1. tz
  2. Welt

Schweinepest-Ausbruch in Deutschland: Tausende Tiere müssen getötet werden - Schützer fordern Impfstoff

Erstellt:

Von: Marcus Giebel

Kommentare

Ein Schwein sitzt in einem Strohhaufen - zu sehen sind nur Ohren und der halbe Kopf
Schweine leben in Deutschland gefährlich: Nun wurde auch eine für die Tiere lebensbedrohliche Seuche festgestellt. © Fredrik von Erichsen/dpa

In einem Mastbetrieb in der Nähe von Rostock ist die Afrikanische Schweinepest nachgewiesen worden. Das hat Folgen für tausende Tiere. Zudem setzt es Kritik für der Politik.

München - Eine weitere Tierseuche könnte sich in Deutschland breitmachen. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) hat die Afrikanische Schweinepest (ASP) in mehreren Proben nachgewiesen, wie das Bundeslandwirtschaftsministerium mitteilte. Diese stammten aus einem Hausschweinebestand in Mecklenburg-Vorpommern.

Das FLI war zurate gezogen worden, weil in einer Schweinemastanlage mit 4000 Tieren im Landkreis Rostock mehrere Todesfälle zu verzeichnen waren. Dabei sei der Verdacht aufgekommen, die Schweine könnten mit dem ASP-Erreger infiziert sein. PCR-Tests brachten nun Gewissheit.

Nach Schweinepest-Befund müssen übrige Tiere des Bestands „unschädlich beseitigt“ werden

Für die übrigen Schweine bedeutet der Befund das Todesurteil. Sie müssen nun nach Ministeriumsangaben „unschädlich beseitigt“ werden. So will es die Schweinepest-Verordnung, die in den Händen der Länder liegt.

Zudem sind weitere Untersuchungen geplant. „In diesem Zusammenhang mahnt Minister Backhaus die schweinehaltenden Betriebe, unbedingt die Bio-Sicherheitsmaßnahmen auf höchstem Niveau zu halten“, teilte das Agrarministerium vor einer Pressekonferenz mit SPD-Politiker Till Backhaus über die Konsequenzen des Ausbruchs mit.

Tierschutzbund fordert mehr Geld für Impfstoffforschung

Kritik an der Politik setzte es derweil vom Tierschutzbund, der zu wenig Einsatz bei der Forschung nach einem Impfstoff anprangerte. „Hätte die Politik diese Tierseuche so ernst genommen wie Corona und ausreichend Geld in die Impfstoffforschung investiert, dann wären wir jetzt deutlich weiter“, schimpfte Verbandspräsident Thomas Schröder in der Neuen Osnabrücker Zeitung. Er monierte mangelndes Interesse, „weil es ja nur um Tiere geht“.

In Mecklenburg-Vorpommern waren zuvor noch keine ASP-Fälle verzeichnet worden - weder bei Wild- noch bei Hausschweinen. Dagegen waren in Brandenburg bei beiden Arten und in Sachsen bei Wildschweinen seit September 2020 Fälle der Schweinepest aufgetreten, was auch Folgen für Bauern in Bayern hat. In Brandenburg wurden in der Folge Suchhunde eingesetzt, um Kadaver von Wildschweinen aufzustöbern. Dem FLI zufolge wurden mehr als 2700 Fälle unter Wild- und drei unter Hausschweinen festgestellt.

Schweine stehen in Gattern - nur deren Hinterteile sind zu sehen
Keine Chance auf Abstand: Schweine werden oftmals in beengten Behausungen gehalten. © Sven Hoppe/dpa

Schweinepest ist für Menschen und Hunde ungefährlich

Damals stoppten China, Korea und Japan den Import von Schweinefleisch aus Deutschland. Auch jetzt drohen bei der Ausfuhr Einschränkungen, wie der NDR berichtet. Die Fleischpreise stürzten bereits in den Keller.

Bei Schweinen verläuft die Seuche fast immer tödlich, für den Menschen ist sie hingegen ebenso ungefährlich wie für Hunde und Katzen. Sie kann durch direkten Kontakt unter den Tieren oder indirekt über kontaminierte Gegenstände wie Schuhe oder weggeworfene Lebensmittel übertragen werden.

Laut FLI ist der Kontakt mit Blut der effizienteste Übertragungsweg. Befallene Tiere würden „sehr schwere, aber unspezifische Allgemeinsymptome“ entwickeln. Weil die Schweinepest in Osteuropa bereits seit längerem grassiert, sind an der Grenze zu Polen Schutzzäune errichtet worden. (mg)

Auch interessant

Kommentare