens 18 Jahren. “Hierbei hat der Senat berücksichtigt, dass sich die Verurteilte in deutlicher Form von der RAF losgesagt und ihrerseits die persönliche Verantwortung für die von der damaligen RAF begangenen Straftaten übernommen hat.“

Die RAF: Schreckensbilder vergangener Zeiten

Eine der Aufsehen erregendsten AKtionen der RAF: Die Entführung von Arbeitgeber-Präsident Hans-Martin Schleyer am 5. September 1977 in Köln.
Eine der Aufsehen erregendsten Aktionen der RAF: Die Entführung von Arbeitgeber-Präsident Hanns-Martin Schleyer am 5. September 1977 in Köln. © dpa
Bei der brutalen Aktion erschoss die RAF drei Leibwächter sowie den Fahrer Schleyers.
Bei der brutalen Aktion erschoss die RAF drei Leibwächter sowie den Fahrer Schleyers. © dpa
43 Tage lang hielten die Terroristen Schleyer gefangen...
43 Tage lang hielten die Terroristen Schleyer gefangen... © dpa
... Nachdem die parallel ausgeführte Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut" scheiterte, wurde Schleyer am 18. Oktober 1977 erschossen.
... Nachdem die parallel ausgeführte Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut" scheiterte, wurde Schleyer am 18. Oktober 1977 erschossen. © dpa
Wenige Monate zuvor hatte die RAF auch schon gemordet, als am 7. April in Karlsruhe Generalbundesanwalt Siegfried Buback und seine zwei Begleiter kaltblütig erschossen wurden.
Wenige Monate zuvor hatte die RAF auch schon gemordet, als am 7. April in Karlsruhe Generalbundesanwalt Siegfried Buback und seine zwei Begleiter kaltblütig erschossen wurden. © dpa
Fünf Jahre zuvor hatte die RAF auch in Bayern Anschläge verübt. So wurde unter anderem das Landeskriminalamt in München Ziel eines Bombenattentats. Dabei gab es zahlreiche Verletzte, 60 Autos wurden demoliert.
Fünf Jahre zuvor hatte die RAF auch in Bayern Anschläge verübt. So wurde unter anderem das Landeskriminalamt in München Ziel eines Bombenattentats. Dabei gab es zahlreiche Verletzte, 60 Autos wurden demoliert. © dpa
Der Terror der RAF reichte bis spät in die 80er Jahre hinein: Am 30. November 1989 wurde Deutsche-Bank-Vorstand Alfred Herrhausen in Bad Homburg ermordet.
Der Terror der RAF reichte bis spät in die 80er Jahre hinein: Am 30. November 1989 wurde Deutsche-Bank-Vorstand Alfred Herrhausen in Bad Homburg ermordet. © dpa
Jahrelang der Kopf der RAF: Andreas Baader.
Jahrelang der Kopf der RAF: Andreas Baader. © dpa
Ulrike Meinhof.
Ulrike Meinhof. © dpa
Gudrun Ensslin.
Gudrun Ensslin. Zusammen mit Baader und Meinhof war sie lange die treibende Kraft der RAF. © dpa
Brigitte Mohnhaupt.
Im folgenden weitere Terroristen, die für die RAF brutal aktiv waren: Brigitte Mohnhaupt. © dpa
Rolf Heißler. © dpa
Jan Carl Raspe.
Jan Carl Raspe. © dpa
Rolf-Clemens Wagner.
Rolf-Clemens Wagner. © dpa
Ernst-Volker Staub und Daniela Klette.
Ernst-Volker Staub und Daniela Klette. © dpa
Knut Volkerts.
Knut Volkerts. © dpa
Peter-Jürgen Boock.
Peter-Jürgen Boock. © dpa
Christian Klar, der nach 26 Jahre Haft in die Freiehit entlassen wird.
Christian Klar, der nach 26 Jahre Haft in die Freiheit entlassen wird. © dpa
Das Gefängnis, das Berühmtheit erlangte: Stuttgart-Stammheim. Dort nahmen sich die inhaftierten Baader, Meinhof und Ensslin das Leben.
Das Gefängnis, das Berühmtheit erlangte: Stuttgart-Stammheim. Dort nahmen sich die inhaftierten Baader, Meinhof und Ensslin das Leben. © dpa
Die letzte Seite des Schreibens, mit dem die RAF 1998 ihre endgültige Auflösung bekannt gab.
Die letzte Seite des Schreibens, mit dem die RAF 1998 ihre endgültige Auflösung bekannt gab. © dpa

Die Mindestverbüßungszeit habe festgelegt werden müssen, weil bei der Verurteilung Hogefelds die besondere Schwere der Schuld festgestellt worden war, wie OLG-Sprecher Ingo Nöhre erläuterte. In einem solchen Fall kann eine lebenslange Freiheitsstrafe - anders als sonst üblich - nicht nach 15 Jahren zur Bewährung ausgesetzt werden. Die Gefängnisleitung habe das Verhalten Hogefelds als “beanstandungsfrei“ bezeichnet, heißt es in der OLG-Mitteilung. Die 54-Jährige hatte im Vollzug vor vier Jahren ein Studium an der Fernuniversität Hagen erfolgreich abgeschlossen und mit ihrer Doktorarbeit begonnen.

Hogefelds Freund und Lebensgefährte Grams hatte sich nach der Verhaftung 1993 in Bad Kleinen und den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft das Leben genommen. 2001 war er verdächtigt worden, an der Ermordung des Treuhandchefs Detlev Karsten Rohwedder zehn Jahre zuvor beteiligt gewesen zu sein. Auch Hogefeld war ins Visier der Ermittler geraten.

dpa

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