Nach Unglück

Sherpas boykottieren Everest-Expeditionen

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Verbrennungszeremonie des tödlich verunglückten Ang Kaji Sherpa am Montag in der neplesischen Hauptstadt Kathmandu.

Kathmandu - Nach dem schweren Lawinenunglück am Mount Everest haben nepalesische Bergführer damit gedroht, vorerst nicht mehr an Expeditionen am höchsten Berg der Welt teilzunehmen.

Die Regierung habe eine Woche Zeit, um auf ihre Forderungen zu antworten, hieß es am Montag. Hunderte Sherpas erwiesen ihren tödlich verunglückten Kollegen in einer Trauerprozession in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu die letzte Ehre.

Beim bislang schlimmsten Unglück am Mount Everest waren am Freitag wahrscheinlich insgesamt 16 nepalesische Bergführer ums Leben gekommen. Bei der von Mönchen begleiteten Prozession am Montag in Kathmandu wurden die Särge von sechs Opfern auf Pritschenwagen mitgeführt.

Die teilnehmenden Sherpas hatten eine Forderungsliste dabei, die sie der Regierung übergeben wollten. Sie verlangten unter anderem, einen Hilfsfonds für Sherpas einzurichten und dafür 30 Prozent der von den Bergsteigern entrichteten Gebühren zu nutzen. Außerdem sollten die Lebensversicherungen der Sherpas von bislang 10.000 Dollar (7250 Euro) verdoppelt werden. Den Familien der Opfer, auch derjenigen, die aufgrund schwerere Verletzungen nicht mehr arbeiten könnten, müsse eine Entschädigung in Höhe von jeweils 10.000 Dollar gezahlt werden, lautete eine weitere Forderung.

Die Regierung müsse zudem die Kosten für die Behandlung der Verletzten übernehmen. Sollte die Regierung nicht binnen einer Woche reagieren, würden alle Expeditionen abgesagt, hieß es. Die Regierung hatte den Angehörigen der Opfer eine Entschädigung von umgerechnet knapp 300 Euro angeboten. Einige Familien wiesen das als respektlos zurück.

US-Bergsteigerbüros sagen Expeditionen ab

Zwei Bergsteigerbüros aus den USA sagten am Montag die von ihnen geplanten Everest-Expeditione ab. Beide hatten bei dem Unglück Todesopfer unter ihren Sherpas zu beklagen. Andere Teams behielten sich ihre Entscheidung vor.

Am Sonntag wurde die Suche nach drei zuletzt noch vermissten Bergführern endgültig eingestellt. Ihre Leichen seien bisher nicht geortet worden und könnten im Schnee kaum noch gefunden werden, teilte das Tourismusministerium in Kathmandu mit. Bis Samstag waren die Leichen von 13 Sherpas geborgen worden. Neun Sherpas konnten lebend aus den Eis- und Schneemassen gerettet werden.

Bergführer am Freitag verschüttet

Die nepalesischen Bergführer waren am Freitagmorgen auf 5800 Metern Höhe im sogenannten Popcorn-Feld verschüttet worden, das auf der Route zum tückischen Khumbu-Eisfall liegt. Sie hatten Zelte, Seile und Lebensmittel dabei, um eine Route zum Gipfel des Everest vorzubereiten - denn Ende April beginnt die Bergsteiger-Saison im Himalaya. Streichungen von Expeditionen hätten voraussichtlich Auswirkungen auf Nepals Wirtschaft. Das arme Himalayaland ist stark auf Einnahmen aus dem Tourismus angewiesen.

Der Mount Everest ist 8848 Meter hoch. Jährlich versuchen hunderte Bergsteiger aus aller Welt den strapaziösen Aufstieg zum "Dach der Welt". Seit der Erstbesteigung durch den Neuseeländer Edmund Hillary und seinen nepalesischen Sherpa Tenzing Norgay 1953 kamen dabei bereits mehr als 300 Menschen ums Leben, die meisten von ihnen waren Sherpas.

AFP

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