Jury wählt die beste Überschrift

Das ist die "Schlagzeile des Jahres"

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Mit der Überschrift "Politik. Macht. Einsam." hat der Stern über den Linken-Politiker Gregor Gysi berichtet.

Dortmund - Themen wie Gregor Gysi, Christian Wulff oder der Berliner Großflughafen haben es auf die vordersten Ränge bei der Wahl zur „Schlagzeile des Jahres“ gebracht.

Die Überschrift „Politik. Macht. Einsam.“ zu einem Bericht über den Linken-Politiker Gregor Gysi hat der Verein Deutsche Sprache zur „Schlagzeile des Jahres“ 2012 gekürt. Die einleitenden Worte in der Zeitschrift „Stern“ würden besser als manch langer Text zusammenfassen, warum Politik tatsächlich einsam mache, entschied eine Jury. Der „Tagesspiegel“ hatte das Porträt später als das wohl härteste eingestuft, das je über Gysi geschrieben worden sei, alleingelassen von Parteifreunden, verlassen von seiner Frau. Insgesamt seien 96 Vorschläge von Lesern eingegangen, teilte der Verein am Donnerstag in Dortmund mit. Die Auszeichnungen sind undotiert.

Knapp geschlagen auf Platz zwei kam die hintergründige Schlagzeile „Biosprit: Essen auf Rädern“ der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ (HAZ). Hier werde schlaglichtartig der bedenkliche Egoismus einer Gesellschaft deutlich, die in einer Welt, in der immer noch Millionen Menschen hungers sterben, mit Lebensmitteln Auto fährt.

Alle Worte des Jahres seit 1977

Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
Seit 1977 wählt die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden regelmäßig das Wort des Jahres. 1979 wurde der "Holocaust" zum Wort des Jahres gewählt. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
"Rasterfahndung" ist das Wort des Jahres von 1980. Damit wird ein in den 1970er Jahren infolge der vergeblichen Fahndung nach den RAF-Terroristen entwickeltes Verfahren zur vernetzten Durchsuchung von Datenbeständen beschrieben. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
1981 -"Nulllösung": Der Begriff wurde Anfang der 1980er-Jahre im Zusammenhang mit der Debatte um die Nachrüstung geprägt. 1981 unterbreitete US-Präsident Ronald Reagan (rechts) der Sowjetunion (hier Staatsoberhaupt Leonid Breschnew) den Vorschlag einer beiderseitigen Nulllösung für landgestützte Mittelstreckenraketen. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
Die "Ellbogengesellschaft" hat das Rennen im Jahr 1982 gemacht. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
"Heißer Herbst" wurde im Jahr 1983 zum Wort des Jahres gewählt. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
Als Protest zu Dreckschleudern wie auf diesem Bild, wurde 1984 das "Umweltauto" zum Wort des Jahres ernannt. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
"Glykol" wurde nach dem Glykolwein-Skandal zum Wort des Jahres 1985. Aufgrund des süßen Beigeschmacks nutzten verschiedene Weinerzeuger Diethylenglycol, um ihre Weine verbotenerweise zu „veredeln“. Dabei gefährdeten sie die Gesundheit ihrer Konsumenten, denn Diethylenglycol kann Gesundheitsschäden verursachen. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
"Tschernobyl" wurde nach der Explosion im gleichnamigen Kernreaktor zum Wort des Jahres 1986. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
AIDS und Kondom: Diese beiden Wörter bestimmten die öffentliche Diskussion im Jahr 1987. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
1988 wurde die "Gesundheitsreform" gewählt. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
1989 war für die ehemaligen DDR-Bürger endlich die Ausreise ohne Antrag oder Erlaubnis möglich. Die "Reisefreiheit" wurde damals zum Wort des Jahres. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
"Die neuen Bundesländer" ernannte man 1990 zum Wort des Jahres. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
Das ost- und das westdeutsche (Pfeil) Sandmännchen friedlich nebeneinander: Das Wort des Jahres 1991 beschreibt ein etwas unentspannteres Verhältnis. "Besserwessi" (Besserwisser und Wessi) entstand nach der deutschen Wiedervereinigung in den 1990er Jahren und bezeichnet abschätzig das Verhalten einiger westdeutscher Bürger gegenüber der ostdeutschen Bevölkerung, das als besserwisserisch und arrogant empfunden wurde. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
1992 entschied sich die Jury für "Politikverdrossenheit". © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
Der "Sozialabbau" machte das Rennen im Jahr 1993. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
Ein "Superwahljahr" gab es 1994. In diesem Jahr wurde es auch das Wort des Jahres. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
1995 war "Multimedia" der Favorit der Jury. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
Das "Sparpaket" hat meistens einen negativen Beigeschmack für die Bevölkerung. 1996 bestimmte es die öffentliche Diskussion. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
Das Jahr 1997 stand unter dem Motto "Reformstau". Dieses Schlagwort kritisiert das Unterbleiben gewünschter politischer oder struktureller Reformen und wurde damals zum Wort des Jahres. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
1998 wurde "Rot-Grün" gewählt - auch zum Wort des Jahres. Hier der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und sein Vize Joschka Fischer (Die Grünen). © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
"Millenium" wurde zum Wort des Jahres 1999 gewählt. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
Die "Schwarzgeldaffäre" wurde das Wort des Jahres im Jahr 2000. Sie bezeichnet die illegale Spendenpraxis der CDU in den 1990er Jahren unter dem früheren Bundeskanzler Helmut Kohl (rechts). (Hier mit dem damaligen CDU-Schatzmeister Walther Leisler Kiep) © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
Nach den Terroranschlägen auf das Word Trade Center in New York wurde der "11. September" zum Wort des Jahres 2001. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
Mit der Einführung des Euro hatten viele das Gefühl, dass die Preise von Produkten und Dienstleistungen schlagartig gestiegen sind. Der Begriff "Teuro" drückte den Unmut der Bevölkerung aus und wurde 2002 zum Wort des Jahres gewählt. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
"Das alte Europa" ist das Wort des Jahres 2003. Der ehemalige us-amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld verwendete diesen Begriff auf einer Pressekonferenz. Viele verstanden den Ausdruck als abwertende Bezeichnung für jene europäischen Länder, die eine Teilnahme am Irak-Krieg von 2003 ablehnten oder sich kritisch dazu äußerten. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
"Hartz IV" machte 2004 das Rennen. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
Mit der Wahl von Angela Merkel im Jahr 2005 wurde zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik eine Frau zum Staastsoberhaupt gewählt. "Bundeskanzlerin" wurde daraufhin das Wort des Jahres im Jahr 2005. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
Nach der Fußball-Euphorie zur WM 2006, wurde der Begriff "Fanmeile" zum Wort des Jahres bestimmt. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
2007 entschied sich die Jury für die "Klimakatastrophe". © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
Seit 2008 sind die Konsequenzen der "Finanzkrise" zu spüren. Seither meldet ein Finanzunternehmen nach dem anderen Insolvenz an. "Finanzkrise" wurde das Wort des Jahres 2008. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
2500 Euro Prämie, wenn ein altes Kraftfahrzeug verschrottet und ein Neuwagen oder Jahreswagen zugelassen wird. Die "Abwrackprämie" war eine Maßnahme zur Ankurbelung der Autobranche und ist 2009 das Wort des Jahres. © dpa
“Wutbürger“ ist das Wort des Jahres 2010. “Wutbürger“ stehe für die Empörung in der Bevölkerung, “dass politische Entscheidungen über ihren Kopf hinweg getroffen werden“. Das wichtigste Beispiel dafür war “Stuttgart 21“, das die Sprachexperten auf Platz zwei wählten. © dpa
“Stresstest“ ist das Wort des Jahres 2011. Das gab die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) am Freitag in Wiesbaden bekannt. © dpa

Wortspielereien bedachte die Jury ebenfalls mit vorderen Rängen, allen voran zum Thema Bundespräsident Christian Wulff. Die Schlagzeile „Der Wulff im Staatspelz“ in der „Zeitung am Samstag“ aus Freiburg landete auf Platz drei. Mit dem Titel „Gekommen, um zu gehen“ in der „HAZ“ kam das Wulff-Thema auch noch auf Rang zwölf. Um geistreiche Schlagzeilen bemühten sich die Redakteure auch bei Thema Berliner Großflughafen. Der seriöseren Überschrift „Berlins Fluchhafen“ aus der „Zeit“ gab die Jury mit Platz vier den Vorzug vor dem etwas schlüpfrigen Titel „Berlin kriegt keinen hoch“ der „taz“, der auf Platz sieben kam. Über die Schlagzeile „Kampf dem organisierten Versprechen“ im „Hamburger Abendblatt“ schafften es die selbst ernannten Sprachschützer in die eigenen Charts. „Gegenstand des Artikels war ein Protest des Vereins Deutsche Sprache gegen die Art und Weise, wie sich deutsche Olympia-Reporter in London mit unverständlichem Denglisch vergeblich eine weltmännische Note anzuheften suchten“, hieß es. Das bedeutete Platz sechs für das „Abendblatt“.

Der Jury für die Schlagzeilen gehören an: VDS-Chef Walter Krämer, die Journalisten Wolf Schneider und Franz Stark, die Sprachwissenschaftler Gert Ueding, Horst-Haider Munske und Helmut Glück sowie erstmals als Gastjurorin die Studentin Monika Elias. Der VDS wurde 1997 gegründet. Seine 34 000 Mitglieder widmen sich der Pflege der deutschen Sprache und dem Kampf gegen unschönes „Denglisch“. Dazu wählt der Verein unter anderem auch jährlich den „Sprachpanscher des Jahres“.

dpa

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