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Pfandgeheimnis: Experten erklären, was viele über Leergut-Annahme nicht wissen

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Von: Kai Hartwig

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Leergut wird man nicht an jedem Pfandautomaten los. Doch Verbraucherschützer glauben, dass Kunden im Supermarkt ihr Recht einfordern können.

München – Gerade zur Sommerzeit kann ein kühles Getränk besonders erfrischend sein. Ob in der Dose oder Flasche – viele Supermärkte und Discounter haben zahlreiche Produkte in ihrem Sortiment. Doch wehe, wenn es zur Rückgabe der geleerten Getränke kommt.

Pfand: Supermärkte und Discounter verweigern oft die Annahme von Leergut

Ob man den Pfandautomaten bei Aldi, Lidl, Edeka, Rewe, Kaufland oder auch anderswo ansteuert, ist eigentlich egal. Ein großes Problem erleben viele Kunden tagtäglich bei so gut wie jedem Supermarkt oder Discounter: Der Automat nimmt das Leergut nicht an. Auch Gespräche mit den Mitarbeitern der jeweiligen Filiale fruchten in der Regel nicht.

Zumeist heißt es dann aus dem Mund des Supermarktpersonals: „Diese Marke führen wir nicht.“ Eine Auszahlung des Pfandbetrags von Einweg- oder Mehrweg-Leergut wird dann verweigert. Die Mitarbeiter berufen sich auf ihr Recht, nur Leergut von Produkten anzunehmen, die sie auch im Sortiment haben. Sie wollen den Pfandbon, der im Übrigen seine Gültigkeit verlieren kann, nicht ausstellen. Doch ist das auch erlaubt?

Eine Hand schiebt eine Flasche in einen Pfandautomaten
Nicht jede Flasche wird am Pfandautomaten im Supermarkt akzeptiert. (Symbolfoto) © Lukas Schulze/dpa

Verbraucherschützer empfehlen Hartnäckigkeit – und verweisen auf die „Rücknahmepflicht“ der Supermärkte

Einige Experten meinen: Nein. So lautet die Empfehlung von Verbraucherschützern an Kunden: Hart bleiben und auf sein Recht bestehen. „Lassen Sie sich nicht abwimmeln und weisen Sie den Händler auf seine Rücknahmepflicht hin“, heißt es auf der Homepage der Verbraucherzentrale Hamburg.

Und weiter: „Die Rücknahmepflicht ist im Verpackungsgesetz klar geregelt und sie gilt auch für Leergut, das ein Automat vielleicht ablehnt. In den meisten Fällen sind die Händler in der Pflicht, das Einwegpfand auszuzahlen.“

Verbraucherzentrale: Supermärkte müssen auch Leergut von Produkten außerhalb des Sortiments annehmen

Die Verbraucherzentrale der Hansestadt bemüht zur besseren Orientierung ein Beispiel. So sei ein Supermarkt oder Discounter, der Cola-Dosen verkauft, auch zur Leergutannahme von Bier-Dosen verpflichtet. Und zwar auch dann, wenn er kein Bier in Dosen verkauft. Lediglich eine Filiale, die keine Getränkedosen verkauft, könne die Annahme verweigern. Läden mit Verkaufsflächen von mehr als 200 Quadratmeter müssen Flaschen und Dosen mit erkennbarem Pfandlogo annehmen, sofern sie pfandpflichtige Verpackungen gleichen Materials anbieten.

Auf der Homepage der bundesweiten Verbraucherzentrale kann sogar ein Musterbrief heruntergeladen werden. Mit diesem kann man ein Schreiben an Behörden wie Stadtverwaltung, Kreisverwaltung oder Ordnungsamt verfassen. Ziel des Beschwerdebriefs: Die Erstattung der durch verweigerte Rücknahme von Leergut entstandenen Kosten.

Neue-Pfandregel seit 1. Juli: Auch Säfte betroffen – erste Filialen wollen Rückgabe-Limit einführen

Die Pfandthematik könnte in den kommenden Wochen und Monaten weiter an Fahrt aufnehmen. Denn seit 1. Juli darf der Handel nach Wasser, Bier und Limonaden auch Säfte nur noch in Pfandflaschen oder -dosen anbieten. Bis Ende Juni erlaubte eine Übergangsfrist noch, diese pfandfrei zu verkaufen. Das ist künftig nur noch bei sehr wenigen Getränkesorten möglich.

Der große Profiteur der verweigerten Annahme von Leergut waren übrigens bisher die Getränkehersteller. Nach Schätzungen der Verbraucherzentrale Hamburg kassieren diese „jährlich im dreistelligen Millionenbereich“, wenn der Handel die Flaschen und Dosen nicht vollständig zurücknimmt.

Unterdessen wurde bekannt, dass einige Filialen großer Supermarkt- und Discounterketten eine Neuerung in Sachen Pfand einführen wollen. Aldi, Rewe, Lidl und andere planen ein Pfand-Abgabelimit pro Kunde. (kh)

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