Überraschende Umfrage

So sehr lieben uns die Franzosen

München - Deutschland ist bei den Franzosen so beliebt wie nie zuvor, aus dem Feindbild ist ein Vorbild geworden. Das ist das Ergebnis einer neuen Umfrage.

Oh, là, là, das ist eine wahre amour fou! Jahrhundertelang bekriegten sich Deutsche und Franzosen, misstrauten sich oder rümpften zumindest die Nase über die Eigenheiten des anderen. All das ist Vergangenheit: Statt Bajonetten rasseln heute Gläser aneinander – wenn auch das eine mit Bier, das andere mit Wein gefüllt. Deutschland ist bei den Franzosen so beliebt wie nie zuvor, aus dem Feindbild ist ein Vorbild geworden. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die die Sender arte, ARD, Deutschlandradio und Radio France gestern veröffentlichten. 25 000 Bürger beider Länder beschrieben darin, wie sie über das jeweils andere Volk denken.

Persönliche Beziehungen: Das Wichtigste zuerst – die Liebe! 66 % der Deutschen hatten nach eigenen Angaben schon mal ein amouröses Abenteuer mit einem Franzosen. 61 % der Franzosen geben eine Beziehung zu einem Deutschen zu. Insgesamt gaben 82 % der Deutschen und 73 % der Franzosen an, das Nachbarland sehr oder gar leidenschaftlich zu mögen.

Charakter: Das Klischee ist nur schwer zu überwinden, vielleicht, weil ja auch was dran ist? Gefragt nach den drei Eigenschaften, die uns am besten charakterisieren, nennen die Franzosen gründlich, diszipliniert und fleißig. Die Franzosen gelten in Deutschland dagegen als genießerisch, individualistisch-kreativ und verführerisch.

Leben und Arbeiten: Deutschland wird für die Franzosen immer attraktiver: 78 % würden gerne bei uns Urlaub machen, 60 % könnten sich vorstellen, hier zu arbeiten oder zu leben – vor dem Mauerfall waren es gerade mal 28 %! Umgekehrt würden nur 39 % der Deutschen gerne über die Grenze ziehen, auch wenn sie die Lebensqualität, die Familiensituation und die Kultur dort besser einstufen als zu Hause. 82% der befragten Deutschen gaben an, im vergangenen Jahr einen französischen Film gesehen oder Musik gehört zu haben. Die Franzosen bewundern dagegen die wirtschaftliche Stärke, die Beschäftigungsverhältnisse und die Umwelt in Deutschland. Deutsche Firmen seien besonders produktiv, die Ergebnisse von hoher Qualität.

Einfluss: Hier gibt sich die selbst ernannte Grande Nation überraschend unterwürfig: 94 % halten Deutschland für politisch und wirtschaftlich bedeutender als ihr eigenes Land. 85 % der Deutschen geben ihnen darin recht. Große Einigkeit herrscht im Hinblick auf die Zukunft: Sowohl Deutsche (89 %) als auch Franzosen (88 %) halten die „besondere Beziehung“ ihrer Staaten für eine Notwendigkeit, damit Europa erfolgreich bleibt.

isp

Vom Tunken & Tanzen: Kulturelle Eigenheiten

Bei aller Liebe: Ein kleines bisschen Raum für Macken bleibt. Claire Doutriaux hat diese in Karambolage (Knesebeck-Verlag, 16,95 Euro) witzig zusammengefasst. Dass Deutsche etwa eine Vorliebe für makellos weißen Spargel haben, erscheint Franzosen suspekt. Sie bevorzugen violette Spitzen; gegessen werden die Stangen – ein Kulturschock für Deutsche – mit der Hand. Ähnlich befremdlich läuft ein deutsch-französisches Frühstück ab: Der Franzose tunkt nämlich gerne Weißbrot, ob ins weichgekochte Ei oder in den Kaffee (den er gern aus einer Tasse ohne Henkel – der bol – trinkt). Von Eierlöffel oder dem von uns perfektionierten Eierpieker haben Franzosen noch nie gehört. Unterschiedliche Gewohnheiten gibt es auch im Feierverhalten: Während deutsche Papas an Christi Himmelfahrt ganz unvorbildlich die Sau rauslassen, wird der Vatertag in Frankreich sehr bedächtig zelebriert. Wesentlich weniger staatstragend als bei uns feiern Franzosen dagegen ihren Nationalfeiertag. Jedes Jahr am 14. Juli verwandelt sich Frankreich in eine Disko.

Rubriklistenbild: © dapd

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