Lebensmittel und Non-Food seit 1992

real: Historie des Discounters, Filialen und Angebot

Das Archivbild zeigt einen Real Supermarkt in Mannheim
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Das Handelsunternehmen real wurde im Sommer 2020 aufgekauft, mit Folgen für den Bestand der vorhandenen Märkte

Das Düsseldorfer Handelsunternehmen real betreibt rund 270 Warenhäuser in Deutschland. Seit Juni 2020 gehört die Supermarkt-Kette zum russischen Finanzinvestor SCP.

  • Die Handelskette real ist mit Warenhäusern sowie einem Online-Marktplatz in Deutschland vertreten.
  • Das Unternehmen erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2017/2018 einen Umsatz von rund 7,4 Milliarden Euro.
  • Bevor der Supermarkt im Sommer 2020 von einem russischen Investor übernommen wurde, gehörte er zur Metro-Gruppe.

Düsseldorf – Seit 2015 ist die real GmbH in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt ansässig. Daran änderte sich auch im Juni 2020 nichts. Zu diesem Zeitpunkt übernahm der russische Finanzinvestor SCP die Handelskette von der Metro AG. Diese gründete real im Jahr 1992. Seitdem hat die Supermarkt-Kette eine abwechslungsreiche Geschichte hinter sich. Heute sind rund 33.000 Mitarbeiter an knapp 270 Standorten in Deutschland für real tätig.

real: Hintergründe und Historie

Im Jahr 1992 führte der Düsseldorfer Metro-Konzern zahlreiche seiner Marktketten zusammen. Aus den regionalen und bundesweiten Groß- und Supermärkten divi, basar, Continent, esbella und real-kauf wurde die heutige Marke real. Einige Jahre später folgten weitere Märkte:

  • massa
  • massa-Mobil
  • Meister
  • BLV
  • Huma
  • Suma
  • Allkauf
  • Kriegbaum
  • Extra

Die neuen real-Supermärkte übernahmen die Standorte der ehemaligen Metro-Töchter. Die Metro AG selber blickt auf eine längere Geschichte zurück. Die Ursprünge des Unternehmens gehen auf das Jahr 1963 zurück. Am 8. November eröffnete der gleichnamige SB-Großmarkt für gewerbliche Käufer in Essen-Vogelheim. Der Markt besteht bis heute am selben Standort. Ein zweiter eröffnete Ende 1964 im benachbarten Mülheim an der Ruhr. Die Gründer der Großmärkte, Ernst Schmidt und Wilhelm Schmidt-Ruthenbeck, belieferten in den 1960er-Jahren Hunderte Spar-Supermärkte.

Die Idee eines Selbstbedienungs-Großhandels war zu dieser Zeit noch neu. Vorbilder waren neben amerikanischen Geschäften auch die Brüder Albrecht, die zur selben Zeit mit SB-Supermärkten in Essen experimentierten. Aus den Ideen gingen die Aldi-Discounter hervor. Metro ging einen etwas anderen Weg. Statt auf Discounterware setzte man auf große Gebinde für Wiederverkäufer und Gastronomen. Das Prinzip der Metro-Märkte ähnelte allerdings dem der Discounter: Auf eine Regalpräsentation wurde verzichtet, stattdessen setzte man auf den Verkauf direkt aus der Palette.

real: Expansion innerhalb Deutschlands

Die Metrogruppe erweiterte ihre Aktivitäten von den 1960er- bis 2000er-Jahren deutlich. Als einen Vorläufer der real-Supermärkte erwarb das Unternehmen 1992 unter anderem real-Kauf von der Asko Deutsche Kaufhaus AG und wandelte diese kurze Zeit später in die neue Marke real um. Fünf der Ende der 90er-Jahre zugekauften Extra-Märkte wurden ebenfalls in real-Standorte umgewandelt.

Weitere Marktanteile gewann real im Juli 2006 durch den Kauf von 85 deutschen Walmart-Niederlassungen. Der amerikanische Konzern gab damit sein von Verlusten geprägtes Deutschlandgeschäft auf. Die Walmart-Standorte wurden zum großen Teil in real-Märkte umgewandelt, 14 Filialen mussten schließen, da es in der unmittelbaren Umgebung bereits real-Supermärkte gab. Betroffen waren etwa Märkte in Aachen, Gelsenkirchen, Hagen, Hannover, Salzgitter und Wilhelmshaven. Ein Markt in Düsseldorf wurde schon im Juni 2006 aufgegeben. An seiner Stelle befindet sich heute einer der größten Edeka-Standorte in Deutschland.

real: Konsolidierungen ab Mitte der 2000er-Jahre

Die Schließungen im Sommer 2006 markierten eine Zäsur in der Geschichte der real-Märkte. Das Unternehmen verzeichnete zunehmend Verluste. Ab Herbst des Jahres schloss die Metro-Gruppe in der Folge zahlreiche Standorte in Deutschland. Sie wurden zum Teil durch Mitbewerber wie beispielsweise Kaufland übernommen. Die in den 90er-Jahren erworbene Handelskette Extra ging im Jahr 2008 an die REWE-Gruppe. Es folgten weitere Schließungen. So gab die Metro-Gruppe bekannt, dass bis Beginn des Jahres 2010 weitere 27 Standorte abgestoßen werden sollten. Dazu kam im Januar 2011 das Vertriebszentrum in Kamen. An dessen Stelle trat eine Bündelung mit den drei verbliebenen Shared Service Centern im deutschen Alzey, Polen und Ungarn.

Das real-Geschäft in Mittel- und Osteuropa ging 2013 an die französische Handelskette Auchan, die mit Supermärkten, Einkaufszentren und SB-Warenhäusern in ganz Europa aktiv ist. Die Gruppe führt seitdem die ehemaligen real-Geschäfte in Polen, Rumänien, Russland und der Ukraine. Einzig die Türkei war von der Umwandlung des Auslandsgeschäfts nicht betroffen.

Real: Fokus auf das Onlinegeschäft und den Verkauf

Das Jahr 2016 war für real von weiteren Schließungen geprägt. So gab man Filialen in Berlin und München auf. Zum selben Zeitpunkt übernahm real das Shoppingportal hitmeister.de und wandelte es in einen Online-Markt nach dem Vorbild von Amazon um. Auf der Plattform vertreiben verschiedene Anbieter ihre Waren.

Im September 2018 kündigte Metro den endgültigen Verkauf der Supermarkt-Sparte real an. Aus den Verhandlungen ergab sich schließlich im Juni 2020 die Übernahme der Investorengruppe SCP Retail Investments. Zum Verkaufsumfang gehören alle Geschäfte, der Onlinemarktplatz sowie 80 Immobilien. Der Marktplatz im Internet soll von Kaufland weiter geführt werden.

Die bis dato verbliebenen Filialen sollen sukzessive von andern Handelsketten übernommen werden. So meldeten Globus und Kaufland Interesse an; die Übernahmen wurden bereits von den Wettbewerbsbehörden genehmigt.

Als Geschäftsführer von real fungieren nach dem Verkauf:

  • Bojan Luncer
  • Michael Dorn
  • Oliver Mans

Die Zentrale der real GmbH befindet sich nach wie vor in Düsseldorf.

real: Filialen im Überblick

Stand Anfang 2021 firmieren in Deutschland noch 270 Supermärkte unter dem Namen real. Im Januar des Jahres kündigte Kaufland an, 92 davon ab Frühjahr 2021 zu übernehmen. Globus erhält weitere 24 Märkte. Interesse kündigte auch Edeka an. Die Entscheidung des Kartellamts war Anfang 2021 noch nicht gefallen.

Die Filialen verfügen üblicherweise über Verkaufsflächen von 5.000 bis 15.000 Quadratmetern. Abhängig von der Größe, dem Standort und der Infrastruktur vor Ort bieten sie ein reines Lebensmittelangebot an oder weitere Artikel wie Spielzeug, Bekleidung und Elektronik.

Einige real-Märkte halten darüber hinaus verschiedene Serviceleistungen und gastronomische Angebote vor. Dies sind etwa eine „heiße Theke“ für Snacks, SB-Kassen und eine Wertstoffrücknahme. In Teilen der Warenhäuser vermietet real außerdem Shopflächen an weitere Einzelhändler. In der Shopzone vor dem eigentlichen Supermarkt findet man daher häufig weitere Dienstleistungen und Geschäfte, darunter Modeketten und Servicedienstleiter.

real: Das Sortiment

Abhängig von der Größe der Verkaufsfläche bietet real ein Sortiment von bis zu 80.000 Artikeln an. Neben typischen Supermarkt-Produkten wie Obst und Gemüse, Milchprodukte, Frischwaren wie Fleisch und Wurst sowie Trockenware gehören auch Bekleidung, Elektronik und Drogeriewaren dazu. Mehr als 5.000 Produkte stammen von Eigenmarken. In Prospekten informiert real über wöchentlich wechselnde Sonderangebote aus allen Bereichen des Sortiments. Ein Überblick über die wichtigsten Warengruppen:

  • Obst und Gemüse: Frischwaren, Trockenobst, Nüsse
  • Fleisch und Fisch: Geflügel, Rind, Schweinefleisch, Wurstwaren, frischer Fisch in einigen Märkten, ansonsten abgepackte Ware
  • Tiefkühlwaren: Obst, Gemüse, Pizza, Kartoffelprodukte, Torten, Kuchen und Backwaren, Fleisch, Fisch
  • Nährmittel: Mehl, Getreideprodukte, Cerealien, Nudeln, Reis, Kartoffelprodukte
  • Konserven: Suppen, Eintöpfe, Obst- und Sauerkonserven
  • Fertiggerichte: Fixprodukte, Tütensuppen, Expressgerichte
  • Kaffee und Tee: Kaffeepads, Bohnen, Beuteltee, loser Tee, Kakao
  • Süßes und Salziges: Chips, Flips, Laugengebäck, Schokolade, Weingummi, Lakritz, Kekse, Bonbons
  • Getränke: Spirituosen, Bier, Softdrinks, Mineralwasser, Säfte
  • Tierbedarf: Hunde-, Katzen-, Nager- und Vogelfutter, Snacks, Katzen- und Kleintierstreu, Vogelsand, Tierspielzeug
  • Drogerieartikel: Kosmetik, Pflegemittel, Körper- und Gesichtspflege, Reinigungsprodukte, Waschmittel, Zahnpflegeprodukte, Hygiene und Papierwaren
  • Heim und Haus: Küchenzubehör, Töpfe, Pfannen, Wasserfilter und -sprudler, Werkzeug, Autozubehör
  • Elektro und Medien: CDs, DVDs und Blu-Rays, Abspielgeräte, Fernseher, Mobiltelefone, Konsolen und Zubehör, Elektrokleingeräte
  • Spielwaren: Puzzle, Gesellschaftsspiele, Stofftiere, Baby- und Kleinkindspielzeug
  • Textilien: Bekleidung für Damen, Herren und Kinder, Babybekleidung, Schuhe Wohntextilien

real: Die wichtigsten Eigenmarken

Im real-Supermarkt findet man bekannte Lebensmittel und Non-Food-Marken sowie zahlreiche Eigenmarken. Dies sind die wichtigsten:

  • TiP: Lebensmittel in Discounter-Qualität
  • real QUALITY: Sortiment aus rund 3.500 Produkten für den täglichen Bedarf
  • real BIO: Lebensmittel aus biologischem Anbau
  • Wunderbärchen: Produkte für Kinder und Babys aus zahlreichen Sparten (Windeln, Pflegemittel, Spielzeug, Bekleidung)
  • Jeden Tag: breites Produktsortiment aus klassischer Supermarkt-Ware (Molkereiprodukte, Grundnahrungsmittel, Konserven, Süßwaren, Tierbedarf u. a.)

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