Raumfahrt-Fiasko trifft Russland ins Mark

Moskau - Mit einer Marsmond-Sonde wollte Russland nach den jüngsten Erfolgen von China im Weltall wieder Akzente setzen. Doch die 13 Tonnen schwere Raumsonde kreist seit dem Start nutzlos um die Erde.

Erst der Absturz der Sojus, jetzt die Panne einer Marsmond-Sonde: Das 50. Jubiläumsjahr nach dem historischen Flug von Juri Gagarin wird für Russland zum Horrorjahr. Gerade hatte die Raumfahrtnation gehofft, mit dem Isolationsexperiment Mars500 und mit Bilderbuchstarts zur Internationalen Raumstation ISS die Krise überwunden zu haben. Doch dann zündeten kurz nach dem Start die Triebwerke der 120 Millionen Euro teuren Sonde Phobos-Grunt (“Phobos-Boden“) nicht. Nur ein “Wunder“ könne das Projekt retten, hieß es in Moskau. Der Flug sollte 15 Jahre nach Russlands letzter interplanetarer Mission eine neue Ära einläuten.

Gerade nach den jüngsten Erfolgen der aufstrebenden Raumfahrtmacht China wollte Russland unbedingt verlorenen Boden gutmachen. Und das Riesenreich wollte auch dem alten Rivalen USA zuvorkommen: Washington will am 25. November das Mars-Fahrzeug Curiosity (Neugier) zum Roten Planeten schießen.

Auch Stunden nach dem “Phobos-Grunt-Fiasko“ war die Mannschaft des Kosmodroms in Baikonur nur damit beschäftigt, die Sonde vielleicht doch noch zu retten. Sollte dies - wie viele fürchten - nicht gelingen, wird der mehr als 13 Tonnen schwere Frachter mit riesigen Mengen Treibstoff wohl auf die Erde stürzen. Ein Roskosmos-Experte schloss aus, dass alle Teile in der Atmosphäre verglühen würden.

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Das mögliche Aus für Phobos-Grunt ist auch für die bemannte Raumfahrt ein erneuter Rückschlag: Bereits am kommenden Montag (14. November) sollen drei Raumfahrer von Baikonur mit einer russischen Sojus zur ISS aufbrechen. Dies könnte angesichts des erneuten Tiefschlags verschoben werden. Bereits im August hatte der Absturz einer Sojus-Trägerrakete den ISS-Fahrplan kräftig durcheinandergewirbelt. Seit dem Einmotten der US-Space-Shuttles Ende Juli ist die Sojus das einzige Transportmittel zur Versorgung der Raumstation.

Moskau hatte zuletzt im November 1996 eine Sonde Richtung Mars geschickt - und auch damals eine Schlappe hinnehmen müssen. Ein Fehlstart der Proton-Trägerrakete stoppte die rund 500 Millionen Euro teure Mission Mars-96, Ausrüstung unter anderem aus Deutschland ging verloren. “Der Schmerz saß tief, und Phobos-Grunt sollte diese Wunde heilen“, räumte Roskosmos-Vizechef Vitali Dawydow unlängst ein. Da der Mars-Trabant fast keine Anziehungskraft besitzt, gelten Start und Landung dort als weniger aufwendig als auf dem Roten Planeten.

Rokosmos-Chef droht Verlust seines Jobs

Wegen der Panne, die vermutlich von defekten Sensoren verursacht wurde, dürfte der Stuhl unter Roskosmos-Chef Wladimir Popowkin nach nur einem halben Jahr im Amt heftig wackeln. Kritiker werfen ihm vor, zu schnell grünes Licht für die Marsmond-Mission erteilt zu haben. Die Technik sei nicht ausgereift gewesen. Popowkin hatte betont, dass die Entfernung zu Phobos derzeit geringer sei als in den kommenden Jahren. Die Gelegenheit sei deshalb günstig.

Popowkins Vorgänger Anatoli Perminow war im April wegen einer Pannenserie gefeuert worden. Er hatte in einer vielbeachteten Abschiedsrede Russlands Niederlage beim Wettlauf im All eingeräumt. Die Ausgaben von 3,1 Milliarden Dollar (rund 2,3 Mrd Euro) für die russische Raumfahrt seien 84 Prozent geringer als in den USA, hatte Perminow gesagt. Russland liege heute hinter den USA - und mit China und Europa gerade noch gleichauf.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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