1. tz
  2. Welt

Sanifair-Bon an Autobahn-Toiletten: Bezahl-Idee geht viral und findet Anklang

Erstellt:

Von: Magdalena von Zumbusch

Kommentare

Sanifair Toilettengutschein Toilettennutzungsgebühr Autobahn Tank & Rast Sanifair Toilettenanlag
Ein Vorschlag findet auf Twitter viel Zustimmung: Spendenmöglichkeit für Sanifair-Bons © Rüdiger Wölk/ Imago

Die meisten kennen die Toiletten-Bons von deutschen Raststätten: Eine Twitter-Nutzerin findet, dass es dafür eine Spenden-Option braucht. Aber haben die Bons überhaupt einen „echten Wert“?

München - Viele deutschen Tankstellen haben vor ihren Toiletten-Räumen inzwischen eine Einlass-Sperre. Dort erhält man gegen 70 Cent Einlass, 50 Cent erhält man in Form eines Wert-Bons für den Einkauf an der Raststätte direkt wieder zurück. Wäre es eine Möglichkeit, dass der Wert dieser Bons auch gespendet werden kann?

Sanifair-Bon: „Tonne aufstellen, Bon rein und die 50 Cent dann in Hilfsprojekte stecken“

Viele Deutsche haben ein paar der Bons vom letzten Tankstellenbesuch noch in der Tasche: Wenn alle, die ihre Bons nicht benutzen, diese spenden würden, kämen also sicher Summen zusammen, mit denen man viel anfangen könnte. „Warum kann ich diese Bons eigentlich nicht einfach spenden? Tonne aufstellen, Bon rein und die 50 Cent dann in diverse Hilfsprojekte stecken“, so der Post auf Twitter, der viele positive, aber auch skeptische Reaktionen erhielt.

Sanifair-Bon „nichts wert?“

Andere Twitter-Nutzer halten die Idee für nicht umsetzbar, weil der Wert des Bons nur durch entsprechende Preisaufschläge auf Tankstellen-Produkte gewährt werden könne. Außerhalb dieses Systems der Tankstellen existiere der Wert also nicht.

Nein, meint ein Twitter-Nutzer etwa auf die Frage: „Weil diese Bons nichts wert sind. Sie sind lediglich eine Einladung zu überteuertem Konsum. Aber genau deswegen vielen Dank für die Frage, denn durch solche Fragen an #Sanifair wird es sehr deutlich, dass das nur ein #Shitcoin ist.“ Viele andere Nutzer haben die gleiche Vermutung: „Nein, denn er hat gar keinen echten Wert. Der „Rabatt“ wird ja einfach vorher auf alle Produkte an der Raststätte hinzugerechnet. Alles Beschiss.“, meint auch ein weiterer Twitter-Nutzer auf die Eingangsfrage.

Die Vermutung liegt angesichts der hohen Tankstellenpreise nahe. Allerdings gibt es auch Produkte, deren Preis gesetzlich gedeckelt ist und die somit auch an Tankstellen den gleichen Preis wie anderswo haben, so ein anderer Nutzer zu den Kommentaren. „Stimmt nicht ganz. Hab damit auch schon Kippen gekauft. Da dürfen die nix draufschlagen“.

Allerdings steht auch noch im Raum, dass für die Bezahlung des Reinigungs-Personals an den Tankstellen letztlich mit einkalkuliert wird, dass nicht alle Bons eingelöst werden: Die Spenden-Option sei wirtschaftlich nicht machbar, „weil irgendjemand da den ganzen tag rumwischt etc. und die Person auch miete und essen bezahlen muss...“, meint eine Nutzerin. Dass Sanifair einen bestimmten Prozentsatz nicht eingelöster Bons in sein Geschäftsmodell einberechnet hat, ist bei lediglich 20 Cent für einen Toiletten-Gang nicht unwahrscheinlich.

Sanifair-Bon: Warum müssen wir überhaupt was zahlen?

Andere Nutzer merken allerdings an, dass sie es unangebracht finden, dass für die Toiletten-Benutzung überhaupt abkassiert wird: „Warum ist es kein Grundrecht gratis aufs Scheißhaus zu gehen?“, meint ein Nutzer. „In einer idealen Welt müssten wir nicht für MENSCHLICHE GRUNDBEDÜRFNISSE bezahlen“, äußert ein anderer seine grundsätzliche Unzufriedenheit.

Aber neben Grundsatz-Beschwerden über das System und Bedenken über die Umsetzbarkeit der des Vorschlags hat die Idee viele Unterstützer. Eine gute Idee, finden die meisten. An vielen Rückgabe-Automaten für Getränke-Flaschen sei die Möglichkeit auch schon eingerichtet - die Situation ist wirtschaftlich allerdings nicht ganz vergleichbar.

Aber auch mit den „Toiletten-Bons“ wurde die Idee schon umgesetzt. „In Dänemark spenden wir immer direkt unseren Pfandbon per Knopfdruck an das Røde Kors, weil es geht und eine gute Sache ist. Sind einfach zwei Knöpfe am Automaten: Bon drucken oder Pfand spenden“, unterstützt ein offenbar in Dänemark lebender Nutzer die Idee.

Sofern die Idee umsetzbar ist, wird man sie aber jedenfalls noch bis nach Corona aufschieben müssen. Momentan ist die Nutzung der Sanifair-Toiletten zur Unterstützung der Bekämpfung des Corona-Virus „bis auf weiteres“ kostenlos.

Auch interessant

Kommentare