Verlag erklärt Haltung zum Sado-Maso-Buch

Shades of Grey: Weltbild weist Vorwürfe zurück

Augsburg - Die katholische Verlagsgruppe Weltbild will den Vorwurf der Doppelmoral im Zusammenhang mit dem Sadomaso-Bestseller “Shades of Grey - Geheimes Verlangen“ nicht stehenlassen - und erklärt sich:

Der Roman der britischen Autorin E.L. James, erschienen in einem Verlag der Bertelsmann-Gruppe, sei “omnipräsent im gesamten Markt“. Das sagte eine Weltbild-Sprecherin am Mittwoch auf Anfrage in Augsburg. “Diese Präsenz entzieht sich unserer Einflussnahme.“

Weltbild wolle “nichts tun, die Verbreitung dieses Titels zu fördern“, fügte die Sprecherin hinzu. Deshalb habe man sich inhaltlich von dem Werk distanziert und kritischen Stimmen Raum gegeben. Der umstrittene Roman könne allerdings “in Kenntnis dieser Problematik“ in Weltbild-Filialen oder online erworben werden. Er ist seit wenigen Tagen auf Deutsch erhältlich.

Auf seiner Internetseite geht der Medienhändler zu dem Buch auf Distanz: “Die hier beschriebene Unterwerfung der Frau widerspricht dem Welt- und Menschenbild, von dem wir uns als Buchhändler leiten lassen“, heißt es. “Wir sehen das Buch als sehr problematisch an.“ Die “Shades of Grey“-Trilogie hat im englischen Sprachraum inzwischen eine Millionenauflage erzielt.

Die Weltbild-Sprecherin erklärte, im Einzelfall würden auch bei anderen Titeln Inhaltsangabe und Werbeaussagen geprüft. Viele Kunden honorierten eine “eindeutige Haltung“.

Die Gewerkschaft Ver.di und Hugendubel-Mitarbeiter kritisierten den Umgang der Verlagsgruppe mit dem Bestseller. “Eine neue Zensur-Debatte wird ausgelöst werden, wenn im Buchhandel plötzlich solch widersprüchliche und unhaltbare Warnungen vor den eigenen 'Produkten' auftauchen“, heißt es beim “Hugendubel Verdi Infoblog“. So sei der Roman beim Internetshop buecher.de, der ebenfalls zu Weltbild gehöre, völlig “ohne Filter“ erhältlich. Weltbild betreibt seinen stationären Buchhandel in einer gemeinsamen Holding mit Hugendubel.

Weltbild gehört zwölf deutschen Bistümern, dem Verband der Diözesen Deutschlands und der Katholischen Soldatenseelsorge Berlin. Die Eigentümer hatten vor zwei Wochen beschlossen, ihre Anteile in eine kirchliche Stiftung öffentlichen Rechts zu überführen. Damit wurde ein Verkaufsbeschluss abgewendet, der unter dem Eindruck öffentlicher Debatten über erotische und esoterische Medien im Weltbild-Sortiment vor gut einem halben Jahr gefällt worden war.

kna

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