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"So läuft Journalismus in China"

Bei Live-Übertragung: Reporter verhaftet

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Er wollte einen Live-Bericht aus Peking senden - statt dessen filmte Reporter Mark Stone seine eigene Verhaftung.

Peking - Der britische Reporter Mark Stone wollte vom Platz des himmlischen Friedens in Peking berichten. Während des Live-Berichts wurde er verhaftet. Die Kamera lief die ganze Zeit weiter - sogar im Polizeiwagen.

"Hallo, ich bin immer noch im Polizeitransporter, werden demnächst wohl abfahren" - mit diesen Worten meldete sich Mark Stone ins Studio des britischen Nachrichtensenders Sky News. Der Fernsehjournalist hatte mit seinem Kamerateam vom Platz des himmlischen Friedens in Peking berichtet, bis chinesische Polizisten sie festnahmen und in ein Polizeiauto brachten. "Wir sind festgenommen", konnte der Reporter noch in die Kamera rufen.

Da das Reporterteam in diesem Augenblick live auf Sendung war, filmte das Team einfach weiter - und lieferte den Zuschauern einen irrwitzigen Live-Bericht seiner eigenen Festnahme.

In dem Filmausschnitt, der inzwischen auf YouTube zu sehen ist, moderiert Mark Stone seine eigene Verhaftung und erklärt den Menschen vor dem Fernsehbildschirm das Geschehen, das er selbst nicht ganz versteht: Man habe die Aufnahmen auf dem Platz des himmlischen Friedens gestoppt, weil er über den Studenten-Protest im Jahr 1989 gesprochen habe, vermutet Stone. "Das hat ihnen nicht gefallen."

"Ein surreales Erlebnis" - "very strange"

"Diese Dame hier filmt uns, während wir sie filmen" erläutert er beim Kamera-Schwenk auf eine Polizeibeamtin mit Videokamera, bevor er aus dem Polizeiauto steigt und auf ein Klassenzimmer-ähnliches Gebäude zugeht, das sich als Verhörsaal entpuppt.

Zu diesem Zeitpunkt hat ihn noch immer niemand an der Live-Aufnahme gehindert. Möglicherweise hatten die chinesischen Polizisten mangels englischer Sprachkenntnisse nicht bemerkt, dass das Team weiter auf Sendung ist? "Ich glaube, sie denken, dass ich das hier für einen späteren Report filme", vermutet Stone. 

"Ein surreales Erlebnis" und "very strange" kommentiert er immer wieder das Geschehen. In diesem Moment kann das Reporter-Team nur mutmaßen, wo es sich überhaupt befindet: "Ich glaube, wir sind in der Verbotenen Stadt."

Journalisten sollten im Verhörsaal "in Ruhe warten"

Schließlich tritt ein Polizeibeamter in den Verhörsaal und weist die Journalisten auf Englisch an, mangels Genehmigung nicht weiter zu drehen. Mark Stone will es genauer wissen: Eine Drehgenehmigung für den Platz des himmlischen Friedens habe das Team ja gehabt. Warum also die Festnahme?

"Sie sind nicht festgenommen worden", erklärt der Polizist. "Sie können hier ein bisschen sitzen und in Ruhe warten, die Polizeibeamten kommen dann zu Ihnen."

Mit den Worten: "Das ist ein klassisches Beispiel dafür, wie die Dinge in China funktionieren", gibt Mark Stone ins Studio zurück.

Wenige Stunden später ist das Fernsehteam wieder auf freiem Fuß und der Fall hat sich aufgeklärt: Die Beamten hatten beanstandet, dass Mark Stone bei einer Kontrolle seinen Pass nicht pflichtgemäß vorweisen konnte. "Ein kleiner Eindruck davon, wie Berichterstattung in China funktioniert", meint er rückblickend. "Die meiste Zeit ist alles in Ordnung, aber hin und wieder kommt so etwas vor." Die Polizisten hätten sich "sehr zivilisiert" verhalten, betont er außerdem.

est

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