1. tz
  2. Welt

EU-Kommission verbietet krebserregenden Stoff „E171“ - zahlreiche Supermarkt-Produkte betroffen

Erstellt:

Von: Stella Henrich

Kommentare

Der Stoff E171 steckt in Lippenstiften, Zahnpasten, Süßigkeiten, Soßen und Medikamenten - aber auch Lacken und Farben. Gemeint ist Titandioxid. Ab sofort ist der Stoff in Deutschland in Lebensmitteln verboten.

München ‒ Titandioxid macht die Zahnpasta strahlend weiß und gibt der Salatsoße eine appetitliche Farbe. Mehr als 50 Jahre wurde der Farbstoff Lebensmitteln zugesetzt. Doch seit Anfang August darf der Stoff nicht mehr in Lebensmitteln verwendet werden. Eingeatmet soll das weiße Pulver Krebs begünstigen, beim Schlucken könnten Schäden am menschlichen Erbgut entstehen, warnt die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). In Medikamenten und Kosmetika soll Titandioxid trotzdem weiterhin erlaubt sein.

Gemeint ist Titandioxid - auch bekannt als E171. Bereits im Mai vergangenen Jahres kam die EFSA zu dem Ergebnis, dass der Zusatzstoff nicht mehr als sicher eingestuft werden könne. Bis August können die Hersteller von Lebensmitteln Titandioxid noch verwenden. Bereits eingekaufte Bestände können in Supermärkten und Discountern aber noch über diesen Stichtag hinaus verkauft werden. Und das so lange, „bis ihr Verbrauchs- beziehungsweise Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) abgelaufen ist“, schreibt der Gießener Anzeiger.

Schluss für Titandioxid: Gesundheit von Bürgern nicht verhandelbar

Das Verbot gilt für die Länder der Europäischen Union. Das heißt, ab dem Sommer darf das weiße Pigment nicht mehr in Lebensmitteln eingesetzt werden. „Die Lebensmittelsicherheit und die Gesundheit unserer Bürger sind nicht verhandelbar“, teilte die zuständige EU-Kommissarin Stella Kyriakides mit. Mit dem Verbot beseitige die EU einen Lebensmittelzusatzstoff, der nicht mehr als sicher gelte, heißt es auf der Internet-Seite der Europäischen Kommission dazu.

Das Bild zeigt, in welchem Produkten Titandioxid steckt.
Titandioxid steck in vielen Lebensmitteln. (Symbolbild) © Verbraucherzentrale Hamburg

Außerdem zählt die Kommissarin auf die Zusammenarbeit mit den Behörden der Mitgliedstaaten, „um sicherzustellen, dass die Lebensmittelunternehmer die Verwendung von E171 in Lebensmitteln einstellen.“

Schluss für Titandioxid: EU einstimmig dagegen

Mit Inkrafttreten der Verordnung (EU) 2022/63 zum 7. Februar 2022 ist Titandioxid als Lebensmittelzusatzstoff E 171 somit nicht mehr zugelassen. Bis zum 7. August 2022 dürfen Lebensmittel, die gemäß den vor dem 7. Februar 2022 geltenden Vorschriften hergestellt wurden, noch in den Verkehr gebracht werden. Nach diesem Zeitpunkt dürfen sie bis zu ihrem Mindesthaltbarkeits- oder Verbrauchsdatum auf dem Markt bleiben.

Was ist Titandioxid?

Titandioxid (Titanium Dioxide) ist ein weißes, mineralisches Farbpigment. In Lebensmitteln war es lange Zeit als Zusatzstoff E 171 zugelassen. Unter dem Color Index CI 77891 wird der Stoff in Kosmetika wie zum Beispiel Zahnpasta oder Sonnenmilch verwendet. Ein weiterer Name ist Pigment White 6. /Verbraucherzentrale Hamburg

Titandioxid hat in Nahrungsmitteln zunächst einmal keinen anderen Zweck, als sie besser aussehen zu lassen. Problematisch sind Nanopartikel aus Titandioxid mit einer Größe unter 100 Nanometer. Diese können in die Zellen eindringen und dort Entzündungen hervorrufen, warnen die Hamburger Verbraucherschützer.

Die Folge: mögliche Krebsrisiken. Titandioxid kann über den Verdauungstrakt, die Haut und die Atemwege aufgenommen werden. Wie genau sich die kleinen Partikel im menschlichen Körper verhalten, sei noch nicht abschließend geklärt. 

Im Lebensmittelhandel können Lieferschwierigkeiten nicht ausgeschlossen werden. Denn noch sei nicht klar, ob sich alle Hersteller rechtzeitig an die neuen Bestimmungen anpassen konnten und wie gewohnt Lebensmittel nachliefern, berichtet der Gießener Anzeiger. Ebenso wenig bleibe offen, ob so manche Rezepturen eventuell noch über das Weglassen von E171 hinaus verändert werden könnten.

Mit unserem Verbraucher-Newsletter bleiben Sie immer auf dem neusten Stand in Sachen Verbraucherinformationen und Produktrückrufe.

Auch interessant

Kommentare