Sexbestie gesteht fünf Morde

Kiel - Ein mutmaßlicher Serienmörder hat am Mittwoch gleich zu Beginn des Kieler Prozesses fünf Sexualmorde an jungen Frauen gestanden.

Der Mann, der fünf junge Frauen grausam ermordet haben soll, betritt um 09.04 Uhr den Verhandlungssaal im Kieler Landgericht. Groß und stämmig ist er, mit gepflegtem grauen Haar und grauem Bart. Während dem 65-Jährigen die Handschellen abgenommen werden, halten Angehörige der Opfer den Atem an. Eine Frau wischt sich Tränen aus den Augen und knetet ihr Taschentuch. Nach Jahrzehnten der Ungewissheit sitzen sie nun dem Mann gegenüber, der ihre Liebsten umgebracht haben und sich an drei Leichen sexuell befriedigt haben soll.

Zum Prozessauftakt im Kieler Landgericht gesteht Hans-Jürgen S. am Mittwoch die Mordserie zwischen 1969 und 1984. Er nennt seine Taten “unfassbar“. Die Opfer - 15 bis 22 Jahre alt - wählte er zufällig, lauerte ihnen auf und fiel unvermittelt über sie her. Vier Frauen erwürgte er mit bloßen Händen, an drei der Leichen verging er sich anschließend, bei einer blieb es beim Versuch.

Bis zum seinem ersten Mord im Juni 1969 soll der Angeklagte keinen Geschlechtsverkehr gehabt haben. Damals war er 22 Jahre alt. Sein fünftes Opfer, die 18 Jahre alten Schwesternschülerin Gabriele S., vergewaltigte er, dann tötete er die junge Frau, um die Straftat zu verdecken. All das hat Hans-Jürgen S. bei der Polizei gestanden.

Vor Gericht spricht er nicht selbst, sondern lässt seinen Verteidiger eine Erklärung verlesen. “Ich fühle mich zurzeit überfordert, mich in der Hauptverhandlung noch einmal zu den Vorwürfen zu äußern“, heißt es darin. Auch die Entschuldigung für seine Taten spricht er nicht selbst aus, er hebt nicht den Blick, um den Angehörigen ins Gesicht zu sehen. Dem Vater zweier erwachsener Töchter muss nun mit lebenslanger Haft und möglicherweise Sicherungsverwahrung rechnen.

Was genau den Mann zu den Morden an den fünf jungen Frauen in Hamburg, Norderstedt und Quickborn trieb, bleibt am ersten Verhandlungstag unklar. “Es ist über mich gekommen, ich habe die Kontrolle verloren“, sagte er in den Vernehmungen. “Das war wie so ein Tunnel.“ Seinen ersten Mord beging er aus Frust auf Frauen, von denen er immer Absagen kassiert habe. “Da hat das Mädchen dran glauben müssen.“ Später gab es Probleme in seiner Ehe, die ihn trieben.

Die Angehörigen der Opfer hoffen, im Angesicht des Angeklagten endlich einen Abschluss zu finden. Die beiden Brüder und die Mutter von Gabriele S. sitzen als Nebenkläger im Gerichtssaal, hinter den beiden Schwestern der 1969 ermordeten Renate B. Sie blicken den Mann immer wieder direkt an, während der den Tisch vor sich fixiert.

“Die Tat ist über 40 Jahre her und war ständig Thema in der Familie“, sagt der Anwalt von Renates Schwestern, Reiner Köhnke. Die 16-Jährige war monatelang spurlos verschwunden. Bis man ihre Leiche in einem Graben fand, lebte die Familie in Ungewissheit. Später vermutete die Polizei den Täter im Umfeld der Familie und ermittelte dort, der Alptraum nahm kein Ende.

“Es tut mir leid“, hatte der Angeklagte in den Vernehmungen gesagt. Über seinen Anwalt ließ der mutmaßliche Serienmörder erklären, er habe den Angehörigen unsägliches Leid zugefügt. “Ich würde mich gern aufrichtig bei den Hinterbliebenen entschuldigen, kann aber durchaus verstehen, wenn meine Entschuldigung nicht angenommen würde.“

dpa

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