Unterricht in vier Schichten

Wir sind die Kinder aus der Unicef-Schule

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Unterrichtspause für die Mädchen im Gawilan-Camp.

Dohuk - Gemeinsam mit UNICEF bittet die tz um Spenden für Terror-Opfer im Irak. Heute berichten wir vom Camp Gawilan, in dem in vier Schichten 870 Schüler unterrichtet werden.

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Am Ende der Welt... Mitten im Nichts tauchen zwischen schroffen Felsen und staubigen Schotterpisten Zelte auf. Es werden immer mehr, und die Zeltstadt scheint irgendwann gar nicht mehr enden zu wollen.
Willkommen in Gawilan, einem der ältesten Flüchtlingslager im Nordirak. Hier hat es in den vergangenen Tagen nicht geregnet. Deshalb staubt es, wo man sonst im Winter durch den Matsch schlittert.

Über 10 000 Menschen leben hier seit über zwei Jahren. Man bekommt einen Eindruck, wie es auch in den anderen Lagern irgendwann sein könnte. Es ist eine Stadt entstanden. Die Hilfsorganisationen wie Unicef haben eine Infrastruktur geschaffen, damit die Menschen sauberes Wasser haben, damit sie in gemauerten Kabinen kochen können, ohne dass gleich ein Brand entsteht. Damit das Abwasser nicht einfach versickert und alle krank macht. Und damit die Kinder zur Schule gehen können.

Der Direktor und seine Kinder: Sie freuen sich über die tz-Luftballons, mit denen sie ein Quietschkonzert veranstalten.

870 Mädchen und Buben besuchen die Camp-Schule von Unicef. Und zwar in vier Schichten. Los geht’s um acht Uhr in der Früh. Schulschluss für die Großen ist um 18.30 Uhr. Die Schule gibt es seit März 2013. Die Kinder lieben sie. Denn hier lernen sie nicht nur Rechnen, Schreiben, sie können abschalten und Erlebtes verarbeiten. „Manchmal reden wir erst mal 20 Minuten über das, was in der syrischen Heimat der Kinder gerade passiert. Manche können auch erst jetzt erzählen, was ihnen selbst widerfahren ist“, sagt Schuldirektor Akram. Oft fließen die Tränen und die Lehrer sind nicht als Pädagogen, sondern als Psychologen gefragt. „Wir kommen oft an unsere Grenzen. Wie soll ich einem Kind erklären, warum der IS seine Mutter erschossen hat? Was sollen wir sagen, wenn die Kinder fragen, wann sie wieder nach Hause können?“, fragt Shimal Akram.

Fenar (12) ist seit dem Eröffnungstag in der Schule. Inzwischen besucht er die fünfte Klasse. Naturwissenschaften mag er am liebsten. Und die Pause. Da kann er mit den anderen Jungs Fußball spielen. In der ganzen Schule gibt es einen Ball. Und der ist gerade zerfetzt. Macht nichts. Die Kinder sind mit wenig zufrieden. Es geht auch ohne Ball, eine Dose lässt sich genauso gut durch die Gegend schieben.

Das Lager Gawilan ist kein Übergangscamp für ein paar Monate. „Es wird Jahre dauern, bis es überhaupt eine Chance gibt, dass wir zurück in unsere Dörfer und Städte können“, erklärt Korrad el Assad, ehemaliger syrischer Anwalt für Menschenrechte, jetzt Lagerbewohner und Lehrer in der Schule (siehe unten). „Wenn wir den Kindern nicht beibringen, dass sie Rechte haben, wie eine gute Gesellschaft funktioniert, dann werden wir alle langfristig ein großes Problem bekommen“, so Assad. „Was soll aus einer Generation werden, die traumatisiert allein gelassen wird?“

Dorit Caspary

tz-Aktion mit Unicef: Bilder aus den Krisengebieten

tz-Aktion mit Unicef: Bilder aus den Krisengebieten

Aya (9): Das ist meine Schultasche

Voller Stolz zeigt Aya ihre Schultasche: Vier kleine Hefte, ein Matheübungsbuch, ein Buch über Hygiene , ein Mal-block und ein Schlampermäppchen mit Blei- und Buntstiften.

Aya (9) geht in die dritte Klasse.

Die Neunjährige geht in die dritte Klasse, sitzt immer neben ihrer besten Freundin in der vierten Reihe am Mittelgang. „Ich freue mich jeden Morgen, wenn ich in die Schule darf. Ich treffe meine Freunde, kann spielen und lerne ganz viel. Außerdem gibt’s immer Wasser zum Trinken.“

Wenn Aya einmal groß ist, möchte sie Lehrerin werden. Am liebsten für Naturwissenschaften. Pflanzen und Tiere mag sie besonders gerne. Deshalb hat das syrische Mädchen auch immer seine beiden schönsten Bilder dabei: Das eine zeigt eine Blume und Herzchen, das andere einen Apfel, aus dem ein Wurm rausschaut.

Der Anwalt der Menschen

Korrad el Assad war einmal Anwalt für Menschenrechte in Syrien. Seine Zulassungskarte besitzt er noch (Foto). Stolz trägt er sie immer bei sich. Seit zwei Jahren arbeitet der 46-Jährige nicht mehr als Jurist. Als Menschenrechtsverfechter gehörten Assad und seine Familie schnell zu den Verfolgten in Syrien. Er floh rechtzeitig hierher in den Nordirak. Seit einem halben Jahr nun arbeitet er als Lehrer in der Unicef-Schule im Flüchtlingscamp Gawilan: „Ich versuche den Kindern beizubringen, dass jedes menschliche Wesen das Recht hat, sein Leben zu führen, ohne von anderen dafür verfolgt zu werden.“

tz-Aktion für Unicef: Spenden Sie für Flüchtlingskinder

Erfahren Sie mehr über die Aktion der tz mit Unicef auf tz.de/unicef

Wie Sie spenden können, erfahren Sie hier! Und das Angenehme dabei: Sie können sogar einen 218i BMW Active Tourer gewinnen!

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