Starke Strahlung erschwert Arbeiten im Atomkraftwerk

Tokio - Wegen zu starker radioaktiver Strahlung sind am Mittwoch die Arbeiten zur Kühlung der beschädigten Reaktoren im Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi vorübergehend eingestellt worden.

Die Experten mussten abgezogen werden, weil das Gesundheitsrisiko zu groß wurde, wie der japanische Kabinettssekretär Yukio Edano mitteilte. Später sanken die Strahlenwerte wieder und ein Sprecher des zuständigen Energieunternehmens erklärte, die Experten befänden sich rund 500 Meter von dem Komplex entfernt und bereiteten ihre Rückkehr zu den Reaktoren vor.

Live-Ticker: Die Atom-Katastrophe in Japan

Zunächst war unklar, wie weit die Arbeiter sich zurückziehen mussten. Zur Minimierung der Strahlenbelastung arbeiteten die rund 180 Mitglieder des Notteams in rotierenden Schichten im Gefahrenbereich. Die Behörden der Präfektur Ibaraki, südlich von Fukushima, teilte mit, die Strahlung habe am späten Morgen das 300-fache des Normalen betragen. Der Anstieg der Radioaktivität sei vermutlich auf das Ablassen von Druck und damit von Gasen und radioaktiven Elementen aus dem Reaktor 2 zurückzuführen, teilten die Behörden mit.

Der japanische Kaiser Akihito sprach am Mittwoch den Opfern des verheerenden Erdbebens und des darauf folgenden Tsunamis sein Beileid aus und zeigte sich auch tief besorgt über die Krise in den Atomkraftwerken. Er rief die Japaner in einer im Fernsehen übertragenen Rede auf, nicht aufzugeben. “Wir wissen noch nicht genau die Zahl der Opfer, aber ich bete dafür, dass jeder Einzelne gerettet wird.“

Japan im Chaos: Die Bilder vom Mittwoch

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Die Behörden wollten ursprünglich Hubschrauber und Löschfahrzeuge einsetzen, um Wasser in die Reaktoren zu sprühen und einen weiteren Strahlungsaustritt zu verhindern. Edano erklärte jedoch, Wasser von oben sei mit einem Risiko verbunden. “Wir müssen auch die Sicherheit der Hubschrauber oben (in der Luft) berücksichtigen“, sagte er. Der Fernsehsender NHK zeigte Militärhubschrauber, die zu Erkundungsflügen aufbrachen und die Radioaktivität über dem Kernkraftwerk messen sollten.

Edano zufolge erwägt die japanische Regierung, das US-Militär um Hilfe zu bitten. Nähere Angaben machte er nicht. Die Regierung überlege, ob und wie sie die Hilfsangebote aus anderen Ländern annehmen solle.

Große Schäden in Reaktorblock 4

Über dem Reaktorblock 3 stieg wieder weißer Rauch auf. Dabei könne es sich auch um Wasserdampf handeln, teilte der Kraftwerksbetreiber TEPCO mit. Im Reaktorblock 4 war zuvor erneut Feuer ausgebrochen. Wenig später waren jedoch keine Flammen mehr zu sehen. Der japanische Sender NHK berichtete, TEPCO habe ein Foto von Reaktorgebäude 4 veröffentlicht. Demnach war auf dem Foto vom Dienstag zu erkennen, dass die äußere Gebäudewand eingestürzt war. Im vierten Stockwerk sei ein acht Meter breites Loch zu sehen, hieß es. In der Außenwand des Reaktorgebäudes wurde NHK zufolge ein weiteres acht Meter breites Loch bestätigt.

China untersucht Schiffsladungen auf Radioaktivität

Die Nachbarländer Japans erwarteten unterdessen keinen sofortigen Anstieg der Radioaktivität. Im Osten Russlands seien bislang keine erhöhten Strahlenwerte gemessen worden, teilte das russische Katastrophenschutzministerium am Dienstag mit. Auch Singapur meldete keine ungewöhnlichen Veränderungen des Strahlungsniveaus.

China ordnete angesichts der Lage in Japan verstärkte Radioaktivitätskontrollen bei Schiffsladungen an, die in chinesischen Häfen eintreffen. Dadurch sollen Waren verfolgt werden, die durch den Strahlungsaustritt in den beschädigten japanischen Atomanlagen verseucht wurden, wie aus der am Mittwoch veröffentlichen Anordnung der chinesischen Behörde für Qualitätsüberwachung hervorgeht.

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Trotz der angespannten Lage in Japan hält US-Präsident Barack Obama an der Atomkraft als Energiequelle fest. Atomkraftwerke in den USA würden streng überwacht und seien bis zu einem gewissen Grad erdbebensicher, sagte Obama. Auch Indonesien, das wie Japan stark erdbebengefährdet ist, will den Bau eines Atomkraftwerks mit vier Reaktoren weiter umsetzen. Dagegen stoppte Venezuela die eigenen Atomenergiepläne.

Börse erstmals wieder im Plus

An der Tokioter Börse wurde am dritten Handelstag nach der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe in Japan wieder einen Kursaufschwung verzeichnet. Der Nikkei-Index legte nach Handelsbeginn am Mittwoch um mehr als sechs Prozent zu. Der Index war zuvor am Dienstag um rund zehn und am Montag um sechs Prozent eingebrochen.

Die japanische Zentralbank pumpte am Mittwoch weitere 43 Milliarden Dollar (30,9 Milliarden Euro) in die Geldmärkte.

Von Eric Talmadge und Shino Yuasa

Rubriklistenbild: © dpa

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