Die Lebensmittelkette aus Köln

REWE: Historie des Lebensmittelhändlers, Filialen und Angebot

Ein Kunde geht in einem Rewe-Supermarkt mit einem Einkaufskorb am Kühlregal entlang
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REWE ist mit über 3.300 Filialen in ganz Deutschland vertreten

REWE ist die zweitgrößte Lebensmittelhandelskette Deutschlands. Die eigentlichen Supermärkte sind dabei nur ein Teil des großen Angebotes, das heute auch To-go-Läden und einen Lieferservice umfasst.

  • Die Wurzeln von REWE reichen ins Jahr 1927 zurück.
  • In seiner heutigen Form gibt es REWE seit 2006.
  • Zur REWE Group gehören außerdem Penny, toom, nahkauf und Dertours.

Köln – Kaum eine größere Stadt in Deutschland kommt heute ohne ein Ladengeschäft von REWE aus. Die aus Köln stammende Marke ist mit über 3.300 Filialen im ganzen Land vertreten und punktet vor allem mit seinem fein differenzierten Angebot vom großflächigen Supermarkt bis zum kleinen REWE „To Go“-Laden in den Innenstädten.

REWE: Die Geschichte der heutigen Kette

Der Name REWE steht kurz für Revisionsverband der Westkauf-Genossenschaften. Dieser Verband wurde 1927 in Köln von 17 Einkaufsgenossenschaften mit der Absicht gegründet, die Kosten durch günstigeren gemeinsamen Einkauf und andere Kooperationen zu senken. Die meistverkauften Waren kurz nach der Gründung im Jahr 1931 waren Haselnüsse, getrocknete Aprikosen und Rosinen. Schon Mitte der 30er-Jahre dehnte sich REWE vom Rheinland aus in Richtung Osten bis Dresden und Stettin aus.

Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs nahm das Unternehmen im August 1945 seine Tätigkeit am Hauptsitz in Köln wieder auf. In den Wirtschaftswunderjahren fasste allmählich das Konzept Supermarkt Fuß, das die kleinen Einzelhändler und Tante-Emma-Läden nach und nach verdrängte. Zur Unterstützung seiner Mitglieder begann REWE mit der Produktion erster Eigenmarken, mit denen Grundnahrungsmittel günstiger angeboten werden konnten.

REWE wächst … und wächst

1974 erwarb REWE 50 Prozent der Leibbrand-Gruppe, zu der die Supermärkte MiniMAL und HL Markt, der Discounter Penny Markt und der Baumarkt toom gehörte. 1988 kam eine Beteilung an der Firmengruppe Kaiser + Kellermann oHG mit den Globus-Warenhäusern und den Handelshof Cash & Carry-Märkten hinzu. Weitere kleinere Erwerbungen waren u. a. die rheinische Supermarktkette Stüssgen, die bereits 1897 in Köln als kleines Lebensmittelgeschäft von Cornelius Stüssgen gegründet worden war.

In den 90er-Jahren wuchs REWE stark weiter. So entstanden nach der Wiedervereinigung nicht nur in Ostdeutschland neue REWE-Märkte, sondern auch im Ausland. 1996 übernahm das Unternehmen die bekannte österreichische Kette Billa und erweiterte über sie die Präsenz in Osteuropa. Als die REWE Gruppe 2002 ihr 75-jähriges Bestehen feierte, war sie bereits zum drittgrößten Einzelhändler Europas aufgestiegen. Dazu hatte sie sich mit dem Erwerb mehrerer Reiseveranstalter wie Atlas und ITS Reisen ein zweites Standbein in der Touristik geschaffen.

REWE als Marke entsteht

Das rasante Wachstum führte 2006 zu einer grundsätzlichen Reform bei REWE. Ob großer Supermarkt von Minimal oder kleiner Einzelhändler wie Stüssgen, alle Geschäfte erhielten nun ein einheitliches Aussehen und firmierten unter dem Namen REWE. 2008 erhielt das Unternehmen mit der Übernahme von 328 Plus-Filialen einen weiteren Expansionsschub. Lediglich Penny blieb als eigenständiger Discounter erhalten.

Die übergeordnete Handelsgruppe gab sich den Namen REWE Group. Der Hauptsitz befindet sich nach wie vor im Herzen von Köln in der Domstraße. Als Zeichen der Verbundenheit mit der Stadt tritt REWE seit 2004 als Hauptsponsor des 1. FC Köln auf.

Die REWE Group setzte schon früh auf Digitalisierung und griff weitere Trends auf. Beispielsweise entstanden REWE „To Go“-Convenience-Läden in hochfrequentierten Lagen und die Kette bot schon früh einen umfassenden Lebensmittel-Lieferdienst an.

REWE Group im Überblick

Zur REWE Group gehören heute folgende Geschäftsbereiche:

  • REWE ist die Kernmarke und neben Edeka mit rund 3.300 Geschäften der größte Lebensmittelhändler Deutschlands.
  • Penny ist ein eigenständiger Discounter, den REWE von der Leibbrand-Gruppe übernahm. Penny besitzt 2.150 Filialen in Deutschland und weitere Niederlassungen in Italien, Österreich. Tschechien, Rumänien und Ungarn.
  • toom ist eine Baumarktkette mit heute rund 330 Niederlassungen in ganz Deutschland. Ihr angeschlossen sind Klee-Gartenfachmärkte und B1 Discount Baumärkte.
  • Unter der Bezeichnung nahkauf werden kleine Supermärkte und Lebensmittelgeschäfte vor allem im ländlichen Gebieten von eigenen Gesellschaftern betrieben. Sie sollen die lokale Nahversorgung sicherstellen.
  • Die DER Touristik Group ist das zweite Standbein der REWE Group neben dem Lebensmittelhandel. Unter ihrem Dach sind die Marken Dertour, Derpart, ITS Reisen, Jahn Reisen, Meiers Weltreisen und ADAC Reisen versammelt.

REWE International

Mit der Übernahme des österreichischen Billa-Konzerns konnte sich die REWE Group einen großen Marktanteil in Österreich sichern. Der Konzern firmiert heute als REWE International und umfasst:

  • Billa (Lebensmittel)
  • Bipa (Drogerie)
  • Merkur (Verbrauchermärkte)
  • ADEG (Lebensmittel)

REWE International ist mit diesen Marken und zum Teil auch mit Penny in Italien, Kroatien, Bulgarien, Rumänien, Tschechien, Ungarn, der Ukraine, der Slowakei und in Russland vertreten.

REWE: Filialen vom Supermarkt bis zum Lieferdienst

Aufgrund der starken Expansion und des Erwerbs zahlreicher anderer Ketten im Laufe der Geschichte besitzt REWE heute Ladengeschäfte in den unterschiedlichsten Größen vom Supermarkt bis zum kleinen Einzelhandelsgeschäft. Das Sortiment ist jeweils der Größe der Filialen angepasst. Diese tragen heute verschiedene Bezeichnungen:

  • REWE Center (große Supermärkte mit umfangreichem Sortiment)
  • REWE (durchschnittlich große Lebensmittelgeschäfte)
  • REWE City (kleinere Lebensmittelgeschäfte)
  • REWE To Go („Convenience“-Geschäfte mit kleinem Angebot zum Mitnehmen und für den schnellen Verzehr)

Angeschlossen sind weitere Unternehmen wie die Glocken Bäckerei, die exklusiv für die REWE Group Brot- und Backwaren herstellt, und die Qualitätsmetzgerei Wilhelm Brandenburg.

Bereits 2011 führte REWE als erster Lebensmitteleinzelhändler in Deutschland einen Lieferdienst ein. Kunden konnten im Online-Shop Lebensmittel auswählen und diese entweder liefern lassen oder abholen. Mittlerweile steht der Lieferdienst in insgesamt 75 Städten zur Verfügung.

REWE: Experiment Temma

Für kurze Zeit versuchte sich REWE mit dem Aufbau einer eigenen Kette an Bio-Supermärkten unter dem Namen Temma (Tante Emma). Die Märkte sollten ausschließlich Bio-Produkte verkaufen und ein kleines Bistro umfassen, in dem die Lebensmittel aus dem Supermarkt verarbeitet statt weggeworfen wurden. Allerdings konnte sich das Konzept nur in Köln durchsetzen. Die anderen Filialen in Düsseldorf, Frankfurt, Bad Homburg, Hamburg und Berlin wurden geschlossen, die beiden Kölner Temma-Märkte von Christiane Speck übernommen, die das Konzept für REWE entwickelt hatte.

REWE: Eigenmarken im Sortiment

Schon 1982 führte REWE mit Ja! die erste Eigenmarke für das Sortiment der angeschlossenen Händler ein. Diese verstand sich als direkte Antwort auf die damals rasant wachsende Beliebtheit des Discounters Aldi. Das Konzept von Ja! hat sich seitdem kaum verändert, auch wenn das Angebot von damals 28 Produkten auf heute über 400 angewachsen ist.

In den letzten Jahren kamen eine Reihe weitere Eigenmarken hinzu:

  • REWE Beste Wahl: Top-Qualität zu den besten Preisen
  • REWE Feine Welt: Premium-Sortiment mit erlesenen Spezialitäten aus aller Welt und ausgewählten Zutaten
  • REWE Bio: Lebensmittel in hochwertiger Bio-Qualität
  • REWE Regional: Produkte von Erzeugern und Herstellern aus der eigenen Region
  • REWE To Go: Fertige Convenience-Produkte wie Sandwiches, Salate usw. zum Mitnehmen
  • REWE frei von: Lebensmittel ohne Laktose und/oder Gluten
  • today: Körperpflege
  • today Care Nature: Naturkosmetik
  • VIVESS: Haushaltsprodukte
  • ZooRoyal: Tierfutter
  • MoonRanger: Premium-Hundefutter
  • Maximal G: Energy-Drinks

REWE: Selbstständige und Regie-geführte Märkte

REWE greift heute noch auf das Geschäftsmodell der Gründerzeit als Genossenschaft zurück. Etwa 40 Prozent der REWE-Märkte werden von selbstständigen Kaufleuten als eine Art Franchise geführt. 60 Prozent sind dagegen sogenannte Regie-Märkte, die vom Konzern direkt geführt werden. Einige Selbstständige konnten regelrechte Ketten unter der Dachmarke REWE aufbauen.

Die Gewerkschaft ver.di kritisiert, dass das Konzept selbstständiger Supermarkt die Tarifbindung unterlaufe und die Angestellten in diesen Märkten bis zu 30 Prozent weniger verdienen würden. Auf der anderen Seite wird anerkannt, dass selbstständige Supermärkte jedoch aufgrund des höheren persönlichen Engagements der Betreiber erfolgreicher abschnitten. Sie können einerseits auf das umfangreiche Sortiment und die Eigenmarken der REWE Gruppe zurückgreifen, aber auch Anpassungen vornehmen, die ganz auf den Geschmack der Kunden vor Ort abgestimmt sind. Die Vermarktung mit einem wöchentlich erscheinenden Prospekt mit Sonderangeboten erfolgt jedoch nach wie vor zentral.

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