Drama in Hasseldelle

Fünf tote Kinder in Solingen: Anwohner zwischen Ohnmacht und Fassungslosigkeit - der Tag nach der Tat

Eine Wohnungstür, vor der ein Kinderfahrrad, ein Kinderwagen und ein befülltes Schuhregal steht.
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In einer Wohnung in Solingen sind fünf tote Kinder entdeckt worden.

Das Familien-Drama mit fünf toten Kindern in Solingen und dem Suizid-Versuch einer offenbar verzweifelten Mutter hinterlässt Fassungslosigkeit.

Solingen - Vor der Wohnungstür steht ein buntes Kinderfahrrädchen mit einem lustigen Bärchen-Motiv. Rechts ein überquellendes Schuhregal im Hausflur. Mit großen und kleinen Turnschuhen, pinkfarbenen Mädchen-Sandalen. Am Boden ein Paar Jungen-Sommerschuhe, die das Kind offenbar eilig von den Füßen gestreift hat. Es sieht aus, als ob hier eine glückliche, quirlige Familie wohnt. Ein drastischer Trugschluss, wie man seit Donnerstag weiß.

Was sich hinter der Tür in der Wohnung in der Hasselstraße 155 in der bergischen Stadt Solingen abgespielt hat - man kann nur spekulieren. Entsetzlicher Fakt ist: Fünf der sechs Geschwister, die hier lebten, sind tot - zwei Jungen, drei Mädchen. Das älteste Kind wurde acht Jahre alt, das jüngste 18 Monate. Nur ein Geschwisterkind lebt, ein elfjähriger Junge - er ist in die Obhut seiner Oma in Mönchengladbach gegeben. Ein Kriminalexperte vermutet, dass die Warnzeichen während des Corona-Lockdowns nicht rechtzeitig erkannt wurden.

Fünf tote Kinder in Solingen (NRW): Schrecklicher Verdacht - mutmaßliche Täterin ist die 27-jährige Mutter

Am Tag nach dem Fund der toten Kinder ist vieles noch offen. Die Ermittler wollen am späten Freitagnachmittag (16.45 Uhr) weiter über den Fall informieren, über die Hintergründe, wie die Kinder starben, die eigentlich noch ihr ganzes Leben vor sich hatten. Der schreckliche Verdacht: Die erst 27 Jahre junge Mutter, eine Deutsche, soll die Täterin sein. Nach einem Suizidversuch - sie warf sich am Düsseldorfer Hauptbahnhof vor einen Zug - wird sie weiter schwer verletzt in einer Klinik behandelt. Der Vater? Dazu hüllt sich die Polizei zunächst in Schweigen, sagt nur, dass sie Kontakt zu ihm aufnehmen konnte.

Am Tag danach herrscht Sprachlosigkeit, Stille ist eingekehrt. Die Leichname sind in der Nacht zu Freitag abtransportiert worden, müssen obduziert werden. Alle Absperrungen sind aufgehoben. Die rund 40 Beamten haben die Spuren vor Ort gesichert, sind abgezogen. Für die Kollegen, die auf die fünf kleinen leblosen Körper stießen, ist die Belastung extrem, schildert ein Polizeisprecher. Vor dem Hauseingang, an den Briefkästen, brennen am Freitag Kerzen. Anwohner haben auch Stofftiere und Blumen niedergelegt.

Solingen/NRW: Fünf tote Kinder in Wohnung entdeckt - Nachbarn zwischen Ohnmacht und Fassungslosigkeit

Noch am Donnerstagabend geht ein Pfarrer durch die Straße mit der dichten Bebauung, den hohen Mehrfamilienhäusern, steht bereit, um entsetzten Nachbarn Trost zu spenden. Er treffe auf das Gefühl von Ohnmacht und tiefer Fassungslosigkeit, berichtet der Pfarrer. In Düsseldorf zeigt sich Ministerpräsident Armin Laschet schockiert. „Das lässt einen im Tagesgeschäft innehalten“ und an „die wichtigen Dinge im Leben denken“, sagt er.

Das einzige überlebende Geschwisterkind war mit der Mutter unterwegs, kurz bevor sie in Düsseldorf versuchte, sich das Leben zu nehmen. Dass eine Mutter eine solche Tat begehe, habe er bisher nie erlebt, betont Kriminalexperte Axel Petermann. „Diese Gewalt bedeutet ja auch für jede einzelne Tötung einen neuen Entschluss.“

Fünf tote Kinder entdeckt: Familien-Drama in Solingen (NRW) - warum Eltern ihre Kinder töten

Und Ulrike Zähringer von der Akademie der Polizei Hamburg sagt im WDR auf die Frage, warum Eltern ihre Kinder töten, dass oft Trennungssituationen eine Rolle spielten. Der Täter oder die Täterin sehe sich in einer völlig ausweglosen Situation, wünsche sich zu sterben und könne sich nicht vorstellen, die Kinder allein oder in einer getrennten Familie ihrem Schicksal zu überlassen.

Generell berichten wir nicht über Selbsttötungen, damit solche Fälle mögliche Nachahmer nicht ermutigen. Eine Berichterstattung findet nur dann statt, wenn die Umstände eine besondere öffentliche Aufmerksamkeit erfahren. Wenn Sie oder eine Ihnen bekannte Person unter einer existentiellen Lebenskrise oder Depressionen leidet, kontaktieren Sie bitte die Telefonseelsorge unter der Nummer: 0800-1110111. Hilfe bietet auch der Krisendienst Psychiatrie für München und Oberbayern unter 0180-6553000. Weitere Infos finden Sie auf der Webseite www.krisendienst-psychiatrie.de.

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