Münte ist wieder SPD-Chef / Steinmeier Kanzlerkandidat

SPD: Der erneute Neuanfang

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Der zuvor nominierte SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier (r) und der zum neuen SPD-Vorsitzenden gewählte Franz Müntefering (M) schmettern ein Lied.

Berlin - Nach knapp sechs Stunden Sonderparteitag wollte Franz Müntefering zum Schluss „eigentlich gar nicht mehr reden“.

„Ich will nur noch singen“, rief der neu gewählte SPD-Chef in den Saal. Eigens für ihn war ein Bergmannschor vom Ruhrgebiet nach Berlin gereist, um „Glück auf. Glück auf. Der Steiger kommt“ zu intonieren. Dass da der frisch gekürte Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier vom Blatt ablesen musste, tat der nach monatelangen Flügelkämpfen wiedergefundenen SPD-Harmonie und Zuversicht am Samstag keinen Abbruch. Sechs Wochen nach dem Rücktritt des Pfälzers Kurt Beck wurde klar, wie in dem neuen SPD-Spitzenduo die Arbeitsteilung aussieht: Der Kanzlerkandidat ist für Inhalte und Sachfragen zuständig, der SPD-Chef für die Abteilung Attacke.

Staatsmännisch machte Steinmeier klar, dass er bis zur Wahl im September als Außenminister regieren will. In seiner stürmisch gefeierten 88-Minute-Rede umriss er die Vision einer modernen, menschlichen, sozialen Gesellschaft – trotz Finanzkrise und weiteren Globalisierungsgefahren. Als Regierungschef werde er daran arbeiten, das von SPD-Kanzlern geschaffene „Modell Deutschland“ neu zu begründen. Die Delegierten dankten mit gut sechs Minuten Beifall.

Dabei blieb Steinmeier in der Auseinandersetzung mit dem Koalitionspartner sachlich. Die Wortwahl war klar, aber nie verletzend. Schärfere Spitzen gab es nur in Richtung CSU wegen der Erbschaftssteuer – Geld, das künftig für die Bildung fehlen werde. Klar grenzte sich Steinmeier dagegen von der Linkspartei ab, die er als „nicht regierungsfähig“ abstempelte.

Müntefering schwor seine Partei auf Kampf ein. Er geißelte „Beliebigkeit“ in der Unions-Politik. „Wir müssen eine Führung haben in diesem Land.“ Die Menschen fragten sich gerade jetzt, wer Wohlstand und Bildung auf hohem Niveau sichern könnte. Mit seinen Attacken brachte er die Genossen in Wallung. Doch die schönsten Gedanken seien wenig wert, „wenn sie nicht der hat, der auch die politische Macht hat“.

Als wollte Müntefering demonstrieren, dass für ihn der Kanzlerkandidat die eigentliche Nummer eins ist, drosselte er nach 20 Minuten seinen Redestil, nahm sich zurück – um nach weiteren 20 Minuten das Ergebnis für Steinmeier zu verkünden: 95,1 Prozent. Jubel unterbrach den Parteitag. Überrascht dagegen erschien Müntefering nach seiner Wahl: Mit 84,8 Prozent schnitt er gut zehn Punkte schlechter ab als Steinmeier und bei seiner ersten SPD-Chef-Wahl im März 2004. Müntefering, der das Amt einst als das „schönste außer Papst“ nannte, witzelte trotzdem: „Kein Papst hat es geschafft, zweimal gewählt zu werden.“

Quelle: tz

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