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20.000 Neuinfektionen, Inzidenz auf höchstem Wert seit Monaten - RKI mit drastischem Winter-Szenario

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Von: Anna Lehmer

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Eine Passantin trägt eine FFP2-Maske in der Hand. Erneut ist die Zahl der registrierten Neuinfektionen gestiegen.
Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus ist deutlich gestiegen. Das RKI warnt deshalb vor unnötigen Kontakten. © dpa/Marijan Murat

Das RKI spricht erneut eine Warnung aus: Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt derzeit bei über 90 und entspricht damit den Werten vor fünf Monaten. Die Todesfälle steigen ebenfalls deutlich. Unnötige Kontakte sollten nun vermieden werden.

Berlin - Während Großbritannien vor Kurzem den „Freedom Day“ prunkvoll feierte, steuert Deutschland derzeit auf eine Situation wie vor fünf Monaten zu. Seit einigen Tagen schnellen die Zahlen in die Höhe: Knapp 20.000 Neuinfektionen binnen eines Tages verzeichnete das Robert-Koch-Institut* am Freitag (22.10.2021), hinzu kommen die 116 Todesfälle. Die Sieben-Tage-Inzidenz* liegt damit bei 95,1 und ist so hoch wie zuletzt im Mai dieses Jahres.

Steigende Corona-Zahlen: RKI rechnet mit beschleunigtem Verlauf

Seit Anfang Oktober 2021 steigen die Zahlen wieder deutlich, fast alle Altersgruppen sind davon betroffen. In seinem neuen wöchentlichen Lagebericht zum Coronavirus berichtet das RKI, dass die aktuellen Fallzahlen höher seien als im selben Zeitraum vor einem Jahr. Ein vorzeitiges Ende ist für das Institut nicht in Sicht, die Inzidenzen würden in den kommenden Monaten weiterhin dem Trend aufwärts folgen. „Es ist damit zu rechnen, dass sich im weiteren Verlauf des Herbstes und Winters der Anstieg der Fallzahlen noch beschleunigen wird“, so der Wochenbericht.

Delta-Variante dominiert das Infektionsgeschehen: Alpha fast vollständig verdrängt

Derzeit liegt die Inzidenz bei 95,1. Noch einen Tag zuvor betrug der Wert 85,6 und vor einer Woche nur 68,7. Die dynamische Entwicklung ist besonders deutlich in den gemeldeten Corona-Neuinfektionen zu sehen: Binnen eines Tages wurden dem RKI 19.572 übermittelt, das sind 8.054 mehr als sieben Tage davor. Besonders stiegen in der KW 41 die Zahl der gemeldeten Ausbrüche in medizinischen Einrichtungen und in Alten- und Pflegeheimen an. Trotzdessen liege aktuell der Altersmedian aller Fälle bei 33 Jahren und ist damit seit Jahresbeginn (März 2021: 49 Jahre) gesunken. Ebenfalls besorgniserregend erscheinen die gemeldeten Todesfälle. 116 Menschen starben innerhalb eines Tages, wie das RKI am Freitag meldet. Eine Woche zuvor waren es noch 65 Fälle.

Das RKI vermutet den Grund des rapiden Anstiegs in der leichten Übertragbarkeit der Delta-Mutation. Die Variante des Coronavirus bestimme gerade die pandemische Lage, Typ Alpha wurde durch Delta beinahe vollständig verdrängt. Beta und Gamma werden nur noch in Einzelfällen nachgewiesen. Eine weitere Ursache für die hohen Infektionszahlen sieht das Institut in den ausgeweiteten Testaktivitäten*, bei denen die Krankheit frühzeitig erkannt wird.

RKI warnt vor dynamischer Entwicklung: Unnötige Kontakte sollten vermieden werden

Im Lagebericht bittet das Robert-Koch-Institut die Menschen um Vorsicht und Einsicht, das aktuelle Geschehen nicht zu unterschätzen: „Insbesondere bei jetzt deutlich steigenden Fallzahlen sollte unabhängig vom Impf-, Genesenen- oder Teststatus das grundsätzliche Infektionsrisiko und der eigene Beitrag zur Verbreitung von SARS-CoV2* reduziert werden.“ Es wird daher empfohlen, weiterhin die Hygieneregeln zum eigenen und zum Schutz anderer Personen einzuhalten. Unnötige enge Kontakte sollten nach Möglichkeit reduziert und Innenräume, in denen die Gefahr eines Super-Spreading-Events entstehen könnte, gemieden werden.

Impfdurchbrüche scheinen sich zu häufen

Auch der bayerische Landtag bleibt von dem Trend steigender Zahlen nicht verschont. Mehrere Abgeordnete wurden positiv auf das Coronavirus getestet. Der mit Covid-19 infizierte Bayern-Trainer Julian Nagelsmann befindet sich ebenfalls gerade in Quarantäne. Trotz 2-G-Regel brach auch in einem Berliner Nachtclub das Virus aus und steckte mehrere Personen an. 2500 Feierwütige mussten anschließend vom Gesundheitsamt kontaktiert werden. Impfdurchbrüche wie bei dem bereits zweifach geimpften Nagelsmann oder den Partybesuchern scheinen sich zu häufen. (ale)

*Merkur.de ist ein Angebot der IPPEN.MEDIA

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