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So garantieren die Banken Ihr Geld

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Wie sicher ist mein Geld auf der Bank?
Wie sicher ist mein Geld auf der Bank? © dpa

Vor allem Sparkassen und Genossenschaftsbanken spüren die Reaktionen der Anleger.

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Immer wieder wollen Kunden ihr Geld abheben und in ein Schließfach sperren. Allerdings kommen immer mehr Kunden von den Großbanken zu Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Hans Schmid vom Sparkassenverband: „Wir haben mehr Neueinlagen als Abhebungen.“ Und Dr. Jürgen Gros vom Bayerischen Genossenschaftsverband: „Wir spüren die Nervosität der Kunden, wir können aber die meisten überzeugen, ihr Geld angelegt zu lassen. Im Moment registrieren wir auch eine große Wechselbereitschaft von Kunden der Großbanken zu unseren Instituten.“ Aber wie sicher ist das Geld bei deutschen Banken? Die tz sagt Ihnen, wie die verschiedenen Banken für Ihr Geld garantieren.

Privatkonten

Der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes Deutscher Banken schützt die Einlagen der Kunden von 180 Banken (Infos über die beteiligten Institute unter www.bankenverband.de/einlagensicherung ). 90 Prozent der Einlagen von Privatpersonen, Personengesellschaften und kleinen Kapitalgesellschaften sind bis zu einem Gegenwert bis zu 20 000 Euro abgedeckt durch die Entschädigungseinrichtung des Bundesverbandes Deutscher Banken. Der Einlagensicherungsfonds wiederum erstattet den zehnprozentigen Selbstbehalt und die über 20 000 Euro hinausgehenden Summen. Insgesamt werden die Einlagen bis zur Sicherungsgrenze der Bank (30 Prozent des haftenden Eigenkapitals) geschützt. Das Mindesteigenkapital einer Bank liegt in Deutschland bei fünf Millionen Euro. In dem Fall wären pro Anleger 1,5 Millionen Euro geschützt. Nicht geschützt sind Inhaberschuldverschreibungen und Inhabereinlagenzertifikate.

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Sparkassen

Die Sparkassen werden durch einen Haftungsverbund gesichert. Dieser wird durch 443 Sparkassen, neun Landesbanken und zehn Landesbausparkassen getragen. Die Mitglieder stehen füreinander ein und sichern gegenseitig den Bestand der Institute. Dr. Joachim Fröhler: „Die Stadtsparkasse München ist beispielsweise dreifach gesichert. Einmal durch den Haftungsverbund der Sparkassen-Gruppe, dann durch die Stadt München als Eigentümer und die Staatsgarantie auf Privateinlagen. Einlagen der Kunden sind ohne beitragsmäßige Begrenzung geschützt.“

Genossenschaftsbanken, Raiffeisenkassen

Die Sicherungseinrichtung des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) ist durch eine Satzung geregelt. Das Einlagensicherungssystem besteht hierbei aus Garantiefonds, damit sind Geldanlagen zu 100 Prozent geschützt. Durch die Garantiefonds können mit Hilfe von Barzuschüssen, verzinslichen oder unverzinslichen Darlehen finanzielle Schwierigkeiten abgewendet bzw. behoben werden, dazu leisten alle angeschlossenen Banken solidarisch Beiträge. Alle Einlagen werden im vollen Umfang gesichert.

Neben den Garantiefonds gibt es zusätzlich den sogenannten Garantieverbund, der die Bank als Gesamtheit absichert. Bevor es zur Zahlungsunfähigkeit einer Mitgliedsbank kommt, schließt dieser über einen Garantiefonds vorübergehende Liquiditätsengpässe und übernimmt im Falle von Schwierigkeiten Bürgschaften und Garantien. Dr. Gros: „Bei den Genossenschaftsbanken gilt die Institutssicherung. Gerät eine Bank in Schieflage, springen alle anderen dafür ein.“ Das Besondere bei den Genossenschaftsbanken: „Auch Zertifikate werden von uns garantiert, wenn der Emittent, der das Papier auflegt, aus der Genossenschaftsgruppe kommt.“ Derzeit gibt es rund 1250 Genossenschaften in Deutschland, davon etwa 320 in Bayern.

Bausparkassen

Einlagen von Bausparverträgen sind immer in unbegrenzter Höhe gesichert, auch die Zinsen gehören dazu. „Bausparer müssen sich keine Sorgen machen“, beruhigt der Vorsitzende der privaten Bausparkassen, Andreas Zehnder. Grund: Das deutsche Bausparsystem ist vom Kapitalmarkt unabhängig. Bausparkassen-Sprecher Alexander Nothaft zur tz: „Alle Bausparer zahlen in einen Topf ein, aus dem die Darlehen ausbezahlt werden. Und Geld das nicht unmittelbar ausbezahlt wird, wird nur in risikoarmen, festverzinslichen Wertpapieren angelegt.“ Drei Punkte unterscheiden für Nothaft die Lage zu den USA: 1.) Es gibt in Deutschland keine Immobilienblase wie in den USA, die dort geplatzt ist. 2.) In den USA wurde jedes zweite Objekt ohne Eigenkapital finanziert, in Deutschland nur drei Prozent der Häuser. 3.) Im Gegensatz zu den USA findet in Deutschland eine Bonitätsprüfung der Kunden statt. Nothaft: „Während in den USA zehn Prozent der finanzierten Objekte in der Pfandversteigerung sind, sind es bei uns nicht mal 0,002 Prozent.“

Vorsicht, falsche Beratung

Die Finanzmarktkrise verunsichert die meisten Anleger. Guter Rat ist wichtig. Doch wie können sich Bankkunden gegen eine falsche Beratung wehren? Nachfolgend die wichtigsten Fragen:

Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur der Zeitschrift Finanztest, rät, alles zu sammeln, was mit der Beratung zu tun hat – also schriftliche Unterlagen herauszusuchen oder auch aus dem Gedächtnis Notizen etwa über Telefonate mit dem Berater zu machen. Grundsätzlich hilft nach Einschätzung von Experten nur der Gang zum Anwalt. „Der Kunde muss den Schaden und die falsche Beratung beweisen“, erklärt Sylvia Beckerle von der Verbraucherzentrale in Rheinland-Pfalz. Dies sei ohne Zeugen oder Unterlagen schwierig, meistens stehe Aussage gegen Aussage.

Ob ein sicherheitsorientierter Sparer zu einem riskanten Produkt überredet worden sei, sei nur im Einzelfall und von einem spezialisierten Anwalt zu klären.

„Kunden können in der Regel nicht nachweisen, dass sie falsch beraten wurden“, sagt Niels Nauhauser von der baden-württembergischen Verbraucherzentrale. „Die Aussichten auf Erfolg sind praktisch null.“

„Grundsätzlich sollte man sich vor der Beratung Gedanken machen über die eigene Risikobereitschaft und die Anlageziele“, empfiehlt Beckerle. „Man sollte nur Produkte abschließen, deren Funktion und Risiken man kennt und die man versteht.“ Tenhagen rät zudem, sich bei der Beratung möglichst viel schriftlich geben zu lassen, vor allem zu Verlustrisiken. Sein Tipp: „Am besten geht man zu zweit hin, aber nicht mit dem Ehepartner, sondern mit einem neutralen Zeugen.“ Es gibt auch neutrale Finanzberater, die keine Provision erhalten. Gegen ein fixes Honorar erstellen sie eine Dokumentation der Beratung.

Bei Streitigkeiten zwischen Geldinstituten und Anlegern kann der Ombudsmann vermittelnd eingreifen, wenn das Geldinstitut dem Bundesverband Deutscher Banken angehört. Die Streitschlichtung ist kostenlos.

Kontakt: Ombudsmann der Banken, Fach 04 03 07, 10062 Berlin, Internet: www.bankenverband.de .

Quelle: tz

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