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Vermisste Rebecca Reusch: Familie tritt in TV-Doku auf - Mutter berichtet von einem Anruf

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Von: Jennifer Lanzinger

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Von Rebecca Reusch (15) fehlt seit dem 18. Februar jede Spur. Ihre Schwester hat diese Fotos auf Instagram veröffentlicht. 
Von Rebecca Reusch (15) fehlt jede Spur. Ihre Schwester hat diese Fotos auf Instagram veröffentlicht.  © Screenshot Instagram Viiiivaaa_

Seit fast drei Jahren fehlt von Rebecca Reusch aus Berlin jede Spur. Nun tritt die Familie der vermissten Schülerin in einer Doku auf. Brigitte und Bernd Reusch veröffentlichen bislang unbekannte Details.

Berlin - Kaum ein Kriminalfall dürfte Deutschland in den vergangenen Jahren so bewegt haben wie das Verschwinden der Schülerin Rebecca Reusch. Im Februar 2019 verschwand die damals 15-Jährige aus Berlin, ihre Familie spricht nun in einer mehrteiligen Dokumentation über das Verschwinden ihrer „Becci“. Kann der Fall doch noch geklärt werden?

Vermisste Rebecca Reusch: Familie tritt in Doku auf - Mutter berichtet von weggedrücktem Anruf

In der RTL-Plus-Doku zu Wort kommen sowohl die Eltern der vermissten Schülerin, Brigitte und Bernd Reusch, als auch ihre ältere Schwester Vivian. Bereits in Folge eins zeigt die Familie alte Videos der damals 15-Jährigen: Rebecca fröhlich tanzend in ihrem Zimmer, Rebecca fröhlich in die Kamera lachend. „Das Haus lebte, mit ihr war viel Bewegung im Haus“, beschreibt Brigitte Reusch die lebensfrohe Art des Teenagers. „Sie war ein lebenslustiger, aber auch nachdenklicher Mensch“, erzählt ihre Mutter weiter, während die TV-Doku ein lustiges Video der damals 15-Jährigen mit ihrer Mutter zeigt. „Und auf einmal war sie weg.“

Die Nacht vor ihrem Verschwinden vom 17. auf den 18. Februar 2019 verbrachte Rebecca Reusch im Haus ihrer älteren Schwester in Berlin Britz. Ermittler gehen noch immer davon aus, dass die damals 15-Jährige das Haus ihrer Schwester nicht lebend verlassen haben kann. Den Abend verbrachten die beiden Schwestern gemeinsam, beiden hätten Pizza bestellt. Der Mann ihrer Schwester Jessica, Florian, war zu diesem Zeitpunkt auf einer verspäteten Weihnachtsfeier.

Vermisste Rebecca Reusch: Anruf der Mutter wurde von Schwager weggedrückt

Gegen 23 Uhr sollen die beiden Schwestern ins Bett gegangen sein, Rebecca habe im Wohnzimmer auf dem Sofa geschlafen, ihre Schwester Jessica im ehelichen Schlafzimmer im ersten Stock. Wie die TV-Doku in einem nachgedrehten Film darstellt, sei der Schwager des Teenagers leicht angetrunken gegen 5.45 Uhr am frühen Morgen nach Hause gekommen. Dort habe sich Florian R. neben seine Frau ins Bett gelegt. Gegen 7 Uhr habe Jessica gemeinsam mit ihrer kleinen Tochter das Haus verlassen, sie habe zuvor nicht noch einmal nach Rebecca gesehen.

Wie Brigitte Reusch weiter erklärt, habe sie am Morgen mehrfach probiert, ihre Tochter zu erreichen. Rebecca sei jedoch nicht erreichbar gewesen. Dann habe Brigitte Reusch Florian R. angerufen. Ihr Schwiegersohn habe sie bei ihrem ersten Anruf zunächst weggedrückt. „Er hat einfach weggedrückt. Dann hab ich gedacht, ich fahr einfach los“, so Brigitte Reusch in der Doku. Als Brigitte Reusch gerade losfahren wollte, um bei ihrer Tochter nach dem rechten zu sehen, habe Florian R. sie dann zurückgerufen. Mit Brigitte Reusch am Telefon habe er im Wohnzimmer nachgesehen, Rebecca sei jedoch schon nicht mehr dort gewesen. Sie sei sicher gewesen, dass ihre Tochter bereits auf dem Weg zur Schule sei.

Vermisste Rebecca Reusch: Familie berichtet neue Details

Gegen 16 Uhr sei das Verschwinden ihrer Tochter dann aufgefallen, Rebecca sei nicht wie verabredet bei ihrer älteren Schwester aufgetaucht. Auch das Handy der damals 15-Jährigen sei ausgeschaltet gewesen. Gegen 17 Uhr sei Bernd Reusch dann an der Schule vorbeigefahren, er habe auch das nahegelegene Einkaufszentrum nach Rebecca abgesucht. „Da wusste ich, da stimmt was nicht. Da ist was passiert“, so Brigitte Reusch weiter. Auch das Abtelefonieren von Freunden und Bekannten habe nichts gebracht. Umgehend habe die Familie die Polizei eingeschaltet.

„Sie hätte sich gemeldet, sie hätte gesagt, was los ist“, beschreibt Bernd Reusch das unübliche Verhalten seiner Tochter. Die gesamte Familie habe sich im Haus der Eltern versammelt. „Ich war wie gelähmt“, fasst Brigitte Reusch die Stimmung am Abend zusammen. Schwester Vivian habe einige Fotos zusammengestellt, auch über Instagram und Facebook habe die Familie das Online-Verhalten ihrer Becci nachverfolgen wollen. Enttäuscht sei die Familie vom Verhalten der Ermittler. Die Familie beschreibt in der Doku, dass auch zwei Tage nach dem Verschwinden beispielsweise das Handy der damals 15-Jährigen noch nicht geortet worden sei.

Vermisste Rebecca Reusch: Wurde die Familie von der Polizei zunächst nicht ernst genommen?

Das Verhalten der Polizei beschreibt Brigitte Reusch in der Doku wie folgt: „Das, was ich da erlebt habe, fand ich schon... Also man hat mir gesagt wie viel Arbeit man auf dem Tisch habe. Ich könnte gerne vorbeikommen und sehen wie viel Papier auf dem Schreibtisch liegt. Dass er sehr viel wichtigere Fälle hätte, als meinen. Und ich könnte mich ja beschweren“. Martin Steltner, Staatsanwalt in Berlin, kommt in der Doku ebenfalls zu Wort. Er erklärt: „Ich kann nur sagen, dass hier hochprofessionell gearbeitet wurde, auch schnell gearbeitet wurde. Insofern will ich die Kritik zurückweisen“.

Auch zu dem sehr auffälligen Foto von Rebecca, welches bei der Suche genutzt wurde, nimmt die Familie in der Doku Stellung. Brigitte Reusch erzählt, dass alle der Polizei zur Verfügung gestellten Fotos zu klein gewesen seien. Sie habe die Polizei dann auf das Instagram-Profil ihrer Tochter hin gewiesen. „Und dann kam dieses Bild und wir kannten das selber nicht. Und dann dachte ich, das ist ja eigentlich nicht mein Kind“, so die Mutter weiter. Kriminalkommissar a.D. Peter Schnieders äußert in der Doku, dass das Foto aus seiner Sicht eventuell bewusst gewählt worden sei. Da das Foto auffallend wäre, so sei eine extrem hohe Reichweite erzielt worden.

Vermisste Rebecca Reusch: Wurde die Schülerin festgehalten?

Enttäuscht von dem Verhalten der Ermittler habe sich die Familie dann an die Presse gewendet. Bernd Reusch erklärt, dass die Familie mit Absicht den Weg in die Öffentlichkeit gesucht habe. „Wir haben einfach gesehen, dass die Polizei für uns zu spät eingreift“. Für Ermittler habe jedoch relativ früh festgestanden, dass das Mädchen das Haus ihrer Schwester nicht lebend verlassen haben kann. So sei die Handy-Aktivität in dem Haus zum letzten Mal registriert worden.

Auch über einen weiteren Vorfall berichtet die Familie in der Doku. Brigitte Reusch erklärt, dass sie selbst von einer Ermittlerin sehr bedacht und vorsichtig befragt worden sein soll. Bei der Schwester der damals 15-Jährigen sei dies jedoch anders gewesen. Jessica sei „angebrüllt“ worden, es sei auf den Tisch geknallt worden. Brigitte Reusch habe dies gehört, als sie vor der Tür der Vernehmung gewartet habe. „Warum wird Jessica so fertig gemacht?“, habe sich die Mutter der drei Töchter gefragt. Auch der Schwager der damals 15-Jährigen sei rund zwei Stunden lang verhört worden. An eine Schuld des jungen Mannes glaubt die Familie nicht. „Für Becci war es ihr großer Bruder“, beschreibt Brigitte Reusch das Verhältnis zwischen der Familie und Florian R. „Er ist voll integriert“, so Bernd Reusch.

Bereits seit Ende September fehlte jede Spur vom 11 Jahre alten Dustin, der Schüler verschwand auf dem Weg zur Schule. Nun gibt es eine Wende.

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