Wie geht das überhaupt?

Dieser Mann lebt komplett ohne Geld

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Raphael Fellmer

München - Raphael Fellmer lebt seit vier Jahren ohne Geld. Die tz sprach mit dem Autor über seinen Alltag und über die Gründe für seine Haltung.

Donnerstag im Eine-Welt-Haus in München: Dass Raphael Fellmer anders ist als die meisten Menschen, wird schnell klar – unser tz-Reporter kriegt von ihm keinen Händedruck zur Begrüßung, er bekommt eine herzliche Umarmung und gleich das Du angeboten.

Autor Raphael Fellmer (rechts) und Lukas Kurkowski im Gespräch

Doch viel interessanter ist: Fellmer lebt seitvier Jahren ohne Geld. Für sein Buch „Glücklich ohne Geld“, hat er lediglich einen Teil der Auflage als Gage erhalten, den er verschenkt. Seit Donnerstag kann man das Buch kaufen und im Laufe der Woche wird es unter gluecklich-ohne-geld.de umsonst zum Download bereitstehen. Die tz sprach mit dem Autor über seinen Alltag und über die Gründe für seinen Geldstreik.

"Das Essen organisieren wir uns durch food-sharing"

Du lebst ja in Berlin. Wie bist du ohne Geld nach München gekommen?

Raphael Fellmer: Ich habe mehrere Termine in der Stadt. Ein Veranstalter hat mir ein Zugticket spendiert.

Ich dachte, Reisen ohne Geld wäre abenteuerlicher...

Fellmer: Früher bin ich auch immer getrampt. Mittlerweile ist das Medieninteresse aber so groß, dass die vielen Termine so nicht mehr organisierbar sind.

Nach Möglichkeit lebst du ohne Geld. Wie funktioniert das? Wo wohnst du?

Fellmer: Ich lebe mit meiner Frau und meiner Tochter in einer WG bei einem Friedensprojekt. Wir reparieren dort Dinge, betreuen Besucher und machen andere Arbeiten. Dafür dürfen wir dort kostenlos wohnen.

Was ist mit Essen?

Fellmer: Das Essen organisieren wir uns durch food-sharing. Wir holen uns unverkäufliche, aber noch gute Lebensmittel von Geschäften. Über die Webseite Lebensmittelretter.de, bei der jeder mitmachen kann, wird das koordiniert. Wir sind mit 150 Läden in Kooperation, das Essen holen wir uns also nicht aus dem Müll, das wird uns zur Verfügung gestellt. Mittlerweile sind wir schon 1200 Lebensmittelretter.

Und wenn dein Kind mal krank wird?

Fellmer: Mein Kind ist über mich krankenversichert. Ich selbst nutze die Versicherung aber nicht. Meine Frau ist nicht im Geldstreik. Sie hat also ein Konto, wo das Kindergeld eingeht. Darüber zahlen wir die Versicherung. Ansonsten schenken uns Spezialisten wie Zahnärzte oft die Behandlung.

Manch einer würde so ein Leben als Schmarotzertum bezeichnen...

Fellmer: Wir Menschen aus den reichen Industrienationen sind alle Schmarotzer. Wir leben auf Kosten von anderen, der Natur und der Tiere. Wenn alle so leben würden wie wir, bräuchten wir drei Planeten. Wir verschwenden täglich Unmengen von Essen, während andere hungern. Ich versuche, darauf aufmerksam zu machen.

Eine Milliarde - wieviel ist das?

Eine Milliarde - wieviel ist das?

Trotzdem können ja nicht alle so leben wie du.

Fellmer: Sie können aber im Kleinen anfangen. Die Menschen sollten bewusster konsumieren und sich einfach mal überlegen, ob sie wirklich die Sachen brauchen, die sie kaufen. Es ist schon etwas getan, wenn man zum Beispiel einen Tag pro Woche kein Fleisch isst.

Interview: L. Kurkowski

In seinem Buch (Redline Verlag, 14,99 Euro) regt der Autor zum Nachdenken über unsere Konsumgewohnheiten an

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