Nach Fährunglück

"Sewol": Haftbefehl gegen Reederei-Chef erlassen

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Kim Han Sik (M.) droht unter anderem eine Anklage wegen Totschlags.

Seoul - Nach seiner Festnahme ist nun auch Haftbefehl gegen den Reederei-Chef der südkoreanischen Unglücksfähre erlassen worden. Ihm droht eine Anklage wegen Totschlags.

Gegen den Reederei-Chef der südkoreanischen Unglücksfähre „Sewol“ ist nach seiner Festnahme jetzt auch Haftbefehl erlassen worden. Im drohe unter anderem eine Anklage wegen Totschlags, berichtete die nationale Nachrichtenagentur Yonhap am Freitag. Das Gericht im südlichen Mokpo habe die Haft unter anderem mit Fluchtgefahr begründet. Die Ermittler werfen Kim Han Sik von Chonghaejin Marine vor, gewusst zu haben, dass das Schiff überladen war.

Fährunglück in Südkorea: Die wichtigsten Antworten

 - Wo war der Kapitän zum Unglückszeitpunkt?Lee Jun Seok soll nicht am Steuer der Fähre gewesen sein. Er habe kurz vorher an die 26 Jahre alte, wenig erfahrene Dritte Offizierin übergeben, teilten die südkoreanischen Ermittler mit. Wo genau sich Lee dann aufhielt, blieb offen. © dpa
- Hat der Kapitän früh genug die Evakuierung der Fähre eingeleitet?Nein, sagen zumindest die Angehörigen der Passagiere. Sie argumentieren, es hätten mehr Menschen gerettet werden können, wenn das havarierte Schiff früher geräumt worden wäre. Die Evakuierung wurde erst eingeleitet, als das Schiff schon in Seitenlage geraten war. © dpa
- Wie viele Rettungsboote wurden benutzt?Nach Medienberichten wurden nur ein oder zwei von mehr als 40 Rettungsbooten zu Wasser gelassen. Bei den Rettungsbooten auf der Fähre handelte es sich um selbstaufblasende Schlauchboote, die sich in Kästen auf dem Hauptdeck befanden. © dpa
- Warum werden noch so viele Passagiere vermisst?Die Retter vermuten, dass ein Großteil der ursprünglich 475 Menschen an Bord im Rumpf des Schiffes eingeschlossen ist. Überlebende berichten, viele Mitreisende hätten nicht mehr aus ihren Kabinen entkommen können. In Luftblasen könnten einige von ihnen noch eine Weile überlebt haben. Fast 180 Menschen wurden gerettet; bis Freitagnachmittag (Ortszeit) wurden 28 Leichen gefunden. © dpa
- Wie kam es zu dem Unglück?Die genaue Ursache ist weiter unklar. Am Ort des Untergangs soll die „Sewol“ einen Kurswechsel vorgenommen haben, heißt es von den Ermittlern. Möglich ist auch, dass die Fähre auf einen Felsen auflief und dann die Autos im Innern verrutschten. Überlebende hatten von einem großen Knall vor dem Sinken des Schiffes gesprochen. © dpa
- Weshalb war lange Zeit noch der Schiffsbug zu sehen?Der hintere Teil des Schiffes sank rasch auf den Meeresgrund - das Wasser ist hier rund 30 bis 40 Meter tief. Durch Luft im Inneren wurde der vordere Teil der Fähre eine Zeit lang über Wasser gehalten, so dass die Bugwulst noch herausragte. Inzwischen ist über der Wasseroberfläche aber gar nichts mehr von dem Schiff zu sehen. © dpa

Die Fähre war am 16. April mit 476 Menschen an Bord vor der Südwestküste Südkoreas gekentert. Bis zum Freitagabend wurden die Leichen von 273 Menschen aus dem Wrack und der Umgebung geborgen. 31 Menschen galten noch als vermisst, 172 hatten gerettet werden können.

Einschließlich Kim sitzen fünf Vertreter von Chonghaejin Marine in Untersuchungshaft. Die Ermittler vermuten, dass eine Überladung und frühere Umbauten an der 20 Jahre alten Auto- und Personenfähre das Unglück mitverursacht haben. Auch der Kapitän und andere 14 leitende Crewmitglieder sind in U-Haft. Sie werden beschuldigt, die Passagiere auf dem sinkenden Schiff im Stich gelassen zu haben.

dpa

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