Kampf gegen Flut: Schiffe werden versenkt

Berlin - In Sachsen-Anhalt sollen zwei Schiffe versenkt werden, um an einem gebrochenen Deich die Wassermassen aufzuhalten. Im Norden haben die Betroffenen mit anderen Problemen zu kämpfen. Es droht Gefahr durch Schaulustige.

Hier könnten Hochwassertouristen die aufgeweichten Deiche zusätzlich belasten.

Die Pegelstände sinken, viele Menschen atmen auf - doch in Sachsen-Anhalt steht eine der spektakulärsten Aktionen im Kampf gegen das Hochwasser bevor. Zwei Schiffe sollen am Deichbruch bei Fischbeck gesprengt und versenkt werden, um die gewaltigen Wassermassen auf ihrem Weg ins Landesinnere zu stoppen. Das gewagte Manöver beginnt am Samstagmorgen um 5.30 Uhr, wie eine Sprecherin des Krisenstabes in Magdeburg in der Nacht zum Samstag mitteilte. Zunächst gehe es darum, Schiffe, Sand, Schotter, Sandsäcke, Hubschrauber und die Helfer in Position zu bringen. „Die Aktion kann den ganzen Tag dauern“, sagte die Sprecherin. Ob das Vorhaben gelingt, könne noch niemand abschätzen.

Wracks sollen Durchfluss versperren

Die versenkten Schiffe sollen den Durchfluss versperren, so dass nicht noch mehr Gebiete mit weiteren Orten wie Havelberg überflutet werden, wie der Krisenstab der Landesregierung am Freitagabend in Magdeburg mitteilte. Bislang steht ein Gebiet von rund 20 mal 10 Kilometern unter Wasser. Derzeit strömen laut Krisenstab durch den Deichbruch bei Fischbeck pro Sekunde rund 300 Kubikmeter Wasser in die Region. Ein Ende ist nicht abzusehen. Es sind bereits mehr als 20 Ortschaften evakuiert, Tausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen.

Im Elbe-Saale-Winkel soll ein weiterer Durchbruch in einem Deich bei Breitenhagen (Sachsen-Anhalt) am Samstagmorgen ab 9.00 Uhr per Sprengung so weit wie möglich erweitert werden, um den schnelleren Wasserabfluss zu ermöglichen. Je nach Ergebnis dieser ersten Sprengung soll es eine weitere geben, sagte Innenminister Holger Stahlknecht (CDU), der den Krisenstab der Landesregierung leitet.

In der Hochwasserregion Prignitz (Brandenburg) hat sich die Lage leicht verbessert. Sie kann aber nach Einschätzung des Krisenstabes noch nicht als entspannt bezeichnet werden. Wegen der kritischen Situation um die Elbestadt Havelberg in Sachsen-Anhalt wurde das Wehr Quitzöbel im westlichen Havelland wieder geöffnet. Dadurch kann aufgestautes Havelwasser direkt in die Elbe abfließen.

Die Bewohner von Wittenberge (Brandenburg) können seit Freitag wieder in ihre Häuser zurück. Landrat Hans Lange (CDU) hob den Beschluss zur Evakuierung der Stadt wieder auf. Der Katastrophenalarm und die höchste Alarmstufe 4 bleiben jedoch noch bestehen. Die rund 1500 Bewohner der Altstadt waren am Samstagabend zum freiwilligen Verlassen ihrer Wohnungen aufgefordert worden, als die Elbe auf 7,50 Meter gestiegen war. Die Mehrheit blieb jedoch in der Stadt.

Auch die Elberegion in Mecklenburg-Vorpommern bleibt Katastrophengebiet. Die Behörden warnten zum Wochenende eindringlich vor Hochwassertourismus. Die Deiche dürften nicht betreten oder befahren werden, sagte ein Sprecher des Landkreises Ludwigslust- Parchim. Jede zusätzliche Belastung der mit Wasser vollgesogenen Dämme müsse vermieden werden.

In Lauenburg (Schleswig-Holstein) können wohl ab Samstagmorgen rund 300 Bewohner zurück in ihre Häuser. Einsatzkräfte hatten am Freitagnachmittag damit begonnen, Wasser aus der überschwemmten Elbstraße zu pumpen. Zuvor war am Pegel in der Stadt ein sinkender Wasserstand der Elbe festgestellt worden. Statiker sollen bei der Rückkehr die Gebäude genau unter die Lupe nehmen.

Angesichts der enormen Hochwasserschäden macht sich das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) für eine Versicherungspflicht für Gebäude stark. Die Versicherung solle die Folgen extremer Wetterlagen und Erdbeben abdecken, schlug das DIW am Freitag vor. Ein solches Modell sei auf Dauer gerechter und für den Staat günstiger als die bisherigen Nothilfen bei Hochwasser, Stürmen und anderen Naturereignissen. Die Branche wehrt sich gegen einen Zwang, jedes Haus versichern zu müssen. Die Justizminister der Bundesländer hatten sich für eine Pflichtversicherung für Hausbesitzer.

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Die deutsche Versicherungswirtschaft kritisierte die Forderungen nach einer Pflichtversicherung für Hausbesitzer gegen Naturkatastrophen wie Überschwemmungen. „Wenn man über die Einführung einer Pflichtversicherung diskutiert, muss man sich über die Folgen für alle Beteiligten im Klaren sein: Sie nimmt Anreize für eigene Schutzmaßnahmen in den Gefahrenzonen“, sagte der Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Alexander Erdland, der „Rheinischen Post“ (Samstag). „Aufgrund der großen Schäden wären Staatsgarantien in erheblicher Größe nötig.“

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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