Schimmel, Dreck, Rost?

Ekel-Vorwürfe gegen Fleischfabrik: Sie produziert für Supermarkt-Kette und Discounter in Deutschland

In einem Fleischereibetrieb gibt es einen Ekel-Skandal.
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In einem Fleischereibetrieb gibt es einen Ekel-Skandal.

Wieder Ärger um einen großen Fleischproduzenten in Deutschland. Diesmal betrifft der Ekel-Alarm eine Metzgerei, die Rewe und Penny beliefert.

Frankfurt am Main - Die großen Fleischproduzenten genießen in Deutschland nicht gerade den besten Ruf. Nicht zuletzt seit den Skandalen in den Tönnies-Fleischfabriken im vergangenen Jahr. Auch wenn klar ist, dass es Änderungen bedarf, sind die Betriebe noch immer nicht ganz skandalfrei. Für Aufsehen sorgt nun ein weiterer großer Betrieb der Fleischindustrie. Die Metzgerei beliefert mit ihren Produkten die Supermarkt-Ketten Rewe und Penny.

Kunden der beiden Einkaufsstätten werden vermutlich bereits Produkte der Metzgerei Wilhelm Brandenburg - besonders bei Rewe - gesehen haben. Vorwürfe gegen den Fleischereifachbetrieb aus Frankfurt am Main sind scheinbar nicht unbedingt neu. Seit 2016 sollen bereits angebliche Mängel in der Produktion bekannt sein. Aktuell bereitet sich das Unternehmen auf den Umzug an einen neuen Produktionsstandort vor.

Ekel-Skandal bei Groß-Metzgerei? Lange Liste an Vorwürfen aufgetaucht

In dieser Phase grätscht nun ein Bericht des Hessischen Rundfunks rein, dem zu Recherchezwecken eine Liste an Vorwürfen vorlag. Und die ist lang. So gebe es nach Angaben der zuständigen Prüfer der Stadt Frankfurt Schimmel in Kühlräumen, Rost an Betriebsmitteln und Bausubstanzen, starke Verschmutzungen im Arbeitsbereich, „Mängel in der Arbeits- und Betriebshygiene“ oder fehlende Waschmöglichkeiten für Mitarbeiter. Außerdem wurde bei Kontrollen eine Notausgangstür, die nicht „schädlingssicher“ sei, festgestellt.

Hessens größte Fleischfabrik liefert wöchentlich 1350 Tonnen Fleisch aus dem Betrieb bundesweit an Rewe- und Penny-Märkte, obwohl das Unternehmen schon länger wegen der mangelnden Beseitigung von Hygienemängeln unter Verdacht steht. Wie aus Recherchen des hr hervorgeht, wurden bei Hygienechecks der Lebensmittelkontrolle bereits im Jahr 2016 mehrere Ordnungswidrigkeiten in Bezug auf die Hygiene am Arbeitsplatz festgestellt. Auch bei erneuten Kontrollen 2018 und 2019 seien viele der Mängel wieder nachgewiesen worden. Trotzdem gab es nur zwei Ordnungswidrigkeitsverfahren und Bußgeld.

Mängel bei Wilhelm Brandenburg angeblich entdeckt - Stadt soll Zustände herunterspielen

Metzgermeister und Ex-Lebensmittelkontrolleur Franz Voll erklärte auf hr-Anfrage, dass Mängel in einem Betrieb der Größe normal seien – deren Ausmaß jedoch nicht. In Bezug auf nicht „schädlingssichere“ Notausgänge kritisierte der Fachmann: „Dass Ratten durch ein defektes Tor einfallen können, das muss der Betrieb vor dem Kontrolleur merken“.

Laut dem öffentlich-rechtlichen Sender spielt die Stadt Frankfurt die eklatanten Zustände jedoch herunter. Erst mit großer Verzögerung hätten die städtischen Verantwortlichen die Berichte der regelmäßigen Kontrollen der Firma Wilhelm Brandenburg herausgegeben. Die Stadt bestätigte im Zuge dessen, dass nach den Kontrollen der Behörde umfassende Bau- und Sanierungsmaßnahmen eingeleitet worden seien – „so, dass die Anzahl der festgestellten Beanstandungen erheblich gesunken ist“. Auch die Supermarktkette Rewe stimmte dem zu.

Aber die Vermerke auf den Prüfberichten der Lebensmittelkontrolle beweisen das Gegenteil: Nach wie vor gebe es in dem Fleischverarbeitungsbetrieb „noch nicht beseitigte Mängel aus früheren Kontrollen“, doch Verfahren der Stadt Frankfurt gegen das Unternehmen blieben, bis auf zwei Bußgeldbescheide, bisher aus.

Brisanter Bericht über Ekel-Mängel bei Rewe-Zulieferer - Supermarkt-Kette äußert sich

Die Supermarkt-Kette Rewe reagierte indes bereits auf die Vorwürfe. Auf eine Anfrage von RTL habe man dort auf ein Protokoll des Veterinäramtes aus dem Jahr 2020 verwiesen. Dort hieß es laut dem TV-Sender: „Die Vielzahl der baulichen Mängel ist auch darauf zurückzuführen, dass diese in mehreren Räumen wiederholt vorkommen.“ Etwaiges sei bei einem Betrieb von solcher Größe nicht ungewöhnlich. Wichtig sei aber besonders, „dass die Haustechnik oder externe Dienstleister in ständiger Abarbeitung begriffen sind. Trotz der Anzahl der Mängel bleibt festzuhalten, dass sich die bauliche Situation im Betrieb seit der letzten Kontrolle durch die Zulassungsbehörde im November 2019 verbessert hat.“

Unterdessen hat der Metzgereibetrieb mit dem Bau neuer Betriebsgelände in Erlensee im Main-Kinzig-Kreis begonnen. Nach Fertigstellung soll der Frankfurter Betrieb folglich ohnehin geschlossen werden.

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