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Salzsäure in Billig-Wein!

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Gepanscht: die Edelmarke Brunello.
Gepanscht: die Edelmarke Brunello. © dpa

Brescia/Verona - Gleich zwei schlimme Weinskandale erschüttern Italien.

Kriminelle Großkellereien stellten massenhaft giftige Billigweine her, die sogar Salzsäure und nur maximal 30 Prozent echten Wein enthielten. Namhafte Weinerzeuger der Nobelsorte „Brunello di Montalcino“ verpanschten ihren teuren Wein mit billigem Merlot und Cabernet. Pech: Die Polizei fand die Panscher-Rezepte. In beiden Fällen ist es möglich, dass die Weine bei uns als Sonderangebote verkauft wurden. Laut Kristine Rotheiler vom Bundesverbraucherschutz-Ministerium liegen aber noch keine Erkenntnisse vor.

Der Billigwein-Skandal war bei der Kontrolle einer Großkellerei aufgeflogen, die 1986 in den Skandal um giftigen Methanol-Kunstwein verwickelt war, bei dem 20 Menschen starben und neun erblindeten. Bei weiteren Durchsuchungen stieß man auf über 20 Großwinzer, die 70 Millionen Liter Chianti, Pinot und andere Marken gefälscht haben. Haupttäter sind zwei Kellereien in Brescia und Verona.

Der Wein bestand aus einem „höllischen Cocktail“: maximal 30 Prozent Rebensaft, Wasser, Zucker, Salzsäure und giftige chemische Düngemittel. Ob es zu Todesfällen gekommen ist, ist vorerst unbekannt. Das italienische Wochenbaltt „L‘ Espresso“ hatte den Skandal enthüllt. Obwohl die kriminellen Fälscher 90 Prozent der Produktionskosten sparten, wurde der gefälschte Wein trotzdem für zwei bis drei Euro im Tetrapack oder in Flaschen weiterverkauft.

Italiens Landwirtschaftsminister Minister Paolo De Castro hält einen Verkauf im Ausland für möglich. Angeblich wurden bis zu zehn Prozent der Giftweine exportiert. Möglicherweise nach Deutschland: 35 Prozent des italienischen Billigweins wird hier verkauft. Alleine zwischen Oktober 2005 und September 2006 wurden 6,2 Millionen Hektoliter Billigwein aus Italien importiert. Zwei Hauptverdächtige aus Brescia und Verona sind als Weinexporteure nach Deutschland bekannt.

Beim zweiten Skandal haben fünf namhafte „Brunello“-Erzeuger den Rotwein mit billigem Fusel verschnitten. Ob die Winzer die Verschnitte nach Deutschland oder in die USA geliefert haben, ist unklar. „L‘ Espresso“ nennt als Verdächtige die Weingüter Antinori, Banfi, Fresco Baldi, Argiano und Casa Nora, die auch in Deutschland verkauft werden Alleine bei Banfi wurden 600 000 Flaschen Wein und sechs Weinberge beschlagnahmt.

DI./JoL./Dac.

Quelle: tz

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